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19/12/2016 06:04 CET | Aktualisiert 19/12/2016 07:10 CET

Thilo Sarrazin über den Euro: "Der Austritt Italiens wäre ein Himmelfahrtskommando"

Buchautor und Ex-Politiker Thilo Sarrazin ist der Meinung, dass der Euro jederzeit platzen könnte
Florian Gaertner via Getty Images
Buchautor und Ex-Politiker Thilo Sarrazin ist der Meinung, dass der Euro jederzeit platzen könnte

  • Buchautor Thilo Sarrazin ist der Meinung, der Euro könnte nach dem Verfassungs-Referendum in Italien jederzeit platzen

  • Ein Austritt Italiens wäre laut ihm "durchaus ein Himmelfahrtskommando" - könnte jedoch für die Wirtschaft des Landes positive Folgen haben

Das Verfassungs-Referendum in Italien war ein Sieg für die Europa-Skeptiker im Land. In einem Interview sprach Buchautor und Ex-Politiker Thilo Sarrazin darüber, was passieren würde, wenn Italien nach der Abstimmung entscheiden sollte, aus dem Euro auszutreten.

Dass die Italiener vor allem den anti-europäischen Parteien ihre Stimme gaben, sieht Sarrazin im Interview mit "Focus Online" zwar noch nicht als Anfang vom Ende der Euro-Zone. Allerdings könnte laut ihm nun jederzeit der Euro platzen.

"Dann knallt es natürlich"

Mit dem Referendum am 4. Dezember hatten die Italiener über eine Änderung der Verfassung abgestimmt. Die Abstimmung war vom Europa-freundlichen Ministerpräsidenten Matteo Renzi eingebracht worden. Die populistische und Euro-skeptische Fünf-Sterne-Bewegung unter dem Ex-Komiker Beppe Grillo hatte gegen die Verfassungsänderung Stimmung gemacht - und war mit diesem Kurs erfolgreich.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen und mehrere Euro-Gegner bei nationalen Wahlen gewinnen, könnte es das für die Währung gewesen sein, meinte Sarrazin im Interview. "Beppe Grillo in Italien und Marine Le Pen in Frankreich. Sollten beide gleichzeitig den Euro verlassen wollen, dann knallt es natürlich", sagte der Volkswirt.

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Schon jetzt werde die wirtschaftliche Situation für die Euro-Länder immer angespannter. Denn eine Entlastung der eigenen Wirtschaft durch eine Abwertung der Währung ist im Euro-System nicht möglich. "Dieses Fixkurs-System ist eine Katastrophe", sagte Sarrazin.

Wann das System kollabieren werde, darauf wollte sich Sarrazin nicht festlegen. Aber mit einem plastischen Vergleich verdeutlichte er die Unsicherheit, die über dem Euro schwebt: "Ich vergleiche den Euro mit einer wackligen Brücke. Wenn sie die statische Belastbarkeit überschritten hat, kann sie übermorgen zusammenbrechen. Aber sie kann auch noch fünf Jahre starken Verkehr aushalten."

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"Wir würden Hunderte von Milliarden verlieren"

Ein Austritt Italiens aus dem Euro wäre für das Land und den Rest Europas zunächst ein großer Schock. Es wäre eine teure Sache – auch für Deutschland, meinte Sarrazin. Wenn die Italiener eine neue Währung auf den Markt bringen und diese beispielsweise um 40 Prozent abwerten würden, würde Deutschland 40 Prozent seiner Forderungen an Italien verlieren. "Wir würden Hunderte von Milliarden verlieren", sagte Sarrazin.

Langfristig hält Sarrazin jedoch einen Austritt Italiens – zumindest aus wirtschaftlicher Sicht – für positiv. "Gerade die italienische Wirtschaft könnte sich dann endlich erholen", meinte er.

Allerdings seien die Folgen für den Rest von Europa bei dem Austritt eines Landes nicht vorherzusehen. Sollte Italien wirklich austreten, wäre als nächster Kandidat für einen Austritt Frankreich unter Druck. "Der Austritt von Italien wäre durchaus ein Himmelfahrtskommando", resümierte daher Sarrazin.

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