POLITIK
21/12/2016 18:18 CET | Aktualisiert 22/12/2016 02:48 CET

So machten sich Höcke, Gauland und andere Rechte mit ihrer geheuchelten Trauer lächerlich

So machten sich Höcke, Gauland und andere Rechte mit ihrer geheuchelten Trauer lächerlich
dpa
So machten sich Höcke, Gauland und andere Rechte mit ihrer geheuchelten Trauer lächerlich

Es war ein erbärmlich kalter Abend in Berlin, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Aus den Boxen schepperten maßlos übersteuerte Synthesizer-Klänge, eine Frau sang etwas vom „Herrn“, der sich bitte „erbarmen“ solle. Und im Publikum froren meist ältere Bürger dieser Stadt, während sie Grablichter in der Hand trugen und gegen die „Fremden“ in diesem Land polemisierten.

So also stellt sich die deutsche Rechte ein würdiges Gedenken für die Toten vom Breitscheidplatz vor.

Es war eine Farce, die sich da am Mittwochabend in Sichtweite des Bundeskanzleramtes abspielte. Geladen hatte der neurechte Vordenker Götz Kubitschek, als „Stargäste“ waren die AfD-Politiker Björn Höcke und Alexander Gauland gekommen. Außerdem versuchte noch Jürgen Elsässer etwas vom Abglanz der Politikgrößen abzubekommen, seines Zeichens Herausgeber des „Compact“-Magazins, ein Fachblatt für Verschwörungstheorien und Merkel-Hasser.

Das ist offenbar genau die Gesellschaft, in der sich führende AfD-Politiker zum Ende des Jahres 2016 gerne sehen.

Ein kümmerliches Häuflein Rechte war gekommen

Aber schon zu Beginn der so genannten „Mahnwache“ liefen die Dinge nicht so, wie die Veranstalter geplant hatten. Statt vor dem Kanzleramt musste sich die Gruppe auf einer abgesperrten Wiese vor einem Abgeordnetengebäude treffen. Und aus der mit viel Szene-Prominenz angekündigten Kundgebung wurde ein kleines Klassentreffen jener, die eigentlich schon immer etwas gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung hatten.

Etwa 300 Menschen standen dort, darunter gut 100 Gegendemonstranten und 50 Journalisten.

Einige der ungefähr 150 übrigen Gäste der Kundgebung trugen szenetypische Trauerkleidung.

Andere bekundeten ihre „Trauer“ mit feinsinnigen Kondolenzplakaten.

Ein den Rechten nahestehender Geistlicher sprach zu den Teilnehmern der Kundgebung: „Man möchte etwas tun gegen diese ganzen Wahnsinn“, dozierte der Mann. „Wenn Unschuldige angriffen werden, dann gilt nicht das Wort Jesu, dass man die andere Wange hinhalten soll.“

Schließlich hatte er noch eine politische Botschaft: „Wenn unsere Mitmenschen getötet und verletzt werden, dann haben auch wir Christen ein Recht auf Widerstand.“

Da gab es von den „Trauernden“ Applaus. Und noch mehr, als er forderte, dass „politische Fehlentscheidungen rückgängig“ gemacht werden müssten. „Das ist ein guter Mann“, sagte eine der Teilnehmerinnen.

Es ging nicht um die Toten

Damit dürfte auch dem Letzten klar gewesen sein, dass es den Anwesenden zu keiner Sekunde wirklich um die Toten ging - sondern um Rache an den "Altparteien" und an der Regierung von Angela Merkel (CDU).

Und wo das Publikum gerade in Fahrt war, fanden einige auch recht simple Lösungen für die Probleme, die der Geistliche skizzierte. „Durchladen“, rief eine Frau. Und sie meinte das ernst. Für einige Momente fühlte man sich an die Stimmungen auf den Pegida-Demos erinnert.

Elsässer ging nachher noch demonstrieren

Höcke, Gauland und Konsorten verzichteten während der Veranstaltung darauf, das Wort an die Gäste zu richten. Das sei eine Gedenkveranstaltung, die man nicht durch große Reden trüben wolle, sagte der Moderator.

Jürgen Elsässer indes hatte noch anderen Pläne, als er mit dem Trauern fertig war. Er stieß zu einer Demonstration im Berliner Stadtteil Tiergarten, in deren Folge der Eingang der CDU-Zentrale von Angehörigen der rechtsradikalen „Identitären Bewegung“ besetzt wurde.

Elsässer ließ es sich nicht nehmen, sich unter lautem Protest von der Polizei auf die andere Seite der Straße abführen zu lassen. Aber zu diesem Zeitpunkt war das Thema „Gedenken“ für ihn wahrscheinlich schon längst abgehakt.

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(sk)