POLITIK
15/12/2016 00:51 CET | Aktualisiert 15/12/2016 07:44 CET

Freiburg: 3 Fakten zeigen, wie das Versagen der Behörden den Mord an Maria L. möglich machte

Offenbar führte ein mehrfaches Versagen insbesondere griechischer Behörden zum Mord an der Medizinstudentin Maria L. Nachdem der Verdächtige Hussein K. in Griechenland beinahe eine Frau umgebracht hatte, entließen die griechischen Behörden ihn vorzeitig aus dem Gefängnis. Nicht nur das - er wurde auch nicht zur Fahndung ausgeschrieben, nachdem er untergetaucht war.

1. Hussein K. wurde freigelassen, weil die griechischen Gefängnisse überfüllt waren

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung war der afghanische Flüchtling Hussein K. bereits 28 Monate nach seiner Verurteilung zu zehn Jahren Haft wegen versuchten Mordes an einer Frau unter Meldeauflagen entlassen worden. Er hatte die Frau auf Korfu einen acht Meter hohen Steilhang hinunter gestoßen. Sie überlebte schwer verletzt.

Mehr zum Thema: Mutmaßlicher Mörder von Freiburg soll öfter Frauen belästigt haben

Der Grund für die Freilassung soll nach Angaben mehrerer Medienein Amnestiegesetz des damaligen Justizministers Nikos Paraskevopoulos gewesen sein. Dieser hatte im April 2015 verfügt, dass Gefangene freikommen sollen, um die überfüllten griechischen Gefängnisse zu entlasten.

Der "Spiegel" berichtet, dass die Voraussetzung für die Freilassung war, dass Gefangene bereits einige Zeit in Haft waren und zu maximal zehn Jahren Haft verurteilt worden waren.

2. K. tauchte unter - doch die griechischen Behörden taten nichts

K. flüchtete aber bereits nach kurzer Zeit aus Griechenland Richtung Deutschland. Doch die griechischen Behörden alarmierten weder Interpol noch bemühten sie das Schengener Informationssystem (SIS). Das geht aus einer "Bild"-Anfrage an das Bundesinnenministerium (BMI) hervor.

Darin heißt es: "Fahndungsmaßnahmen in- sowie ausländischer Behörden bestehen nicht, auch in der Interpol-Datenbank sind die Personalien negativ."

Das bedeutet laut BMI, dass es "weder eine Ausschreibung im Schengener Informationssystem noch ein Interpol-Fahndungsersuchen" gab. Die deutschen Sicherheitsbehörden stehen daher laut BMI jetzt "in Kontakt mit den Behörden in Griechenland, um den Sachverhalt aufzuklären".

Das griechische Polizeiministerium bestätigte auf Nachfrage der "Bild"-Zeitung zudem, dass es nach dem Verschwinden Hussein K.s kein Fahndungsersuchen an Europol gestellt habe.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) kritisiert dieses "eklatante Versagen griechischer Behörden". Denn die Bundespolizei konnte Hussein K. so nicht als gesuchten Straftäter identifizieren, als er am 12. November 2015 auf dem Bundespolizei-Revier Freiburg Asyl beantragte.

Zwar hatte K. keine Ausweispapiere dabei, aber der damals vorgenommene Abgleich mit der europäischen Fingerdatenbank "Eurodac" hätte laut BDK zu einem Treffer geführt – wenn die Griechen seine Daten in das EU-Informationssystem SIS eingegeben hätten.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" sollen die griechischen Behörden die Abdrücke jedoch sehr wohl in Eurodac-Datenbank eingeben haben - das System habe allerdings nicht funktioniert.

3. K. Ist offenbar schon 20 Jahre alt - und hätte nicht in einer Pflegefamilie untergebracht werden dürfen

K. ist offenbar viel älter, als er angibt. Er hätte somit nicht im Programm für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden dürfen und nicht in einer Pflegefamilie leben sollen.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass K. laut seinem in Griechenland vorgelegten Pass älter als 17 ist. Den Passdaten zufolge, die den griechischen Behörden vorliegen, wurde er am 1. Januar 1996 geboren. Demnach wäre er mittlerweile 20 Jahre alt. Bei seiner Einreise 2015 hatte er sich als 16-Jähriger vorgestellt.

Auch in Deutschland glaubten die Behörden Hussein K., dass er minderjährig sei. Nach Informationen der "SZ" verzichteten die örtlichen Behörden auf Röntgenaufnahmen zur Altersbestimmung, da sie als nicht verlässlich gelten.

Der Mord an der Medizinstudentin Maria L. würde dann nicht nach Jugendstrafrecht verhandelt.

Auch auf HuffPost:

Psychologin erklärt, warum wir gute Nachrichten brauchen

(sk)