POLITIK
20/12/2016 05:50 CET | Aktualisiert 21/12/2016 05:14 CET

Nach Berlin: So fahrlässig schürt Frauke Petry jetzt Angst

AfD-Chefin Frauke Petry schürt Angst
Axel Schmidt / Reuters
AfD-Chefin Frauke Petry schürt Angst

Populistische Parteien sagen das, was ihre Wähler hören wollen. Das haben diese Parteien schon im Namen. Das kann in manchen Situationen gut sein, immerhin fühlt sich der Wähler verstanden.

In manchen kann es aber auch schlecht sein.

Wie am Tag nach dem mutmaßlichen Anschlag von Berlin. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry postete auf Facebook ein Bild mit der folgenden Botschaft:

"Deutschland ist nicht mehr sicher. Es wäre die Pflicht der Bundeskanzlerin, Ihnen das mitzuteilen. Da sie es nicht tun wird, sage ich es Ihnen."

Jetzt fühlt sich so mancher besorgter Bürger natürlich sehr gut verstanden in seinem subjektiven (Un-)Sicherheitsgefühl.

Doch damit macht die AfD-Vorsitzende mit einem einzigen Post die ganze Arbeit von Polizei, Politik und Terrorexperten zunichte. Nicht umsonst warnen diese nach jedem Anschlag vor voreiligen Spekulationen und Panikmache.

Denn das bringt niemanden weiter. Oder vielleicht doch - denn Panik hilft den Terroristen. Denn was sie wollen, ist einzig und allein Panik, Angst und Hass zu schüren.

Da haben sie in Frau Petry eine wunderbare Helferin bei der Verbreitung ihrer Botschaft gefunden.

Der IS ist noch nicht einmal als Urheber des Lkw-Vorfalls bestätigt, darf sich aber jetzt schon freuen, einmal mehr Angst und Schrecken in Europa verbreitet zu haben.

"Der Schrecken ist nun auch bei uns angekommen. Der radikalislamische Terror hat mitten in Deutschland zugeschlagen", schreibt Petry auf Facebook.

Petry verunglimpft jene, die zu Ruhe und Besonnenheit aufrufen

Doch nicht nur, dass sie ihrerseits Panik mit ihren Botschaften verbreitet. Sie verunglimpft auch noch jene, die zu Ruhe und zur Besonnenheit aufrufen.

Auf Twitter teilte sie einen Tweet des SPD-Parteivorstandes. Darin schreibt der Journalist Imre Grimm, was jetzt nicht helfe - Angst, Hass, Polemik, Medienschelte, Spekulation - und was helfe: nämlich Geduld, Empathie, Menschlichkeit.

Petry hat für diesen Aufruf nur Worte der Verachtung übrig: "Es ist bezeichnend, was die SPD zum gestrigen Tag teilt: Selbst heute hält man an der Politischen Korrektheit fest. Traurig", schreibt sie.

Also, was will uns Frauke Petry damit sagen?

Dass Angst, Hass, Polemik, Medienschelte und Spekulation besser gegen Terror helfen als Geduld, Empathie und Menschlichkeit? Dass es besser ist, Spekulationen anzustellen als auf handfeste Informationen zu warten?

Dass es sinnvoll ist, die Medien als Lügenpresse zu beschimpfen und stattdessen irgendwelchen eiligen Facebook-Meldungen zu glauben? Dass es besser ist, alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen, als den Verdächtigen und die Gründe seines Handelns zu erforschen?

Wir sollten alle ein bisschen Ruhe bewahren. Und nicht auf Frau Petry hören. Dann haben die Terroristen nämlich schon gewonnen.

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(ben)