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19/12/2016 07:25 CET | Aktualisiert 19/12/2016 09:06 CET

Verbot von Weihnachten in deutsch-türkischer Schule: Das sagt die Bundesregierung

dpa

Der Streit um den Umgang mit dem christlichen Weihnachtsfest an der deutsch-türkischen Elite-Schule Istanbul Lisesi hat hohe Wellen geschlagen.

Angeblich hatte die Schule den Lehrern verboten, über das Weihnachtsfest im Unterricht zu sprechen. Die mehr als zwei Dutzend deutschsprachigen Lehrer an der Schule werden indirekt von Deutschland finanziert.

Jetzt hat sich auch die Bundesregierung zu dem Vorfall geäußert. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, sagte auf einer Pressekonferenz in Berlin:

"Niemand in der Türkei verbietet irgendjemandem Weihnachten zu feiern. Es gab und es gibt wahrscheinlich Diskussionen darüber, in welcher Weise im Unterricht über deutsche Traditionen und Bräuche gesprochen wird." Das sei aber noch kein Weihnachtsverbot.

"Missverständnis ist ausgeräumt"

Weiter hieß es, dass inzwischen Gespräche zwischen den deutschen und türkischen Verantwortlichen an der Schule stattgefunden hätten.

Die Schule, so hieß es, werde zeitnah mitteilen, dass das Missverständnis inzwischen ausgeräumt sei. Im Unterricht werde über deutsche Weihnachtsbräuche auch weiterhin gesprochen.

Tatsächlich hieß es am Montag in einer E-Mail der deutschen Abteilungsleitung an die deutschen Lehrer der Schule, die der DPA vorliegt: "Nach gemeinsamer Sitzung zwischen der türkischen Schulleitung und der Leitung der Deutschen Abteilung kann ich Ihnen mitteilen, dass kein Verbot 'Weihnachten' im Unterricht zu besprechen vorliegt."

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Zu den politischen Konsequenzen aus diesem Fall, sagte Schäfer, das Auswärtige Amt habe nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür, dass sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in einer Art "Mikro-Mikro-Mikro-Management" in die Angelegenheiten der Schule eingemischt habe.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, dieser Fall eigne sich nicht als Ausgangspunkt für eine Debatte über die gesamte Türkei-Politik der Bundesregierung. Er wies Spekulationen zurück, die Bundesregierung könne durch den Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei in ihrem Verhältnis zu Ankara "in irgendeiner Weise gehemmt" sein.

Die Deutsche Regierung überweist nach eigener Aussage "einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag" pro Jahr, um die Lehrer an der Schule in Istanbul zu bezahlen. Derzeit sind dort 35 Lehrer beschäftigt.

Heftige Reaktionen auf vermeintliches Weihnachtsverbot

Bei deutschen Politikern und in deutschen Medien hatte das vermeintliche Weihnachtsverbot scharfe Reaktionen hervorgerufen. Die Schule dementierte inzwischen, dass die Lehrer nicht mehr über das Weihnachtsfest sprechen dürften.

Am vergangenen Dienstag hatte die Leitung der Deutschen Abteilung am Istanbul Lisesi an die deutschen Lehrer geschrieben: "Es gilt nach Mitteilung durch die türkische Schulleitung eben, dass ab sofort nichts mehr über Weihnachtsbräuche und über das christliche Fest im Unterricht mitgeteilt, erarbeitet sowie gesungen wird."

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(ks)