POLITIK
19/12/2016 22:17 CET | Aktualisiert 20/12/2016 01:25 CET

"Jemand hat geübt, ihn zu fahren": Der für den Anschlag verwendete LKW wurde in Berlin gestohlen

Der Lastwagen, der für einen mutmaßlichen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche verwendet wurde, ist gestohlen worden. Das mit Stahlträgern befahrene Fahrzeug hat ein polnisches Kennzeichen.

Nun verdichten sich die Hinweise, dass der mutmaßliche Täter den Fahrer des Lastwagens überwältigte, um an das Fahrzeug zu gelangen. Auf dem Beifahrersitz wurde die Leiche eines Mannes gefunden. Die Polizei bestätigte am frühen Morgen, dass es sich um einen Polen handelt. Wann und wie der Mann starb, ist aber noch unklar.

Der Tote habe das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Tat nicht gesteuert, schrieb die Polizei auf Twitter.

Der Besitzer des Fahrzeugs hat sich in einem Interview mit dem Privatsender TVN24 geäußert. Der Lkw gehöre ihm, doch er versicherte, dass es nicht sein Fahrer gewesen sei, der bei der Todesfahrt am Steuer saß.

"Das ist mein Cousin"

"Das ist mein Cousin", zitieren mehrere deutsche Medien den Spediteur Ariel Zurawski. Dieser sei ein erfahrener Fahrer, habe 15 Jahre in dem Beruf gearbeitet.

"Es kann einfach nicht mein Fahrer gewesen sein", sagte Zurawski. zu dem Vorfall. "Ihm muss etwas angetan worden sein", mutmaßt er. "Ich stehe so unter Schock."

Ein Vertreter des Lkw-Unternehmens sagte am Abend zudem, dass jemand am Montag mehrfach geübt hat, das Fahrzeug zu starten. Das zeigten per Funk übermittelte Daten.

Der leitende Speditionsmitarbeiter Lukasz Wasik sagte dem Internetportal money.pl, jemand habe den Laster am Montag mehrfach gestartet. "Es ist, als hätte jemand geübt, ihn zu fahren", sagte Wasik.

Eigentlich habe der Laster am Montag stehen bleiben sollen, um auf seine Entladung am Dienstag zu warten, führte Wasik aus. Nach den von ihm überprüften GPS-Daten aus dem Lastwagen habe jemand aber um 15.44 Uhr den Motor gestartet und weitere Male um 16.52 Uhr und um 17.37 Uhr.

Seine Frau konnte den Fahrer ab 16 Uhr nicht mehr erreichen

Der Lastwagen sei aber nicht weggefahren. Um 19.34 Uhr habe sich der Lkw aber dann in Gang gesetzt. Gegen 20.00 Uhr war das Fahrzeug in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast.

Gegen Mittag habe Z. das letzte Mal mit dem Fahrer telefoniert. Dieser habe angerufen und mitgeteilt, dass das Ausladen der Stahlteile auf den nächsten Morgen verschoben worden sei, schreibt "Spiegel Online". Daraufhin habe er das Fahrzeug in der Nähe der Firma stehen lassen, wo er ausladen sollte.

Die Frau des mutmaßlichen Fahrers des Lkw habe ihren Mann ab etwa 16 Uhr nicht mehr erreichen können. Ab diesem Zeitpunkt wisse der Spediteur nicht mehr, was mit dem Fahrzeug geschah. Ariel Zurawski geht deshalb davon aus, dass das Fahrzeug gestohlen wurde.

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