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20/12/2016 05:47 CET

Neue Studie: Warum Vaseline ein Gesundheitsproblem von Millionen Babys lösen könnte

Baby crying after vaccination
ballyscanlon via Getty Images
Baby crying after vaccination

Oberflächlich betrachtet sind Ekzeme vor allem nervig und weniger belastend. Aber für die mehr als 20 Prozent der Kinder in den USA (10-20 Prozent in Deutschland), die an Ekzemen leiden, können die Auswirkungen sehr ernst sein und zu immensen Kosten führen.

Atopische Dermatitis ist die häufigste Form von Ekzemen, sie tritt vor allem bei Neugeborenen auf. Die Krankheit kann chronisch werden, so dass der Betroffene ein Leben lang unter ihr leidet. Atopische Dermatitis kann sich aber nach einer gewissen Zeit auch von selbst wieder legen.

Außerdem wird atopische Dermatitis mit Heuschnupfen, Asthma, Allergien, Schlafproblemen und Gewichtsproblemen in Verbindung gebracht.

Die ersten sechs Lebensmonate sind entscheidend

Schätzungen zufolge liegen die Gesamtkosten für die Behandlung von Ekzemen in den USA jedes Jahr bei 3,8 Milliarden Dollar. Jetzt haben neueste Forschungen ergeben, dass ein Mittel, das weniger als zehn Dollar kostet, der Krankheit vorbeugen kann.

Wie das möglich ist? Neugeborene sollten bis zum sechsten Monat täglich mit Vaseline eingerieben werden.

"So könnte sehr vielen Neugeborenen geholfen werden und auch den Familien wird viel Leid erspart", sagte Steve Xu, ein Mediziner am Institut für Dermatologie an der Northwestern Feinberg School of Medicine, gegenüber der Huffington Post.

"Der Kosten-Nutzen-Faktor ist unschlagbar", so Dr. Steve Xu.

Xu und sein Team legten ihrer Arbeit eine Studie mit 124 Babys aus dem Jahr 2014 zugrunde. Darin hatten Wissenschaftler der Oregon Health & Science University festgestellt, dass sich das Risiko für Kinder, an atopischer Dermatitis zu erkranken, um die Hälfte reduzieren ließ - wenn die Eltern ihre Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten täglich (oder mindestens fünfmal in der Woche) eincremten.

Die Eltern in dieser Studie nutzten entweder eine freiverkäufliche Salbe aus der Drogerie, eine Feuchtigkeitscreme oder Sonnenblumenkernöl. Alle Produkte beugen Ekzemen gleichermaßen vor.

In ihrer darauffolgenden Forschung untersuchten Xu und sein Team die Behandlungskosten und stellten fest, dass es sehr viel günstiger war, bis zum sechsten Monat vorbeugend täglich eine Feuchtigkeitscreme zu verwenden, als zu einem späteren Zeitpunkt die Behandlungskosten für ein Hautekzem zu tragen.

Die Kosten für einen Sechsmonatsvorrat an Vaseline, das kostengünstigste Produkt der Studie, beliefen sich auf 7,30 Dollar. Die Kosten für das teuerste Produkt, Vaniply, betrugen für einen Sechsmonatsvorrat 173,39 Dollar.

"Der wirtschaftliche Faktor zeigt, das prophylaktisches Eincremen eine wirklich gute Idee ist", erklärt Dr. Xu.

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Viele Fragen zu Ekzemen sind immer noch unbeantwortet

Feuchtigkeitscremes spielen in der Behandlung von Ekzemen eine wichtige Rolle, aber bisher wurden sie nicht unbedingt vorbeugend eingesetzt. Der Beweis, warum die tägliche Verwendung von Feuchtigkeitscremes hilft, das Problem zu bekämpfen, ist immer noch nicht ganz erbracht.

Das liegt zum Teil daran, dass der Beweis, was genau atopische Dermatitis hervorruft, ebenfalls noch nicht gänzlich erbracht ist – ebenso verhält es sich mit der Frage, warum Menschen, die an atopischer Dermatitis leiden, später auch oft an Allergien, Heuschnupfen und Asthma leiden.

