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21/12/2016 15:34 CET | Aktualisiert 21/12/2016 15:48 CET

Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: Was wir heute wirklich wissen

Das wissen wir zwei Tage nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmann
Michele Tantussi via Getty Images
Das wissen wir zwei Tage nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmann

Der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt hat Deutschland schwer getroffen - und die Nachrichtenlage ist nach wie vor nicht zur Ruhe gekommen.

Zwischen Spekulationen, falschen Verdächtigen und einer verschobenen Razzia war es schwer den Überblick zu behalten. Was wir zwei Tage nach der Tat sicher wissen, erfahrt ihr hier:

1. Die Tat

Am Montagabend kurz nach 20 Uhr fuhr ein Lastwagen am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg auf den Gehweg direkt in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt. Der Lkw fuhr mit schneller Geschwindigkeit ungefähr 60 bis 80 Meter auf der Mittelgasse zwischen den Buden durch die Menschen und kam dann zum Stehen.

Der Fahrer kletterte aus dem Wagen und flüchtete. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter den Lkw absichtlich in die Menschenmenge steuerte. Sein Beifahrer - ein polnischer Lkw-Fahrer - war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Seine Verletzungen lassen darauf schliessen, dass er sich vor seinem Tod wehrte. Die Tatwaffe gilt als verschwunden.

Um 20:04 Uhr ging der erste Alarm bei der Berliner Feuerwehr ein. Kurz darauf kamen Polizei, Feuerwehr und Notärzte am Weihnachtsmarkt an.

2. Die Opfer

Bei dem Anschlag kamen nach aktuellem Stand mindestens zwölf Opfer ums Leben. Sechs der Opfer sind mittlerweile zweifelsfrei identifiziert. Neben dem Lkw-Fahrer sollen zwei Menschen aus Brandenburg unter den Todesopfern sein. Auch Jugendliche und Ausländer könnten ums Leben gekommen sein, sagte Innenminister Thomas de Maizière.

Mehr zum Thema:Alle aktuellen Entwicklungen findet ihr in unserem Live-Blog

Vermisst werden noch: Eine Frau aus Italien und eine Frau aus Israel. Es wird befürchtet, dass sie unter den Todesopfern sein könnten. Von rund 50 Verletzten sind 25 Patienten weiter in stationärer Behandlung, 12 von ihnen sollen schwer verletzt sein. 24 Verletzte konnten das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

3. Die Verdächtigen

Seit gestern Abend suchen die Behörden nach dem Mann, der den Lkw durch die Menschenmenge lenkte und anschließend floh.

Der Pakistaner: Zunächst war die Polizei den Hinweisen eines Zeugen nachgegangen, der den flüchtigen Täter verfolgt haben wollte. Die Polizei stellte den Mann zwei Kilometer vom Tatort entfernt. Bereits früh kamen erste Zweifel auf, ob es sich bei dem Pakistaner tatsächlich um den Täter handelte.

Am Dienstagabend dann die Nachricht: Der 23-Jährige wurde wieder freigelassen. Der Mann habe nicht nur ständig seine Unschuld beteuert. Auch harte Beweise sprachen gegen ihn als Täter. So wies er zum Beispiel keine Schmauchspuren oder Kampfspuren auf, teilte die Polizei mit.

Der zweite Verdächtige: Am frühen Dienstagmorgen gab es eine weitere Festnahme im Fall des Attentäters vom Breitscheidplatz. Aber auch dieser Festgenommene stellte sich nicht als der Täter heraus. Das berichtet der RBB. Wie die Polizei auf seine Fährte kam, ist unklar.

Der Tunesier Anis Amri: Neue Spuren: Am Mittwochvormittag meldete die Mainzer "Allgemeine Zeitung" und der Hessische Rundfunk: Im Führerhaus des Tat-Fahrzeugs sei eine Duldung mit Personalien gefunden worden. Laut Medienberichten gehören diese dem 24-Jährigen Tunesier Anis Amri.

Am Mittwochabend verbreitete das BKA schließlich die öffentliche Fahndung nach Amri.

verdächtiger

Der flüchtige Amri ist etwa 1,78 Meter groß, 75 Kilogramm schwer, habe schwarze Haare und braune Augen, heißt es in der Fahndung. Zur Tatzeit soll der Gesuchte dunkle Kleidung, helle Schuhe und einen weißen Schal getragen haben. Das BKA warnt: Amri könnte gewalttätig und bewaffnet sein. Er gilt aktuell als wichtigster Verdächtiger im Fall Berlin. Die Behörden haben eine Belohnung von 100.000 Euro auf Hinweise zu Amri ausgeschrieben.

4. Wer ist Anis Amri?

Mehr zum Thema:Wer ist Anis Amri? - 5 Antworten

Von aktueller Seite ist bislang wenig bekannt zu dem Hauptverdächtigen des BKA.

Nur so viel: Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger bestätigte in einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag vorausgegangene Medienberichte über eine Verbindung des Tatverdächtigen mit der radikal-islamistischen Szene. Der Verdächtige sei aufgrund dessen von mehreren Behörden beobachtet worden, sagte Jäger.

Amri soll im Juli diesen Jahres nach Deutschland gekommen sein. Er habe sich zunächst in Baden-Württemberg, dann in NRW und in Berlin aufgehalten, sagte der Minister. Gegen ihn soll aber bereits ein Abschiebeverfahren in Gang gewesen sein. Davon hatte zunächst "Spiegel Online" berichtet.

Dieses habe sich aber verzögert, da der Gesuchte nicht die zur Abschiebung nötigen Ausweispapiere gehabt habe. Man habe vorläufige Passersatzpapiere aus Tunesien beantragt. "Die Papiere sind zufälligerweise heute aus Tunesien eingetroffen", sagt Jäger. Die Tatbeteiligung des Verdächtigen sei allerdings "noch überhaupt nicht geklärt", mahnte Jäger am Nachmittag.

5. Wie ist der Ermittlungsstand?

Laut Medienberichten soll Amri in einer Asylunterkunft in Emmerich (NRW) gelebt haben. Dort sollte heute wohl eine Razzia stattfinden, diese musste dann allerdings wohl wegen "formaler Fehler" verschoben werden, berichtete die "Welt". Kurz danach veröffentlichte das BKA die europaweite Fahndung nach Amri. Es muss wohl davon ausgegangen werden, dass sich Amri noch auf der Flucht befindet.

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(mf)