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18/12/2016 17:48 CET | Aktualisiert 19/12/2016 01:38 CET

"Eher gefriert es in der Hölle, als dass ich nicht für Trump stimme"

Donald Trump
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Donald Trump

Eigentlich hat Donald Trump eine klare Mehrheit der Wahlmänner hinter sich. Denn bei der US-Präsidentschaftswahl konnte er 306 von insgesamt 538 Wahlmänner hinter sich bringen. Doch bei der Wahl des Präsidenten am Montag könnte es etliche Abweichler geben.

Das müsst ihr über die Abstimmung der Wahlmänner, dem sogenannten Electoral College, wissen.

1.Wie funktioniert das Electoral College?

Das Gremium besteht aus 538 Amerikanern, die den Präsidenten wählen. Die Zahl entspricht den Sitzen, über die die einzelnen Staaten im Senat und im Repräsentantenhaus verfügen, plus drei Wahlmännerstimmen für Washington, D.C.

Mindestens 270 Stimmen sind für den Einzug ins Weiße Haus notwendig.

Im Electoral College werden die Stimmen traditionell entlang den Wahlergebnissen in den einzelnen Staaten verteilt. Der Gewinner bekommt alles, auch bei äußerst knappen Resultaten.

Das macht es möglich, dass am Ende nicht der gewinnt, der US-weit die meisten Wähler hinter sich gebracht hat. Denn bei der Wahl am 8. November hatte die demokratische Kandidatin Hillary Clinton 2,6 Millionen mehr Stimmen als Trump erhalten.

2. Müssen die Wahlmänner so stimmen, wie in ihrem Staat gewählt wurde?

In der Verfassung wird diese Frage nicht angesprochen, was darauf hindeutet, dass die Mitglieder des Kollegiums in ihrer Entscheidung frei sind.

Allerdings gibt es in 28 Staaten Statuten oder Parteivorgaben, nach denen die Wahlmänner dem Wahlergebnis folgen müssen. Aber: Die Strafe für diese "treulosen Wahlmänner" beträgt meist nur wenige hundert Dollar.

Doch beispielsweise müssen alle neun Wahlleute in Colorado für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton stimmen, da sie dort die Gesamtzahl der Wählerstimmen gewonnen hatte. Ursprünglich wollten dort zwei demokratische Wahlleute gemeinsam mit republikanischen Wahlleuten für eine Alternative zu Donald Trump stimmen.

Auch in den US-Staaten Kalifornien und Washington gab es ähnliche Bestrebungen von Wahlleuten.

3. Wie wahrscheinlich ist eine Revolte gegen Trump?

Sind republikanische Vertreter in dem Gremium auch geradezu bestürmt worden, Trump fallen zu lassen, gibt es keine Anzeichen für eine bevorstehende Revolte.

Die liberale US-amerikanische Zeitung "Washington Post" hält einen Coup gegen Trump für "überhaupt nicht wahrscheinlich".

Denn etliche Republikaner haben in Gesprächen mit der Nachrichtenagentur AP ihr Festhalten an der Tradition bekundet. Auch eine wahre Flut von Appellen, sich gegen Trump zu wenden, konnte die republikanischen Wahlmänner und -frauen nicht umstimmen. Es sei wahrscheinlicher, dass es in der Hölle friere als dass er nicht für Trump stimmen werde, der in seinem Staat - Tennessee - gewonnen habe, entgegnete etwa Rechtsanwalt Tom Lawless.

AP hat mehr als 330 Wahlmänner befragt. Keiner äußerte wirklich die Erwartung, dass Unbehagen über Trump auch unter den Republikanern den Einzug des Immobilienmoguls ins Weiße Haus noch stoppen wird.

Dazu müssten nicht nur die republikanischen Wahlleute eine noch nie da gewesene Fahnenflucht begehen. Zudem wären auch die Demokraten gezwungen, sich von Clinton abzuwenden und sich in ausreichender Zahl hinter einen Kompromisskandidaten zu stellen.

Nur ein einziger republikanischer Wahlmann sagte der AP, dass er nicht für Trump votieren werde. Und dann gibt es noch die "Faithless Electors" - sieben Wahlmänner, die sich bereit erklärt haben, ebenso nicht für Trump zu votieren.

Aus Staatsarchiven geht hervor, dass in der Vergangenheit mehr als 99 Prozent der Wahlmänner dem Wahlergebnis in ihrem Staat folgten. In der Geschichte der USA gab es bisher nur 157 Abtrünnige. Der letzte bekannt gewordene Fall stammt aus dem Jahr 2000.

4. Was passiert, wenn Trump wider Erwarten weniger als 270 Wahlmännerstimmen erhält?

Die Verfassung sieht vor, dass in diesem Fall das Repräsentantenhaus entscheidet. Dort stellen die Republikaner eine deutliche Mehrheit. Trump würde dann vermutlich auf diesem Weg zum Präsidenten gewählt werden.

In der Geschichte musste das Repräsentantenhaus erst zwei Mal eine Präsidentenwahl entscheiden: 1800 und 1824.

5. Kann Clinton noch Präsidentin werden?

Was die Abstimmung der Wahlmänner oder die Chancen im Repräsentantenhaus angeht, dürfte dies nahezu ausgeschlossen sein.

(Mit Material der dpa)

(bp)