Die Forscher vermuten, dass die Verwendung einer Feuchtigkeitscreme in den ersten sechs Monaten der obersten Hautschicht hilft, Störungen auszugleichen, die sonst zu Ekzemen führen würden. Diese Störungen spielen vermutlich auch dabei eine Rolle, wie sich die atopische Dermatitis entwickelt, gleiches gilt für die Vererbung und Umwelteinflüsse.

Vaseline wird empfohlen - aber bisher nicht zur Vorbeugung

Ob das Vorbeugen von Ekzemen auch Allergien, Heuschnupfen und Asthma verhindert, ist eine andere unbeantwortete Frage. Aber es liegen immer mehr Daten vor, die den Schluss zulassen, dass Menschen, die an atopischer Dermatitis leiden, später sehr wahrscheinlich auch die oben genannten Erkrankungen entwickeln. Ärzte bezeichnen das als "atopischen Marsch".

Vaseline ist eine der Feuchtigkeitscremes, die die National Eczema Association für die Behandlung von Ekzemen empfiehlt, jedoch nicht prophylaktisch. Der amerikanische Verbund der Kinderärzte empfiehlt Vaseline als eines der wichtigsten Mittel für die Behandlung von Ekzemen (jedoch nicht unbedingt vorbeugend), die Behandlung von atopischer Dermatitis eingeschlossen.

Laut Xu ist es außerdem sehr sicher. Vaseline ist parfumfrei und wurde nicht mit Zusatzstoffen versehen, die Irritationen oder Allergien hervorrufen können. Manche Menschen verzichten dennoch auf Vaseline, und zwar aus Umweltgründen: Vaseline ist ein Nebenprodukt im Raffinationsprozess von Öl.

Sonnenblumenkernöl ist das zweitgünstigste Produkt in der Studie, ein Sechsmonatsvorrat kostet bei täglicher Anwendung 18,25 Dollar und kann eine gute Alternative für diejenigen sein, die auf Vaseline verzichten möchten.

Nicht alle Babys brauchen eine tägliche Feuchtigkeitscreme

Bereit, das Baby heute Abend mit Vaseline einzureiben? Nicht ohne vorher mit dem Kinderarzt zu sprechen, rät Xu.

Es ist wichtig anzumerken, dass die ursprüngliche Studie nur auf Babys beruhte, die bereits zu einer Hochrisiko-Gruppe zählten. Einer der Elternteile oder Geschwister litten bereits an Ekzemen, Heuschnupfen oder Asthma.

Größere Studien mit längeren Folgestudien sind notwendig und werden derzeit durchgeführt. Sie sollen bestätigen, dass die Methode auch weiter atopischer Dermatitis vorbeugt, wenn Babys über die ersten sechs Monate hinaus täglich eingecremt werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Daten sehr vielversprechend, da fast die Hälfte der Menschen, die an Ekzemen leiden, diese in den ersten Lebensjahren entwickeln, so Xu.

Ein sehr geringer Kostenfaktor

Bisher legt die Forschung nur nahe, dass die tägliche Verwendung einer Feuchtigkeitscreme bei Neugeborenen eine gute Idee ist, wenn diese Kinder bereits zu einer Risikogruppe zählen. Das Risiko bei einer solchen Behandlung ist gering, selbst wenn letztendlich die atopische Dermatitis nicht verhindert wird.

"Sanfte, milde Cremes stellen nur ein sehr geringes Risiko für Neugeborene dar", sagte Xu. Er fügte außerdem hinzu, dass Eltern, deren Kinder zu einer Risikogruppe zu zählen sind, verantwortungsvoller handeln, wenn sie das tägliche Eincremen als vorbeugende Maßnahme vorher mit dem Kinderarzt besprechen.

Und bei nur ca. sieben Dollar für volle sechs Monate Vaseline steht dem nichts im Weg.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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