POLITIK
16/12/2016 00:32 CET | Aktualisiert 16/12/2016 05:55 CET

Maybrit Illner: "2016 war Tritt vor das Schienbein der Eliten"

Der Dezember ist immer auch der Monat der Talkshow-Jahresrückblicke. Nachdem schon bei "Hart aber fair" und "Maischberger" über das hinter uns liegende Jahr geredet wurde, war jetzt "Maybrit Illner" dran. "Wut, Werte, Wahrheit – wie hat uns 2016 verändert?", war der etwas vage Titel der Sendung.

Vage waren auch die Aussagen der Gäste, die alle schon in Vorweihnachtsstimmung schienen. Es ging irgendwie um den designierten US-Präsidenten Donald Trump, das Internet und die Globalisierung.

Trump ist "eine Mischung aus Tyrann und Schulhofschläger"

Da war der in Malibu lebende Entertainer Thomas Gottschalk, der offenbar erklären sollte, warum die Amerikaner Trump gewählt hatten. Er musste aber gleich zu Beginn der Sendung darauf hinweisen, dass er den größten Teil des Jahres in Deutschland verbracht hatte.

Gottschalk beklagt die zunehmende Komplexität der Welt. Obwohl er Zeitung liest, stelle er immer öfter fest, dass er nichts wisse. "Ist Snowden ein Freiheitskämpfer oder ein Vaterlandsverräter? Ist der Euro ein Gewinn oder nicht? Ich habe das Gefühl gehabt, die Kohle ist nur noch die Hälfte wert, aber die Pizza kostet immer noch genauso viel."

"Früher war die Welt auch schon komplex"

Die Social-Media-Experte Sascha Lobo brachte ein paar knallige Zitate: "2016 war der maximale Warnschuss vor den Bug, der Tritt vor das Schienbein der Eliten!" Trump habe ein "Horrorkabinett" gebildet und agiere auf Twitter, als wäre er "zum König gewählt" worden. Er sei "eine Mischung aus Tyrann und Schulhofschläger“. Lobo hält es sogar für möglich, dass Trump "per Twitter einen Atomkrieg" auslöst.

Die Neuköllner Kommunalpolitikerin Franziska Giffey versuchte zu beruhigen: "Früher war die Welt auch schon komplex. Wir hatten ein geteiltes Deutschland." Bei hasserfüllten Kommentaren im Internet suche sie mit den Absendern die Kommunikation. Wenn man sich denen zuwende, werde die Kommunikation ganz oft irdisch. "Echtes Gespräch mit echten Leuten - drüber geht nichts."

"Rede mit mir, du Schlampe!"

Die Journalistin Sylke Tempel dagegen glaubt nicht an das Gespräch mit Hetzern im Internet. Hasskommentare seien keine Gesprächsgrundlage: "Das ist wie eine Wohnungstüre einzutreten, einem rechts und links eine zu scheuern und dann zu sagen: ,Rede mit mir, du Schlampe!'" Spitz bemerkt sie über die Gewohnheiten im Netz: "Diejenigen, die sich über die sogenannte Lügenpresse aufregen, folgen dann jenen, die wissentlich Lügen verbreiten."

Etwas Optimismus brachte als einzige Sineb El Masrar in die Runde, eine Autorin marokkanischer Abstammung. Die Muslimin berichtete nicht nur, dass man ihr bei der Einreise in die USA zum Geburtstag gratuliert habe, während sie in Deutschland zwei Mal zur Kontrolle herausgewunken worden sei.

Sie glaubt auch weiter an eine voranschreitende Demokratisierung der Welt: "Demokratie ist ein Lernprozess von vielen Jahrzehnten, und dass das hier in Deutschland so wunderbar geklappt hat nach dem Zweiten Weltkrieg, könnte auch ein Exportschlager werden."

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(sk)