NACHRICHTEN
20/12/2016 12:30 CET | Aktualisiert 20/12/2016 14:32 CET

Wir wissen nicht so viel wie gedacht: Der Faktencheck zum Berlin-Anschlag

Wir wissen nicht so viel wie gedacht: Der Faktencheck zum Berlin-Anschlag
Fabrizio Bensch / Reuters
Wir wissen nicht so viel wie gedacht: Der Faktencheck zum Berlin-Anschlag

Der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt hat Deutschland schockiert. Und zu einer Flut an Informationen, Meldungen - und vor allem Spekulationen geführt.

Welche Fakten sicher sind – und was momentan noch reine Vermutungen sind:

1. Der Tathergang

Kurz nach 20 Uhr fuhr ein Lastwagen am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg auf den Gehweg direkt in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt. Der Wagen fuhr mit schneller Geschwindigkeit ungefähr 60 bis 80 Meter auf der Mittelgasse zwischen den Buden durch die Menschen und kam dann zum Stehen. Der Fahrer kletterte aus dem Wagen und flüchtete.

Die Polizei geht davon aus, dass der Fahrer den Lkw absichtlich in die Menschenmenge steuerte.

Mehr zum Thema: Alle neuesten Nachrichten in unserem Liveblog

2. Die Opfer

Bei dem Anschlag kamen zwölf Menschen ums Leben, von denen mittlerweile sechs identifiziert sind. Unter den Opfern ist auch der Beifahrer des Todes-Wagens. Dabei handelt es sich vermutlich um den ursprünglichen Lkw-Fahrer. Der Mann wurde mit einer kleinkalibrigen Waffe angeschossen, habe Kampfspuren aufgewiesen und erlag anschließend seinen Verletzungen.

Außerdem sind 48 Menschen verletzt, 18 davon schwer. Wie die dpa berichtet, konnten 24 Verletzte bereits aus dem Krankenhaus entlassen werden.

3. Der Lkw

Das Todes-Fahrzeug gehört einer polnischen Spedition. Der Täter hatte den Lastwagen offenbar am Montag gegen 16 Uhr von einem Parkplatz in Berlin gestohlen. Das legen GPS-Daten des Sattelschleppers nahe. Außerdem sei der Fahrer ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu erreichen gewesen, teilte die Spedition mit.

Mehr zum Thema: Jetzt spricht der Besitzer des Lkws

Um 20:04 Uhr ging der erste Alarm bei der Berliner Feuerwehr ein. Kurz darauf kamen Polizei, Feuerwehr und Notärzte am Weihnachtsmarkt an.

Dann wird die Nachrichtenlage verworren.

4. Der festgenommene Verdächtige

Laut Medienberichten verfolgte ein Zeuge den flüchtigen Lkw-Fahrer. Schließlich konnte die Polizei den Mann rund zwei Kilometer vom Tatort entfernt im Berliner Tiergarten stellen.

Über den Verdächtigen wurden heute zahlreiche Details bekannt. Wir wissen, dass es sich um einen 23-jährigen Pakistani handelt, der am 31. Dezember 2015 über Passau als Flüchtling nach Deutschland kam.

Der Mann soll der Berliner Polizei schon durch kleinere Vergehen bekannt gewesen sein. Sogar sein Name wurde im Laufe des Vormittags bekannt: Naved B.

Einzig: Was nicht klar wurde ist, ob der Mann auch wirklich der Täter ist.

Heute Mittag kamen in den Medien erste Zweifel auf, die der Berliner Polizei-Präsident Klaus Kandt und BKA-Chef Holger Münch wenig später bestätigten. Am frühen Abend dann die Nachricht: Naved B. wurde wieder freigelassen. Die Polizei geht wohl nicht länger davon aus, dass es sich bei dem 23-Jährigen um den Täter handelt.

Der Mann habe nicht nur ständig seine Unschuld beteuert. Auch harte Beweise sprechen gegen ihn als Täter. So wies er zum Beispiel keine Schmauchspuren oder Kampfspuren auf, teilte die Polizei mit.

Mittlerweile muss die Polizei davon ausgehen, dass der wahre Täter noch auf der Flucht ist. Und das womöglich sogar bewaffnet. Denn die Tatwaffe haben die Beamten nirgendwo gefunden.

Unklar ist laut BKA immer noch, ob es sich um einen oder um mehrere Täter handelt.

5. Terror oder nicht?

Der Generalbundesanwalt Peter-Herbert Frank und das BKA haben heute im Laufe des Tages die Ermittlungen von der Berliner Polizei übernommen. Der Grund: Es besteht der Verdacht, dass es sich um einen Terroranschlag handelt. Dafür spricht der Tathergang, der stark an den Anschlag von Nizza im Juli erinnert.

Außerdem habe der IS schon mehrmals dazu aufgerufen, mit Fahrzeugen in Menschenmengen zu rasen. Zusätzlich kommt die Symbolik des Weihnachtsmarktes, die einen Terror-Anschlag vermuten lässt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Außer diesen Spekulationen und Indizien spricht aber rein gar nichts für einen terroristischen Hintergrund. Bisher gibt es kein Bekennervideo einer Terror-Organisation, der oder die Täter sind unbekannt.

BKA-Chef Münch sagte, es könne ein IS-Anschlag sein, es könne aber genauso gut keiner sein.

Auch Innenminister Thomas de Mazière sprach ganz bewusst von einem Anschlag und nicht von einem Terror-Anschlag.

6. Fazit

Eigentlich wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nur, dass wir wenig wissen.

Auch wenn der Tathergang sehr gut bekannt ist, sind Motiv und Täter noch völlig im Unklaren.

BKA-Chef Münch betonte, dass ein Anschlag wie der in Nizza auch sehr viele Trittbrettfahrer auf den Plan rufe. Vom IS müssen die noch lange nicht sein.

Auch auf HuffPost:

Das war die 80 Meter lange Todesroute des Lkw-Fahrers

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Was für die meisten völlig selbstverständlich ist, bedeutet für Menschen mit körperlicher Behinderung enorme Anstrengung: einen Schulabschluss erreichen, einen Job finden und selbstständig in einer eigenen Wohnung leben.

Die Stiftung Pfennigparade setzt sich dafür ein, die Lebenswelten von Menschen mit körperlicher Behinderung nachhaltig zu verbessern. In ihren Einrichtungen lernen, leben und arbeiten über 3000 Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.

Unterstütze das Projekt jetzt und spende auf betterplace.org!

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.