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21/12/2016 17:17 CET | Aktualisiert 22/12/2016 02:41 CET

Bruder des mutmaßlichen Attentäters Anis Amri: "Vor zwei Wochen hatten wir das letzte Mal Kontakt"

Ein Blick über die Heimatstadt von Anis Amri: Kairouan
DVB60 via Getty Images
Ein Blick über die Heimatstadt von Anis Amri: Kairouan

Die Fahndung nach Anis Amri läuft europaweit auf Hochtouren. Der 24-jährige Tunesier wird verdächtigt, den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt verübt zu haben.

Die Bundesanwaltschaft rief die Bevölkerung zur Mithilfe auf und setzte bis zu 100.000 Euro Belohnung aus. Zugleich mahnte sie zur Vorsicht: "Bringen Sie sich selbst nicht in Gefahr, denn die Person könnte gewalttätig und bewaffnet sein!"

Nun meldete sich Anis' Bruder Walid zur Wort. "Vor ungefähr zwei Wochen hatten wir das letzte Mal Kontakt über Facebook", sagte er der "Bild"-Zeitung.

"Wir haben keinen Kontakt zu ISIS"

Der in Tunesien lebende Bruder ist über die Tat schockiert, die Anis begangen haben soll: "Ich bin genauso betroffen wie alle anderen. Wir haben keinen Kontakt zu ISIS", erklärte er.

Ein zweiter Bruder äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Falls Anis tatsächlich für den Anschlag verantwortlich sei, verdiene er "jede Strafe", so Abdelkader Amri. Er erklärte: "Wir lehnen den Terrorismus und die Terroristen ab."

Anis habe Tunesien im Jahr 2011 verlassen und sich zunächst in Italien aufgehalten. "Er wollte von da aus nach Deutschland, um dort Arbeit zu finden. Das hat aber erst drei oder vier Jahre später geklappt", so Walid Amri zu "Bild".

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Wie italienische Medien am Mittwoch berichten, soll der Gesuchte in Italien Brandstiftung begangen haben, woraufhin er zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Nach seiner Freilassung mit Abschiebungsurteil im Jahr 2015 setzte sich Amri offenbar nach Deutschland ab.

Laut NRW-Innenminister Ralf Jäger war Anis Amri 2015 über Freiburg nach Deutschland eingereist und verwendete mehrere Identitäten. Seit Februar hielt er sich demnach aber vor allem in Berlin auf. Dort wurde er längere Zeit überwacht, die Observierung endete im September. Die Sicherheitsbehörden tauschten Jäger zufolge ihre Erkenntnisse über Amri im gemeinsamen Terrorabwehrzentrum aus, zuletzt im November 2016.

Amri trauchte im Dezember unter

Laut "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR tauchte Amri dann im Dezember unter. Nach Informationen dieser Medien hatte er Kontakte zum Netzwerk des kürzlich verhafteten Hildesheimer Predigers Abu Walaa, den Jäger früher einmal als "Chefideologen" der Salafisten in Deutschland eingestuft hatte.

Amri sollte zwar seit dem Sommer abgeschoben werden. Das passierte aber nicht, "weil er keine gültigen Ausweispapiere hatte", so Jäger.

(Mit Material der dpa)

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(sk)