POLITIK
19/12/2016 12:50 CET | Aktualisiert 19/12/2016 15:18 CET

Russischer Botschafter in Ankara erschossen

Kurz vor dem Anschlag: Andrej Karlow bei der Kunstausstellung am Montag
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Kurz vor dem Anschlag: Andrej Karlow bei der Kunstausstellung am Montag

Der russische Botschafter in der Türkei ist bei einem Anschlag in der Hauptstadt Ankara getötet worden. Ein Angreifer schoss am Montagabend bei der Eröffnung einer Ausstellung in einer Galerie mehrmals auf Botschafter Andrej Karlow. Im Krankenhaus erlag Karlow wenig später seinen Verletzungen.

Die russische Nachrichtenagentur Tass meldete unter Berufung auf Augenzeugen, der bewaffnete Mann sei in die Galerie eingedrungen, wo die Ausstellung zum Thema "Russland, wie es von den Türken gesehen wird" eröffnet worden sei. Der Attentäter habe auf Karlow geschossen, als dieser seine Ansprache beendet habe. Nach der Tat wurde der Angreifer von Sicherheitskräften erschossen.

Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten:

1. Was ist der Hintergrund des Attentats?

Bestätigte Meldungen zum Hintergrund des Attentäters und seinen Motiven gibt es noch nicht. Es gibt aber mehrere Anzeichen dafür, dass der Angriff islamistisch motiviert war.

Fest steht bisher nur, dass es sich bei dem Mann um einen einheimischen Polizisten handelt. Der türkische Innenminister Süleyman Soylu sagte am Montagabend in Ankara, bei dem Attentäter habe es sich um einen 22-jährigen Polizisten gehandelt, der seit zweieinhalb Jahren in der Hauptstadt eingesetzt gewesen sei.

Auf Videos vom Anschlag ist zu sehen, wie der Attentäter immer wieder "Allahu Akbar" - Gott ist groß - ruft, nachdem Karlow zusammengebrochen ist.

Der Attentäter ruft auf türkisch außerdem "Vergesst nicht Aleppo" und "Vergesst nicht Syrien", während er neben dem leblos auf dem Boden liegenden Botschafter herumläuft. Wer für die Grausamkeiten verantwortlich sei, werde bezahlen.

Unmittelbar nach den Schüssen ruft der Angreifer zunächst auf arabisch: "Wir sind diejenigen, die dem Propheten Mohammed Treue und dem Dschihad Treue schwören." Diesen Satz rufen auch syrische Islamisten, wenn sie ins Gefecht ziehen.

2. Was sind die Auswirkungen des Attentats?

Am Dienstag wollten sich die Außenminister der Türkei, Russlands und des Irans in Moskau über den Syrien-Konflikt beraten. Die Tat könnte also ein Versuch sein, die bilateralen Beziehungen zu stören. Denn Ankara und Moskau hatten sich zuletzt wieder deutlich angenähert, nach einer schweren Krise 2015.

Noch am Montagabend sagte aber der russische Außenpolitiker Leonid Sluzki, dass die Verhandlungen trotz der Ermordung des russischen Botschafters wie geplant stattfinden sollen.

Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, Präsident Recep Tayyip Erdogan habe nach dem Attentat mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin telefoniert.

Moskau und Teheran unterstützen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Türkei will eine Zukunft für Syrien ohne Assad. Sluzki sprach sich auch für eine Fortsetzung der Beziehungen mit Ankara aus. Nach der Bluttat sei es wichtig, den "gesunden Menschenverstand" zu benutzen.

3. Wie reagiert Russland?

Der russische Politiker Viktor Oserow sprach von einem Anschlag auf das russisch-türkische Verhältnis. Die Drahtzieher wünschten sich offenbar eine Eintrübung der bilateralen Beziehungen.

Der Abgeordnete Franz Klinzewitsch bezeichnete das Attentat als sorgfältig geplante Tat. Es sei unverständlich, warum die türkischen Behörden den Botschafter Andrej Karlow nicht besser geschützt hätten. «Das ist eine große Fehleinschätzung der Sicherheitsorgane. Besonders nach den jüngsten Anschlägen hätten sie einen so hohen diplomatischen Gast schützen müssen», sagte der kremlnahe Abgeordnete.

4. Wie reagiert der Westen?

"Die Bundesregierung verurteilt die sinnlose Tat auf das Schärfste", schrieb der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, am Montagabend auf Twitter. Dies sei eine sehr traurige Nachricht. Das Auswärtige Amt erklärte: "Unsere Gedanken sind bei seiner Familie."

Auch Frankreichs Präsident François Hollande hat die Ermordung des russischen Botschafters "mit Nachdruck" verurteilt. Das erklärte der Pariser Élyséepalast am Montagabend in einer knappen Stellungnahme. "Frankreich verurteilt diese niederträchtige Tat. Nichts kann Gewalt und Terrorismus rechtfertigen", sagte der französische Außenminister Jean-Marc Ayraut .

(Mit Material der dpa)

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