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17/12/2016 12:13 CET

Spionagevorwurf gegen Ditib-Imame: Volker Beck stellt Strafanzeige

Betende Muslime in einer Moschee in Deutschland. (Symbolbild)
Daniel Naupold/dpa
Betende Muslime in einer Moschee in Deutschland. (Symbolbild)

Der Spionagevorwurf gegen Imame des Ditib-Verbandes hat sich offenbar erhärtet. Der religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, soll der Generalbundesanwaltschaft weiteres brisantes Material übermittelt haben. Das berichtet der "Spiegel".

Die von Beck übermittelten Dokumente sollen nahelegen, dass Imame von Ditib im Auftrag der türkischen Regierung Gläubige in Deutschland ausspioniert haben. Unter anderem soll ein Schreiben des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten Diyanet an türkische Auslandsvertretungen darunter sein.

Ditib, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, ist ein bundesweiter Dachverband von etwa 900 Moscheevereinen in Deutschland. Ihre Imame werden teils in der Türkei ausgebildet und vom türkischen Religionsministerium bezahlt.

Beck stellt Strafanzeige

Wie der „Spiegel“ weiter berichtet, stellte Beck Strafanzeige wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit.

Auf Twitter schrieb der Grünen-Politiker, er hoffe, dass die Spionage-Aktivitäten bei Ditib und Diyanet aufgeklärt werden. "Diese Aktivitäten wären Angriffe auf die Religionsfreiheit der Muslime."

Vermeintliche Gülen-Anhänger bespitzelt

Bereits vor einer Woche hatten die "Welt" und die regierungskritische türkische Zeitung "Cumhuriyet" berichtet, Ditib-Imame hätten Gülen-Anhänger in Deutschland bespitzelt und die Informationen an die türkische Regierung weitergegeben.

Die "Welt" berief sich dabei auf Berichte, die von Ditib an eine Kommission des türkischen Parlaments geschickt wurden und zitierte auch anonymisierte Beispiele aus den Unterlagen.

Die türkische Regierung macht die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch von Mitte Juli verantwortlich und geht rigoros gegen dessen Anhänger vor.

Ditib will nun Spionage-Vorwürfe gegen Imame untersuchen

Ditib hatte die Vorwürfe zunächst entschieden zurückgewiesen und sprach von einem neuerlichen Versuch, den Ruf des Verbandes zu schädigen. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, erklärte der Verband nun aber, dass man "die schwerwiegenden Vorwürfe untersuchen“ werde, und zwar "sauber und transparent".

Imame seien besondere Vertrauenspersonen, betonte die Ditib demnach. Sollte jemand sein Amt missbraucht haben, müsse er mit Konsequenzen rechnen. "Als Verband werden wir entsprechende Maßnahmen und weitere Schritte beraten."

Zudem erklärte der Verband: "Fehlerhaftes Verhalten Einzelner darf nicht zur Beeinträchtigung der religiösen, sozialen und friedensstiftenden Tätigkeit der Imame führen."

Mit Material von dpa

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