POLITIK
20/12/2016 00:01 CET | Aktualisiert 20/12/2016 00:13 CET

"Die Botschaft ist klar": Das sagen Terror-Experten zur Amok-Fahrt

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach
ullstein bild via Getty Images
Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach

  • Nach der Amok-Fahrt eines LKW in Berlin will die Bundesregierung noch nicht von einem Anschlag sprechen

  • Doch Terror-Experten sehen in dem Vorfall eine gezielte Attacke

  • Sie wundern sich über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin

Nach der Amok-Fahrt eines LKW in Berlin, bei der 12 Menschen starben, will Bundesinnenminister Thomas de Maizière noch nicht von einem Terroranschlag sprechen.

In der ARD sagte er am Abend: "Ich möchte im Moment noch nicht das Wort Anschlag in den Mund nehmen, obwohl viel dafür spricht."

Andere sind nicht so vorsichtig. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) geht nach seinem bisherigen Informationsstand von einem "Terroranschlag" auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin aus.

"Es ist Strategie des IS, genau solche Anschlägen anzustiften"

"Nach allem, was wir wissen, müssen wir von einem Terroranschlag ausgehen", erklärte Jäger am frühen Dienstagmorgen. Ein Sprecher Jägers sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Informationen, die wir bisher haben, lassen uns zu dieser Bewertung kommen."

Auch Terror-Experten sind sich sicher, dass es sich um eine gezielte Attacke handelt. CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach geht von einem Attentat auf die Menschen auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin aus: "Ausgeführt nicht nur mit größter Brutalität und verheerenden Folgen, sondern auch mit bewusst großer Symbolkraft: wenige Tage vor Weihnachten, mitten in der deutschen Hauptstadt inmitten fröhlicher und friedlicher Menschen. Die Botschaft ist klar: egal wo, egal wie, wir werden jederzeit zuschlagen können", sagte er gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Terror-Experte Prof. Peter Neumann vom Londoner King’s College sagte im Interview mit der "Bild"-Zeitung: "Es ist eine Strategie des IS, genau zu solchen Anschlägen anzustiften, mit einfachen Mitteln: Macht es auf eigene Faust, macht es nicht zu kompliziert."

"Weihnachtsmärkte sind das perfekt Ziel"

"Weihnachtsmärkte sind aus der Täter-Perspektive das perfekte Ziel: Sie symbolisieren Lebensfreude, dort halten sich viele, viele Menschen auf, die einfach unbeschwert den Abend genießen wollen." Zudem stünden sie in Verbindung mit Weihnachten, dem wichtigsten Fest der Christen.

"Sollte es sich um einen islamistisch motivierten Täter handeln, war das sicher ein Beweggrund", so Neumann.

Er wundert sich, dass Platz an der Gedächtniskirche nicht mit Pollern gesichert war. "Man kann Anschläge verhindern, indem man dafür sorgt, dass sie schwieriger durchzuführen sind. Warum gab es zum Beispiel keine Barrieren am Weihnachtsmarkt in Berlin?"

"Es gab kaum Sicherheitsmaßnahmen"

Gegenüber dem Sender N-TV sagte, Shlomo Shpiro, Anti-Terror-Experte der Universität Tel Aviv: "Dieser Weihnachtsmarkt war zu diesem Zeitpunkt voll mit Menschen, darunter auch Kinder und Jugendliche. Dieser Weihnachtsmarkt wurde nicht zufällig ausgewählt.“ Kurz vor der Attacke sei er noch selbst über den Platz gelaufen.

Dabei habe er kaum Schutzmaßnahmen gesehen: "Es gab kaum Sicherheitsmaßnahmen. Ich war dort und habe kaum Polizisten gesehen. Es gab kaum Kontrollen, der Verkehr lief ganz normal."

In dem TV-Sender sagte er: "Die Sicherheitsbehörden wurden in diesem Fall ganz offensichtlich überrascht. Es war interessant zu sehen, wie schnell sie sich auf die neue Situation eingestellt haben."

In unserem Live-Blog informieren wir über alle aktuellen Geschehnisse vom Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz.

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