POLITIK
18/12/2016 03:09 CET | Aktualisiert 18/12/2016 22:56 CET

Türkische Behörden verbieten Weihnachten an deutscher Schule? Das stimmt so wohl nicht

Christliches Fest fliegt aus dem Lehrplan: Türkische Behörden verbieten Weihnachten an deutscher Schule
ADEM ALTAN via Getty Images
Christliches Fest fliegt aus dem Lehrplan: Türkische Behörden verbieten Weihnachten an deutscher Schule

Die türkischen Behörden haben erstmals das Thema Weihnachten aus dem Unterricht an einer deutschen Schule in Istanbul verbannt. So berichteten es zahlreiche deutsche Medien am Sonntagmorgen.

Wie sich jedoch am Sonntagabend herausstellte: Das stimmt so wohl nicht. Das deutsch-türkische Elite-Gymnasium Istanbul Lisesi hat dementiert, dass die türkische Schulleitung ein Weihnachts-Verbot erlassen habe.

Das entspreche nicht der Wahrheit, hieß es in einer auf der Homepage der Schule veröffentlichten Mitteilung. Allerdings hätten die deutschen Lehrer im Unterricht "vor allem in den letzten Wochen Texte über Weihnachten und das Christentum auf eine Weise behandelt, die nicht im Lehrplan vorgesehen ist". Sie hätten dabei Aussagen gemacht, "die von außen betrachtet den Weg für Manipulationen freimachen".

Vorausgegangen war den zahlreichen Berichten die Veröffentlichung einer E-Mail, die die Leitung der deutschen Abteilung des Lisesi an das Kollegium geschickt haben soll. Darin soll es geheißen haben: "Es gilt nach Mitteilung der türkischen Schulleitung eben, dass ab sofort nichts mehr über Weihnachtsbräuche und über das christliche Fest im Unterricht mitgeteilt, erarbeitet sowie gesungen wird". Die E-Mail lag der Nachrichtenagentur der dpa vor.

Auch die Teilnahme des Schulchors am traditionellen Weihnachtskonzert im deutschen Generalkonsulat am vergangenen Dienstag sei von der türkischen Schulleitung kurzfristig unterbunden worden.

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Die derzeit 35 deutschen Lehrer des Istanbul Lisesi werden von der Bundesrepublik entsandt und aus Steuermitteln bezahlt, was auf eine jährliche finanzielle Förderung in Millionenhöhe hinausläuft. Das traditionsreiche Elite-Gymnasium wird ausschließlich von türkischen Schülern besucht, ist aber eine anerkannte deutsche Auslandsschule.

Grundlage ist ein Zusatzvertrag zum Kulturabkommen zwischen Deutschland und der Türkei, wonach Deutschland bis zu 80 deutsche Lehrer an bestimmte türkische Schulen entsendet. Das deutsche Kollegium an der Schule hat eine eigene Abteilungsleitung, die aber der türkischen Schulleitung untersteht.

(Text geht unter dem Video weiter)

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Deutsche Lehrer sind verunsichert

Im deutschen Lehrerkollegium herrscht schon seit langem erhebliche Verunsicherung, was den Kurs der Elite-Schule betrifft. Diese Verunsicherung wurde durch die jüngste Debatte zum Thema Weihnachten nun weiter verschärft.

So habe die türkische Schulleitung "unverzüglich" ein Treffen mit der Leitung der deutschen Abteilung einberufen. Dabei seien die deutschen Lehrer aufgefordert worden, solche "Gerüchte" nicht zu befördern und im Sinne der "Zusammenarbeit der beiden Länder" Sensibilität zu zeigen.

Neben dem Istanbul Lisesi gibt es in Istanbul noch ein deutsches Gymnasium, das Alman Lisesi. Dort sind außer türkischen auch deutsche Schülerinnen und Schüler.

Ein Weihnachts-Verbot an einer deutsch-türkischen Schule dürfte nur schwerlich in Einklang mit dem Kulturabkommen zu bringen sein.

Der Vertrag besagt in Artikel 12: "Die Vertragsparteien werden bemüht sein, sich gegenseitig dabei zu unterstützen, ihren Völkern die Kenntnis der Kulturgüter des anderen Landes zu vermitteln."

Artikel aktualisiert am 18.12.2016, 19:27 Uhr

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