POLITIK
14/12/2016 23:54 CET | Aktualisiert 15/12/2016 04:41 CET

"Viagra für die Demokratie": Journalist Strunz verteidigt bei "Maischberger" Populisten

  • Fast alle Gäste beklagten sich in der ARD-Sendung von Sandra Maischberger am Mittwoch, dass die Demokratie unter den Populisten leide

  • Nur TV-Journalist Claus Strunz verteidigte den Populismus als "Viagra für die Demokratie"

  • Die wichtigsten Aussagen der Sendung seht ihr oben zusammengefasst im Video

Als der Fernseh-Journalist Wolf von Lojewski mit dem Taxi zur Aufzeichnung der "Maischberger"-Sendung vom Mittwoch fuhr, fragte er den Taxifahrer, wie für ihn das Jahr 2016 gewesen sei. "Beschissen", sagt der. Von Lojewski schloss sich dem an.

Trump-Wahl, Brexit, AfD-Wahlerfolge bei den Landtagswahlen in Deutschland: Weltweit ist der Populismus am Erstarken. Gleichzeitig verändert sich der Ton der politischen Debatte. Man bezeichnet sich als "Hetzer", "Rassist" oder "linksversifft".

"Wutbürger gegen Gutmenschen: Verliert die Demokratie?", fragte Sandra Maischberger ihre Gäste. Von Lojewki gehörte zu jenen, der diese Frage bejahte.

"Trump ist ein Kotzbrocken"

Der ehemalige USA-Korrespondent sieht der Zukunft angesichts Trumps Wahlerfolg pessimistisch entgegen. "Dieser Trump ist mir schon vor 25 Jahren aufgefallen, als Prototyp des hässlichen Amerikaners", sagte er. "Der Mann ist ein Kotzbrocken!"

Auch CDU-Politiker Wolfgang Bosbach sieht einer Zukunft mit Trump eher pessimistisch entgegen. Normalerweise würde man ja hoffen, dass Wahlversprechen eingehalten würden. "Bei Trump hofft man auf das Gegenteil."

Bosbach, der sich im kommenden Jahr aus der Politik zurückziehen will, sagte auf Nachfrage von Maischberger, dass für ihn die politischen Gründe für seinen Rückzug wichtiger seien als die gesundheitlichen und privaten: "Ich vertrete ausschließlich Positionen, die früher einmal die Positionen der CDU waren."

Als Maischberger ihn fragte, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der Ankündigung seines Rückzugs mit ihm gesprochen habe, lächelte er nur. Auch eine Antwort.

Der Text geht nach der Umfrage weiter

Der Bocholter SPD-Politiker Thomas Purwin beschrieb per Video-Chat eindrücklich, wie sich das Klima verändert hat. Nachdem er Hass-Mails bekommen habe, in denen man ihm androhte, seinen "Judenschädel abzuschlagen", habe er noch weitergemacht. Doch als man ihm mit Tod und Vergewaltigung seiner Frau und Tochter drohte, habe er sich aus der Politik zurückgezogen.

Der Philosoph Richard David Precht versuchte zu beruhigen. "Der durchschnittliche Deutsche ist heute viel toleranter als früher", sagte er. In den 50er-Jahren hätten sich 95 Prozent der Deutschen einen dunkelhäutigen Schwiegersohn nicht vorstellen können - heute seien es nur 50 Prozent, schätze er.

Allerdings sieht er Parallelen zur Weimarer Republik. Angesichts der Digitalisierung drohe eine Massenarbeitslosigkeit. "Doch die Volksparteien können keine positiven Zukunftvisionen anbieten." Er sieht bereits eine "revolutionäre" Situation kommen.

"Wir waren Schönwetterdemokraten"

Der TV-Journalist Claus Strunz dagegen war bester Laune. Er sieht die politische Entwicklung positiv. "Der Populismus ist Viagra für eine erschlaffte Demokratie", sagte er. Es sei jahrelang "völlig wumpe" gewesen, wen man gewählt hatte. Es gab keinen Grund für eine politische Debatte: Deutschland war Exportweltmeister, wir hatten das Fußball-Sommermärchen. "Wir waren Schönwetterdemokraten", sagte er.

"Jetzt sehen wir uns in einem Sturm, und uns fehlen die Antworten und die Mittel." Das führe dazu, dass die "großkoalitionäre Kuschelei" zu Ende gehe. "Endlich streiten wir wieder."

EU führt zu "politischer Soße"

Bei seinen Worten zuckte die "Taz"-Journalisten Bettina Gaus zusammen. Sie kann dem Populismus nichts Gutes abgewinnen. Den Grund für dessen Erstarken sieht sie in der Europäischen Union.

Die würde zu der "politischen Soße" führen, die wir gerade sehen. Um den Zusammenhalt der EU zu wahren, müssten die etablierten Parteien so tun, als würden "Aale und jeder von der Globalisierung profitieren". Tatsächlich gebe es auch Verlierer - Handwerker zum Beispiel, die Konkurrenz aus anderen EU-Ländern bekommen.

"Solange es keine nicht-populistische Partei gibt, die das einräumt, solange darf man sich nicht wundern, wenn die Leute das Gefühl haben, dass sie belogen werden", schloss sie.

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(sk)