POLITIK
20/12/2016 11:18 CET | Aktualisiert 20/12/2016 14:41 CET

So widerlich reagiert die AfD auf den Vorfall in Berlin

  • Nach dem Vorfall in Berlin nutzen AfD-Politiker den mutmaßlichen Anschlag bereits jetzt für politische Zwecke

  • Mehrere AfD-Politiker gaben bei Twitter Zuwanderern und der Bundeskanzlerin die Schuld an dem Anschlag

  • Den Auftakt machte der Landesvorsitzende aus Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell (Video oben)

  • Dabei ist derzeit weder die Täterschaft, noch die Motivation für die Tat geklärt

Nach dem Anschlag in Berlin verbreiten sich die Informationen in Sekunden - und mit ihnen die Falschmeldungen und Verschwörungstheorien.

Eine gewisse Partei namens AfD mischt da kräftig mit. Bereits kurz nachdem der Lkw in einen belebten Weihnachtsmarkt gerast war, haben Mitglieder der Partei voreilige Schlüsse gezogen, Spekulationen als Fakten verkauft und Verschwörungstheorien verbreitet.

Spitzenpolitiker der Partei forderten sogleich die Ausweisung von Flüchtlingen und den Rücktritt von Kanzlerin Angela Merkel – ohne überhaupt zu wissen, ob der Vorfall am Berliner Weihnachtsmarkt einen islamistischen Hintergrund hat.

So verkündete die AfD-Vorsitzende Frauke Petry etwa am Morgen nach dem Vorfall, dass es sich um muslimischen Terror handele: "Der Schrecken ist nun auch bei uns angekommen. Der radikalislamische Terror hat mitten in Deutschland zugeschlagen."

Noch ist nicht geklärt, wer den Lkw gelenkt hat. Ob es der verhaftete Pakistani war - die Polizei zweifelt an seiner Täterschaft, inzwischen wurde der 23-Jährige sogar wieder freigelassen - oder ob es überhaupt ein Islamist war.

Egal: Auf dem offiziellen Twitter-Profil der Partei schreibt der stellvertretende Vorsitzende, Alexander Gauland, dass Berlin kein Einzelfall sei und in Zusammenhang mit Merkels Asylpolitik stehe.

Da weiß Alexander Gauland wohl mehr als die Polizei. So auch André Poggenburg, AfD-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt, der schon weiß, welcher Herkunft der Täter angehört - oder besser gesagt: welcher nicht: "Multi-Kulti um jeden Preis" kostet eben innere Sicherheit." Und basierend auf dieser Annahme fordert er dann den Rücktritt von Kanzlerin Merkel.

Der Pressesprecher der AfD, Christian Lüth, fordert auf Twitter geschlossene Grenzen. Das fordert die AfD immer. Nichts Neues. Aber dass er in der ersten Hälfte des Tweets schreibt "Bitte jetzt keine 'Je suis Berlin'-Aktionen", lässt dann doch einen sehr voreiligen Schluss zwischen dem Vorfall in Berlin und der Flüchtlingskrise vermuten.

Der AfD ging es, nachdem die ersten Meldungen veröffentlicht wurden, gar nicht schnell genug, Merkel für den Vorfall in Berlin verantwortlich zu machen. Der AfD-Landesvorsitzende aus Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, klagte an: "Es sind Merkels Tote!"

Blöd, dass das Internet nicht vergisst. Das denkt sich jetzt wahrscheinlich auch AfD-Politiker Mirko Welsch. Der stellte zum einen einen völlig an den Haaren herbeigezogenen Zusammenhang her: Nämlich zwischen Merkels Forderung, Flüchtlingen den Erwerb des Lkw-Führerscheins zu erleichtern, und dem Vorfall von Berlin.

Zum anderen ist der Täter bei ihm nach wie vor ein pakistanischer Flüchtling. An dessen Täterschaft zweifelte die Polizei bereits früh - mittlerweile wurde der 23-Jährige wieder freigelassen.

Und zum Schluss noch ein Kommentar aus der Kategorie: besonders unterirdisch. Der AfD-Landtagsabgeordnete aus Baden-Württemberg, Stefan Räpple, postete ein Foto, auf dem Merkels Raute aus blutigen Händen geformt zu sehen ist. Auf dem Bild steht: "Frau Merkel, es klebt Blut an Ihren Händen. Treten Sie zurück!"

Man stelle sich vor, am Ende ist der Attentäter von Berlin kein Flüchtling oder nicht einmal Muslim. So war es zum Beispiel beim Amoklauf von München, bei dem es der AfD auch nicht schnell genug ging, den islamischen Terror und Merkel verantwortlich zu machen.

Man stelle sich vor, am Ende ist es gar ein Deutscher, der den Lkw gelenkt hat. Was macht die AfD dann?

Und wenn sich am Ende herausstellt, dass es ein radikaler Muslim war, kann die AfD immer noch damit Politik machen, Angst und Hetze verbreiten und hoffen, dass ihr dann die Wähler zulaufen.

Aber nicht jetzt.

+++ Hinweis der Redaktion: Aufgrund der laufenden Ermittlungen der Polizei Berlin wurde dieser Text um 19:40 aktualisiert +++

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(pb)