WIRTSCHAFT
14/12/2016 08:56 CET | Aktualisiert 14/12/2016 09:25 CET

Die Bewohner von Haßloch sind Teil eines großen Experiments - und kaum einer merkt es

Stell dir vor, du bist Teil eines großen Experiments – du weißt es vielleicht sogar, aber wirklich merken tust du es nicht.

Das klingt bedrohlich – ein bisschen nach dem Filmklassiker "Truman Show“.

Für die Einwohner des Dorfes Haßloch in Rheinland-Pfalz ist dieses Szenario Realität. Die Gesellschaft für Konsumforschung nutzt den 20.000 Seelen-Ort seit den 80er-Jahren als Testgebiet für neue Produkte.

Namhafte Firmen wie etwa Bahlsen oder Coca-Cola stellen hier Pilotprodukte in die Regale. Nur wenn sie in Haßloch Abnehmer finden, kommen sie auch im Rest des Landes in die Regale. Wenn nicht, verschwinden sie so unauffällig, wie sie in Haßloch aufgetaucht waren.

Wieso Haßloch?

Der unscheinbare Ort ist so etwas wie ein "Miniaturdeutschland“. Seine Demografie entspricht ziemlich genau dem deutschen Durchschnitt.

"Den durchschnittlichsten Ort Deutschlands“ taufte die ARD Haßloch daher. Für Unternehmen ist das Dorf daher der perfekte Testmarkt. Die 20.000 Menschen in Haßloch entscheiden, was Menschen in ganz Deutschland bald in den Einkaufswagen legen können.

Der Schokoriegel Pick Up etwa musste den Haßloch-Test bestehen, ebenso das Waschmittel Lenor. Derzeit steht ein neues Produkt von Ferrero in den Regalen des Test-Dorfes - munkelt man.

Mitbekommen sollen die Bewohner Haßlochs davon möglichst wenig – denn nur dann funktioniert das Experiment. Zwar haben 3000 Haushalte einmal eingewilligt, ihre Einkäufe an der Kasse mithilfe einer Chipkarte auswerten zu lassen. Ansonsten merken sie von dem Versuch allerdings nichts.

Nur eins ist verräterisch: Immer wieder tauchen im kleinen Ort unbekannte Gesichter auf. Langsam schleichen sie durch die Supermarktreihen. Firmen schicken ihre Außendienst-Mitarbeiter, um die Regale nach neuen Produkten der Konkurrenz auszukundschaften. Auch das ist eine Folge des Haßloch-Experiments.

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