WIRTSCHAFT
18/12/2016 15:44 CET | Aktualisiert 19/12/2016 07:29 CET

IW-Köln: Mindestlohn kostete 60.000 neue Jobs

Worker inspecting stainless element in metal worshop
Thierry Dosogne via Getty Images
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  • Der gesetzliche Mindestlohn wird im Januar erhöht

  • Doch nach wie vor wird darüber gestritten, wie sinnvoll die Lohnuntergrenze wirklich ist

Am 1. Januar steigt der Mindestlohn um 34 Cent. Er liegt dann bei 8,84 Euro die Stunde.

Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) hält die Anhebung für verfrüht, "weil wir einen gewaltigen Integrationsbedarf von weniger gut qualifizierten Flüchtlingen haben", sagte er der "Welt". Das IW Köln wird von Verbänden und Unternehmen der privaten Wirtschaft finanziert.

Noch deutlicher wird sein Kollege Christoph Schröder. Er sagte der Zeitung: "Negative Beschäftigungseffekte sind vor allem durch ausgefallene Einstellungen zu beobachten. Ohne den Mindestlohn hätten 60.000 zusätzliche Jobs entstehen können."

"Er wirkt, er funktioniert"

Schon seit dem Inkrafttreten des Gesetzes im Januar 2015, wird darüber gestritten ob der Mindestlohn mehr schadet als nutzt. Auf der einen Seite stehen arbeitgebernahe Verbände oder Institute, wie eben das IW Köln.

Auf der anderen Seite preisen das Bundesarbeitsministerium und Gewerkschaften die Lohnuntergrenze. "Er wirkt, er funktioniert, er ist gelebter Alltag", sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, nachdem die Erhöhung des Mindestlohnes im Oktober beschlossen wurde.

Sie sagt auch: "Insbesondere Frauen profitieren vom Mindestlohn. (...) Der Mindestlohn tut unserem Land auch insgesamt gut, denn es zeigt, dass jeder, der sich anstrengt, etwas davon hat." Das sei auch ein wichtiges Signal für all die Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind.

Mindestlohn habe viele Jobs besser gemacht

Aus Sicht der Arbeitsministerin habe der Mindestlohn "keine Jobs vernichtet", er habe viele Jobs besser gemacht. "Aus vielen geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen sind reguläre sozialversicherungspflichtige Jobs geworden, es gibt mehr Beschäftigte und mehr Lohn", erklärte Nahles.

Armutsforscher Christoph Butterwegge kritisiert aber, dass gerade der Niedriglohnsektor der Wegbereiter für Armut sei.

Deshalb forderte er eine Anhebung des Mindestlohns auf wenigstens zehn Euro: "Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro beziehungsweise 8,84 Euro ab kommendem Jahr ist zu gering."

Minijobber haben häufig mit Einschnitten bei der Arbeitszeit zu kämpfen

Denn aus einer Anfang Dezember veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht hervor, dass Minijobber nach der Einführung des Mindestlohns häufig mit Einschnitten bei der Arbeitszeit zu kämpfen haben. Vor allem Chefs in Ostdeutschland hätten mit der Verkürzung der Wochenarbeitszeit verhindert, dass der Minijobber-Lohn die Schwelle zur Sozialversicherungsplicht überschreitet.

Bereits eine im März vom IAB veröffentlichte Studie nannte die Zahl von 60.000 Stellen, die der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland gekostet habe. Zwar seien wegen der Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde nur wenige Arbeitsplätze gestrichen worden. Manche Betriebe hätten aber wegen der Regelung auf die Schaffung neuer Jobs verzichtet.

(Mit Material der dpa)

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(ks)