POLITIK
21/12/2016 15:31 CET

"Kinder unter drei Jahren gratis": So dreist werben Schlepper auf Facebook um Kunden

"Kinder unter drei Jahren gratis": So dreist werben Schlepper auf Facebook um Kunden
Giorgos Moutafis / Reuters
"Kinder unter drei Jahren gratis": So dreist werben Schlepper auf Facebook um Kunden

Es sollte mittlerweile weitgehend bekannt sein: Schlepper hören nicht auf zu arbeiten, wenn man ihnen den Arbeitsweg versperrt.

Obwohl oder gerade weil die Balkanroute seit geraumer Zeit für Flüchtlinge geschlossen ist, boomt das Schleppergeschäft, insbesondere über das Mittelmeer.

Die illegale Branche wächst und wächst. Und sie ist gut vernetzt. Auch in den sozialen Netzwerken.

Ein Team des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) hat die sozialen Netzwerke von Januar bis November 2016 unter die Lupe genommen, um die Methoden der Schlepper zu durchschauen.

Die Erkenntnis: Auf Facebook werben die Schlepper neue Kunden an – fast so, als würden sie eine völlig legale Dienstleistung anbieten.

Schlepper werben mit utopischen Versprechen

Sie haben Slogans wie "100-prozentige Anerkennungsgarantie im Zielland" oder "Wir haben 25 Jahre Erfahrung". Sie machen besondere Angebote wie "Kinder unter drei Jahren gratis".

Im Interview mit dem dem österreichischen TV-Sender ORF sagte die UNHCR-Kommunikationsexpertin Melita Hummel Sunjic: "Bei manchen gibt es Bewertungen wie bei Tripadvisor, wo Kunden ihre Erfahrungen teilen und bewerten, wie gut welcher Schlepper funktioniert."

In unterschiedlichen Ländern sollen Schlepper auch unterschiedlich agieren: Besonders in Afghanistan sollen die Schlepper regelrecht übertriebenes Marketing betreiben. So sollen sie den Mitfahrern im Zielland sogar den Zugang zum Arbeitsmarkt versichern.

Bereits im Mai 2015 berichtete die britische BBC, mit welchen Versprechen die Schlepper in den sozialen Netzwerken werben. Sie bieten alles an: Von falschen Dokumenten bis hin zu Transportmitteln auf dem Land und im Wasser. Oft mit Fotos von Luxus-Schiffen. Die Realität sieht freilich anders aus.

Die UNHCR sieht die EU in der Verantwortung

Das UNHCR will mit der Recherche vor allem aufzeigen, wie dreist Schlepper vorgehen. Und wie mit den Hoffnungen der Menschen gespielt wird. Das Projekt "Telling the Real Story" soll Menschen aus Somalia und Eritrea aufklären, im kommenden Jahr soll es auf Afghanistan ausgeweitet werden.

Sunjic sieht vor allem die Europäische Union in der Verantwortung: "Je schwieriger man den Zugang hat und je weniger legale Möglichkeiten man hat, nach Europa zu kommen, umso mehr blüht das Schlepperwesen", sagte sie dem ORF.

Das Geschäft boomt. Und Konkurrenz belebt das Geschäft. Das wissen auch die Schlepper. Laut Sunjic versuchen sich die Schlepper nicht nur, sich selbst zu bewerben, sondern auch die Konkurrenz schlecht zu machen.

Sie verbreiten sogar vermeintliche Beweisfotos, auf denen zu sehen ist, dass andere Schlepper Waffen bei sich tragen oder ihre Kunden verletzen.

UNHCR: "Es herrscht eklatanter Informationsmangel"

Der Kampf um die Kunden fordert seine Opfer: Die Träume der Flüchtlinge. Denn jene, die eine nicht ungefährliche Überfahrt über das Mittelmeer oder eine tagelange Fahrt im engen Lastwagen überleben, die kommen im Herzen Europas an und bemerken, dass es nicht das Paradies ist, das ihnen von den Schleppern am Werbebanner auf Facebook versprochen wurde.

Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist nicht so einfach wie versprochen, das Asylverfahren verzögert sich laufend und die Bürokratie durchschauen die wenigsten. Sunjic sagt: "Es herrscht ein eklatanter Informationsmangel."

Und schließlich platzt für viele der Traum. Sie landen in Europa in der Armut oder werden abgeschoben. Nachdem sie mehrere tausend Euro für die Überfahrt ausgegeben haben. Sie haben es Schleppern gegeben, die ihren Traum vom besseren Leben schamlos ausgenutzt haben.

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(mf)