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15/12/2016 17:28 CET | Aktualisiert 16/12/2016 08:02 CET

Vor 100 Jahren tötete eine Sirup-Welle 21 Menschen - nun fanden Forscher den Auslöser

Im Hafenviertel Bostons war 1919 ein riesiger Melassetank geplatzt.
ASSOCIATED PRESS
Im Hafenviertel Bostons war 1919 ein riesiger Melassetank geplatzt.

Eine Explosion erschütterte Boston im Januar 1919. Im Hafenviertel der US-amerikanischen Stadt war ein riesiger Melassetank geplatzt. Eine Welle mit neun Millionen Liter klebrigen Sirups überrollte Häuser und Menschen.

21 Menschen kamen im zähflüssigen Sirup ums Leben, über 150 wurden verletzt. Die Katastrophe wurde als "Boston Molassacre" bekannt – eine Wortkreation aus Melasse und Massaker.

Aber wie kam es zu dem Unglück? Und was machte den Sirup so tödlich? Wissenschaftler vom "American Institute of Physics" haben sich mit dem "Boston Molassacre" beschäftigt und liefern nun eine Antwort.

Bauliche Mängel am Tank

Die Melasse wurde in einem riesigen, 15 Meter hohen Tank gelagert. Der Zuckersirup wurde vor allem für die Herstellung von Rum genutzt. Boston war damals ein Zentrum der Schnapsbrennerei. Der Tank soll allerdings schon lange vor dem Unglück bauliche Mängel aufgewiesen haben. Wartungen sollen nicht sachgemäß durchgeführt worden sein, was schließlich zu der Katastrophe führte.

boston molass

21 Menschen kamen im zähflüssigen Sirup ums Leben.

Das stellte auch ein Gerichtsverfahren einige Jahre nach dem Unglück fest. Entsprechend sah der Richter die Schuld bei der staatlichen Firma "United States Industrial Alcohol Company", welcher der Unglückstank gehörte.

Abkühlung machte Melasse noch zähflüssiger

Entscheidend für die Explosion des Tanks war aber offenbar vor allem eine Lieferung kurz vor der Katastrophe.

Nur zwei Tage zuvor kam nämlich neue Melasse aus Puerto Rico. Damit wurde der Tank komplett aufgefüllt. Gärungsprozesse sollen damaligen Ermittlern zufolge dazu geführt haben, dass sich der Druck auf die Außenhülle des Tanks erhöhte bis er schließlich explodierte.

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Ein 104 Jahre alter Zeitungsartikel sah das größte Versagen der Menschheit kommen

Dass - neben der Explosion - vor allem die klebrige Masse für mehrere Menschen tödlich war, lag offenbar auch an ihren physikalischen Eigenschaften. Das bestätigten nun die Forscher des "American Institute of Physics". Sie experimentierten mit dem Sirup, ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in einer Studie.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Zuckersirup vor allem durch eine starke Abkühlung so tödlich wurde. Durch die frische Lieferung aus Puerto Rico sei die Melasse etwa vier bis fünf Grad wärmer gewesen als die Luft. Als der Tank platzte und sich der Sirup wieder abkühlte, habe sich dann schlagartig die Zähigkeit erhöht

Genau das machte es den Menschen noch schwieriger, sich zu befreien. Einige Opfer wurden buchstäblich im Zuckersirup eingeschlossen.

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