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17/12/2016 14:28 CET | Aktualisiert 17/12/2016 14:59 CET

Am Montag könnten die Wahlmänner Trump als Präsident verhindern

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Lucas Jackson / Reuters
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Normalerweise ist das, was am Montag in den USA ansteht, langweilig, erwartbar, Formsache eben.

Diesmal nicht.

Diesmal hoffen Millionen Menschen allein in den USA nicht nur auf eine Sensation. Sondern auf nicht weniger als ein Wunder, das sie rettet.

Sie hoffen, dass die 538 Wahlleute Donald Trump nicht zum US-Präsidenten machen.

Was genau passiert am Montag?

Am 8. November konnten die Wähler auf ihren Stimmzetteln zwar die gewünschte Partei samt Präsidentschaftskandidat ankreuzen. Tatsächlich haben sie aber damit nicht den Präsidenten gewählt, sondern nur klar gemacht, für wen die Wahlmänner ihres Bundesstaates votieren sollen.

Diese Wahlmänner schicken nun am Montag ihre Entscheidung für den Präsidenten und seinen Stellvertreter an vier Adressaten, unter anderem an den Präsidenten des US-Senats. Spätestens neun Tage nach dem Votum müssen die Umschläge eingegangen sein.

Welche Mehrheit braucht der Sieger

Wer die absolute Mehrheit der Stimmen des Electoral College bekommt, also 270, ist Wahlsieger.

Bekommt keiner die Mehrheit, entscheidet der Kongress (Repräsentantenhaus), der wiederum deutlich in der Hand der Republikaner ist. Der Ausgang wäre wohl klar. Wer sich in die Details dieser Variante einlesen will, findet beim Sender CNN Grafiken dazu.

Warum gibt es überhaupt Wahlmänner?

Die Gründungsväter der USA wollten Demagogen verhindern. Sie misstrauten dem Volkswillen, deswegen sollte er sozusagen gefiltert werden.

Sprich: Sie hatten vielleicht genau den Fall vor Augen, der jetzt eingetreten ist. Trumps politisches Konzept besteht zu großen Teilen aus Populismus, aus Beleidigung von Menschen und Minderheiten.

Wie frei können die Wahlmänner entscheiden?

Die Verfassung sieht keine Einschränkungen vor.

In 29 Staaten gibt es aber Gesetze, nach denen die Wahlmänner für den Favoriten des Volkes stimmen müssen. Andernfalls werden sie bestraft – entweder mit Geldbußen oder sie werden durch andere Wahlmänner ersetzt. Allerdings könnte es theoretisch sein, dass ein Wahlmann die Geldstrafe in Kauf nimmt.

In der Geschichte der USA haben die Wahlleute zu 99 Prozent so gewählt, wie sie bei der Wahl bestimmt wurden.

Wie ist die politische Stimmung?

Wahlmänner (Elektoren) berichten von Hunderten, sogar Tausenden Zuschriften mit der Forderung, Trump zu verhindern. Fast fünf Millionen Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet.

Im Gremium - das aber nie als Gruppe auftritt - brodelte es. Ein Republikaner trat wegen Trump zurück, ein anderer drückte öffentlich seinen Widerwillen aus. Demokraten versuchten, neue Mehrheiten zu organisieren.

Warum gibt es Druck auf die Wahlleute?

Clinton hat mehr Stimmen als Trump: Clinton hat deutlich mehr Wählerstimmen erhalten als Trump (2,8 Millionen oder zwei Prozent mehr). Dennoch entfallen auf Clinton weniger Wahlmänner (232) als auf Trump (306). Das kommt daher, dass in 48 Bundesstaaten der Sieger alle Wahlmänner erhält, der Verlierer gar keine (The-winner-takes-it-all-Prinzip). Einzig in Maine und Nebraska gilt dieses System nicht.

Unklarer Einfluss Russlands: Nach Informationen der Geheimdienste FBI und CIA hat Russland versucht, in die Wahl einzugreifen. Hacker-Angriffe, die den Demokraten und ihrer Kandidatin Clinton massiv geschadet haben, sollen von Russland initiiert worden sein. Mehrere Wahlmänner fordern deshalb tiefergehende Informationen vor der Wahl am Montag – wohl ohne Erfolg.

Was müsste passieren, um Trump zu verhindern?

38 oder ein Achtel der Trump-Wahlleute müssten gegen ihn stimmen. Sie könnten für einen anderen Republikaner votieren, häufig genannt wird Ohios Gouverneur John Kasich. Wenn Demokraten sich ihnen anschließen, könnte der neue Kandidat über die Mehrheit von 270 kommen. Schließen sich die Demokraten dem nicht an, hat keiner eine Mehrheit.

Wann wird das Ergebnis bekannt werden?

Am 6. Januar wird es im Kongress verkündet. Doch es ist wahrscheinlich, dass es schon vorher an die Öffentlichkeit dringt.

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