POLITIK
16/12/2016 11:08 CET | Aktualisiert 16/12/2016 12:14 CET

Die Friedens-Lüge: Wie Putin und Assad die letzte Hoffnung für Aleppo begraben

Es sollte eine Verschnaufpause werden. Ein kleines bisschen Hoffnung für die seit Monaten belagerten Menschen in Ost-Aleppo. Doch was derzeit in Syrien passiert, begräbt die letzte Zuversicht, dass es eine friedliche Zukunft geben wird.

400.000 Tote hat der syrische Bürgerkrieg bislang nach Schätzungen gefordert. Die russische Regierung hat die geplante Evakuierung der Rebellenstadtteile Aleppos für beendet erklärt.

Angeblich sei sie abgeschlossen. Die Wahrheit ist: Keine 10.000 Menschen haben es bisher in Sicherheit geschafft. Weder der syrische Präsident Baschar al-Assad noch der russische Präsident Wladimir Putin haben Interesse an einer humanitären Lösung.

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Putin will Aleppo in Schutt und Asche legen

Für sie geht es wohl eher darum, die Rebellenbastion vollkommen in Schutt und Asche zu legen, Rache zu nehmen an denen, die seit fünf Jahren Widerstand gegen das mörderische Assad-Regime leisten.

Syriens Regierung und Regimegegner geben sich gegenseitig die Schuld für den Stopp der Evakuierung Ost-Aleppos. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Freitag, "bewaffnete terroristische Gruppen“ hätten auf Busse und Autos geschossen.

Aus Oppositionskreisen dagegen heißt es, schiitische Pro-Assad-Milizen hätten das Feuer eröffnet. Die irakische Miliz Harakat al-Nujaba und die libanesische Terror-Miliz Hisbollah treiben die Assad-Offensive gegen die Rebellen seit Tagen brutal voran.

Augenzeugen in den Rebellenvierteln berichten von Menschen, die unter Druck der Assad-Unterstützer wieder in die belagerten Teile Aleppos zurückkehren.

Aleppo droht so wieder zur Todesfalle für tausende Zivillisten und die verbleibenden Kämpfer zu werden. Hilfsorganisationen sollen die belagerten Stadtteile bereits verlassen haben.

Assad, Putin und Erdogan wollen für Frieden sorgen

Die Aufforderung Ost-Aleppo zu verlassen, sei von russischen Soldaten gekommen, sagte die Syrien-Beauftragte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Elizabeth Hoff, am Freitag über eine Telefonschalte aus West-Aleppo in Genf vor Journalisten.

Die Evakuierung war am Donnerstag unter einer von Russland und der Türkei vermittelten Waffenruhe angelaufen. Im Osten der einstigen nordsyrischen Wirtschaftsmetropole herrscht wegen der großen Zerstörungen ein immenser humanitärer Notstand.

Mit Inkrafttreten der Waffenruhe kam der Osten Aleppos praktisch unter Kontrolle der syrischen Regierungstruppen, die mit Hilfe der russischen Luftwaffe eine Offensive gegen die Rebellen geführt hatten.

Der Zwischenfall überschattete die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Tokio, er werde sich mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan um die Vermittlung von Friedensgesprächen zwischen Assad und Opposition bemühen.

Große Hoffnung macht diese Dreier-Koalition nicht.

Mit Material von AP.