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15/12/2016 11:00 CET | Aktualisiert 16/12/2016 18:14 CET

Warum Kinder nicht für einen Wutanfall bestraft werden sollten

Jeden Tag und überall auf der Welt werden Kinder für ihre Wutausbrüche bestraft. Die Eltern schimpfen mit ihnen, oder schicken sie in ein anderes Zimmer. Mit ihrem Verhalten machen sie dem Kind deutlich: So wie du gerade bist, akzeptiere ich dich nicht.

Dass diese Erziehungsmethode für ein Kind sehr verletzend sein kann, ist vielen Eltern gar nicht bewusst. Im Video oben erklärt Psychologin und Familylab-Seminarleiterin Julia Stoch, welche Gefühle es bei einem Kind auslöst, wenn man es für einen Wutanfall bestraft.

Die Wut verstehen

Um als Eltern angemessen auf einen Wutanfall des Kindes zu reagieren, hilft es, sich in seine Welt hineinzuversetzen.

Kinder haben nicht absichtlich Wutanfälle. Sie wollen ihre Eltern nicht etwa ärgern oder reizen. Ihre Wut entsteht, weil sie nicht wie wir Erwachsenen in der Lage sind, die eigenen Gefühle zu regulieren. Ihr Gehirn ist dafür einfach noch nicht weit genug ausgereift.

Wenn ein Kind mit einer oder sogar mehreren starken Emotionen auf einmal umgehen muss, ist es oft überfordert. Doch das kann es uns nicht einfach mit sachlichen Worten mitteilen. Seine Kommunikationsfähigkeiten sind nämlich ebenfalls noch nicht ausgereift, was die Hilflosigkeit und die Wut darüber nur noch größer werden lässt.

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Empathie für das Kind aufbringen

In einer solchen Situation braucht das Kind seine Eltern, die ihm helfen, die eigenen Gefühle zu verstehen und zu regulieren. Es braucht die Empathie der Eltern.

Ein Kind, das für einen Wutausbruch bestraft wird, lernt nur, dass seine Gefühle "falsch" sind und dass es sie besser verbergen sollte. Diese Kinder wachsen zu Erwachsenen heran, die Schwierigkeiten haben, sich emotional zu öffnen.

Mit Empathie auf ein Kind zu reagieren, bedeutet auch, sich bewusst zu machen, dass Empfindungen nicht immer logisch sein müssen. Wir finden vielleicht lächerlich, wegen der Farbe einer Tasse oder der Form, wie Sandwiches geschnitten wurden, einen Wutanfall zu bekommen. Doch für Kleinkinder können diese Dinge sehr wichtig sein.

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Kleinkinder verstehen die Bestrafung nicht

Wenn ein Kind sich erst einmal in einen Wutausbruch hineingesteigert hat, kann es sich kaum selbst beruhigen. Natürlich hören Kinder, die man in einer solchen Situation in ein anderes Zimmer oder auf die "stille Treppe" schickt, irgendwann auf zu weinen und zu schreien.

Doch das hat andere Gründe, wie die britische Erziehungsexpertin Sarah Ockwell-Smith in einem Blog für die Huffington Post zu bedenken gibt:

"Sie denken nicht darüber nach, was sie falsch gemacht haben, oder was sie nächstes Mal besser machen können, ihr Gehirn ist noch nicht fähig für solche komplexen Gedankengänge. Sie beruhigen sich nicht bewusst, sie beruhigen sich lediglich aus zwei Gründen - weil sie irgendwann erschöpft sind und weil sie lernen, dass du ihnen erst wieder zeigst, dass du sie lieb hast, wenn sie sich beruhigt haben."

Auch Psychologin Julia Stoch hält Bestrafungen für die falsche Methode. "Bestrafung ist etwas, das bei meinem Gegenüber Angst auslöst", sagt sie im Video oben. Eltern sollten dies vermeiden, wenn sie die Beziehung zu ihrem Kind nicht gefährden wollen.

Julia Stoch betreibt die Website LebensraumFamilie.

Das Interview führte Katharina Pichler.

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(lk)