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18/12/2016 14:43 CET | Aktualisiert 19/12/2016 01:41 CET

Aleppo: Evakuierungen werden wieder aufgenommen

A Syrian evacuated from eastern Aleppo walks between buses in government controlled Jibreen area in Aleppo, Syria November 30, 2016. REUTERS/Omar Sanadiki
Omar Sanadiki / Reuters
A Syrian evacuated from eastern Aleppo walks between buses in government controlled Jibreen area in Aleppo, Syria November 30, 2016. REUTERS/Omar Sanadiki

  • Die Evakuierungen aus dem Osten Aleppos wurden wieder aufgenommen

  • Nachdem Demonstranten die Busse in Brand gesetzt hatten, mussten die Menschen in der Winterkälte warten

Die Evakuierung der Rebellengebiete im Osten Aleppos kommt nach mehr als zwei Tagen offenbar wieder in Gang. Kurz vor Mitternacht hätten Regierungstruppen fünf Bussen mit Zivilisten und Kämpfern an Bord die Erlaubnis erteilt, die Gegend zu verlassen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am späten Abend.

Die Rebellen waren nach einer wochenlangen Großoffensive syrischer Regierungssoldaten und deren Verbündeten auf eine kleine Enklave im Osten Aleppos zurückgedrängt worden. Vergangene Wochen stimmten die Aufständischen einem Abkommen zu, das den Abzug von Kämpfern und Bewohnern vorsieht, die nicht unter Kontrolle der Regierung leben wollen.

Trotz einer Verständigung zwischen Regierung und Aufständischen konnten die Menschen die von der Armee belagerten Gebiete am Wochenende zunächst nicht verlassen.

Busse für ihren Abtransport waren zwar in die Enklave eingefahren. Offensichtlich verhinderte aber ein Angriff auf weitere Busse in der Nachbarprovinz Idlib weitere Evakuierungen, die seit Freitag ausgesetzt waren.

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Sechs Busse brannten den Menschenrechtlern zufolge aus. Anscheinend seien die Fahrzeuge von Unterstützern der dschihadistischen Gruppe Fatah al-Scham, einem Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida, angegriffen worden, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur.

Evakuierung soll fortgesetzt werden

Die Tat fand demnach nahe dem von Rebellen belagerten schiitischen Dorf Fua statt, aus dem gleichzeitig mit der Evakuierung Ost-Allepos Menschen in Sicherheit gebracht werden sollen.

Die Beobachtungsstelle berichtete am Sonntagabend, dass es Gespräche zwischen Russland, dem Iran und der Türkei gebe, um die Evakuierung trotz des Angriffs auf die Busse durchzuführen. Die Türkei verhandelt auf Seiten der Rebellen.

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Die schiitschen Dörfer Fua und Kafraja in der südwestlich von Aleppo gelegenen Provinz Idlib sind auf Druck der mit der Regierung verbündeten iranischen Milizen Teil des Deals. Sie hatten nach Angaben aus Regierungskreisen gefordert, dass im Gegenzug für die Evakuierung der Rebellengebiete Aleppos auch die Blockade dieser beiden Orte aufgehoben werden müsse. Aus ihnen sollen rund 1500 Verletzte, Frauen und Kinder in Sicherheit gebracht werden.

Es wird davon ausgegangen, dass sich noch mehrere Zehntausend Menschen in dem monatelang belagerten Osten Aleppos aufhalten. Die Rebellengebiete waren nach heftigen Luftangriffen in den vergangenen Wochen von syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands und des Irans fast vollständig erobert worden.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisierte in dem Blatt das Vorgehen der russischen und syrischen Streitkräfte. "Weder das syrische Volk noch die Weltgemeinschaft werden die Gnadenlosigkeit von Aleppo je vergessen, die durch nichts zu rechtfertigen ist."

"Weiteres diplomatisches Desaster für den Westen"

CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen warnte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" davor, dass Russland und die Türkei eine gesonderte Absprache über Syrien treffen könnten. "Eine der gefährlichsten Entwicklungen ist ein russisch-türkisches Arrangement in Syrien", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Hier drohe "ein weiteres diplomatisches Desaster für den Westen".

(bp)