20/12/2016 06:09 CET | Aktualisiert 11/12/2017 10:03 CET

Wie es mein Kinderarzt schaffte, dass aus mir eine entspannte Mama wurde

South_agency/iStock

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich das erste Mal die Schwelle zur Kinderarztpraxis überschritt. Als junge Mutter, die ängstlich und unerfahren, ihr Neugeborenes einem Fachmann vorstellen sollte, fühlte ich mich wie vor einer wichtigen Prüfung. Mit allen Hoffnungen und Versagensängsten, die dazu gehören. In der Praxis empfing mich Kinderweinen, bellender Husten und Mütter, die ihr offensichtlich fieberndes Kind in den Armen hielten. Mit einer Mischung aus Stolz und zeitgleich dem Gefühl, die Neue im Club zu sein, trat ich an den Empfangstresen.

Mit klopfendem Herzen im Wartezimmer

„Ich habe einen Termin zur U2“ teilte ich der Sprechstundenhilfe mit, die mich freundlich anlächelte und mich ins Wartezimmer bat. Dort ging es hoch her, Kinder bauten mit großen Legosteinen, andere malten oder stritten um die Spielsachen, die im Zimmer verteilt waren, so dass es eher aussah, wie in einer Kita, als in einer Arztpraxis. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es sein würde, wenn mein Kind dort mitmischt und schaute auf meinen verschlafenen Zwerg. Mein Herz klopfte und in

meinem Magen baute sich ein Turm auf, der den Legoturm der Kinder um Längen schlug. Was, wenn der Arzt etwas findet? Wenn es nicht normal war, dass mein Kind nachts so viel schrie? Teilweise fand ich auch die Farbe der Haut irgendwie ungesund. Und dann dieser Eierkopf, hervorgerufen durch die Saugglockengeburt, den jetzt gnädig eine hübsche Mütze verdeckte..

Sie haben einen schönen, gesunden Sohn...

Ich war auf das Schlimmste gefasst,als ich aufgerufen und in das Sprechzimmer gebeten wurde. Nach kurzer Wartezeit trat Dr, Maaser ins Zimmer. Er begrüßte mich und gratulierte mir zu meinem Sohn, der inzwischen aufgewacht war und misstrauisch unter seiner Mütze hervorlugte.

Wie ein Zauberer, der ein Tuch wegzieht, um seinem Publikum zu präsentieren, was sich darunter verbarg, riss ich meinem Sohn die Mütze vom Kopf. Jetzt kam die Stunde der Wahrheit. Ich war starr vor Aufregung und Angst. Panisch forschte ich im Gesicht des Arztes nach einer Reaktion.

Doch liebevoll strich er meinem Sohn über den Kopf und meinte bewundernd: „Du hast ja schon eine richtige Frisur“. „Ja, aber diese Beule am Kopf...“ murmelte ich und schaute schuldbewusst auf mein argloses Baby, dessen Makel ich nun benannte. „Ach das...“ winkte der Arzt lässig ab, „das ist ein Folge der Saugglocke, machen Sie sich keine Sorgen, das wird nach einer Weile von selbst verschwinden, viel gefährlicher werden diese langen Wimpern und großen Augen sein, mit denen er nicht nur seine Mama becircen wird. Sie haben einen schönen, gesunden Sohn. Das sehe ich gleich.“ Noch bevor die eigentliche Untersuchung begann, hatte der Arzt den Turm in meinem Magen zum Einstürzen gebracht. Sogar die Beule sah plötzlich nicht mehr so riesig aus, fand ich.

Geduld und Humor rezeptfrei

Dies war der Auftakt einer jahrelangen, besonderen Beziehung. Nie verlor Dr. Maaser die Geduld, immer hatte er Zeit und Antworten.

Wer Kinder hat, der weiß, was einem alles begegnet und was einem Angst macht. Zum Beispiel, als ich meine Tochter, die sich im blühendsten Trotzalter befand, nach dem Mittagsschlaf aus dem Bett hob und ihr Gesicht aussah, als hätte sie einen schrecklichen Ausschlag im Gesicht. Ab zu Dr. Maaser, der sich die Zeit nahm, mir zu erklären, dass meine Tochter in ihrer Wut so geschrien hat, dass zig Äderchen in ihrem Gesicht geplatzt waren. Und der es mit Fassung trug, dass sie ihn als „blöder, blöder Gogger Naaser (Dr. Maaser) betitelte, weil er ihr schmerzendes Knie untersuchte, während mein Sohn dabei zusah und sich grundlos übergab.

Trotz des Spottes meiner Freunde, die mir unterstellten, ich hätte bereits Stühle mit eingravierten Namen im Wartezimmer, weil Dr. Maaser eine feste Größe in meinem Alltag war, gab er selbst mir niemals das Gefühl, ich wäre besonders ängstlich oder dumm. Dabei war ich genau das.

Er lehrte mich, dass nicht jedes Fieber zu einem Krampf führt, dass nicht jeder Husten eine Lungenentzündung wird und das Humor im Umgang mit Kindern nicht im Widerspruch zu Krankheiten steht. Wie sagte mein Sohn einmal sehr treffend, nachdem er die, vom Arzt geschenkten, Trostgummibären nach der Behandlung verzehrte? „Bei Doktor Maaser schmecken die Spritzen nach Gummibärchen.“ Wie recht er hatte!

Habe ich mich je bedankt?

Ich habe mich nie richtig bei Ihnen bedankt. Für Ihre Geduld, Ihren Humor und Optimismus. Dafür, dass Sie meine Kinder von Schmerzen befreiten und mich von meinen Ängsten. Für die Zeit, die Sie sich nahmen und dass Sie mich und meine Kinder immer mit Respekt behandelt haben. Und natürlich für die Gummibärchen.

Danke Dr. Maaser.

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