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13/12/2016 19:41 CET | Aktualisiert 14/12/2016 02:20 CET

Die Rebellen ziehen sich aus Aleppo zurück - doch das ist noch nicht das Ende

Am Dienstag gab es den endgültigen Durchbruch in Aleppo - so scheint es.

Die syrische Armee und verbündete Milizen hatten im November ihre Offensive auf Aleppo begonnen. Die russische Luftwaffe unterstützte das Vorhaben aus der Luft.

Die Regierungstruppen hätten nun am Dienstag die vollständige Kontrolle über die nordsyrische Stadt übernommen, sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin in New York. Schritt für Schritt wurden in den vergangenen Wochen die von Regimegegnern gehaltenen Stadtteile zurückerobert.

Doch was bedeutet das? Drei Fragen und drei Antworten - die ihr euch zusammengefasst auch im obigen Video anschauen könnt.

1. Was wurde am Dienstag beschlossen?

Überraschend einigten sich am Dienstag die Rebellen mit dem Regime auf einen Abzug. Aus Regierungskreisen hieß es, die Rebellen sollten die Stadt in Richtung der von oppositionellen Milizen kontrollierten Provinz Idlib verlassen. Noch verbliebene Zivilisten dürften die Stadt ebenso verlassen.

Unklar war zunächst, ob auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra-Front) abzieht. Ein türkischer Offizieller, der in die Verhandlungen eingebunden war, erklärte, die Einigung umfasse Zivilisten und "moderate Rebellen".

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2. Woher diese plötzliche Entscheidung?

Der Hauptgrund dürfte sein, dass Aleppo nun vollständig unter Kontrolle von Assads Streitkräften stehen soll. Die Gefechte im Osten von Aleppo seien beendet, nun beginne die humanitäre Versorgung der Menschen, sagte Tschurkin.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow beriet mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in einem Telefonat über die Lage in Aleppo. Dabei sei es auch um humanitäre Hilfe für die Menschen in der Stadt gegangen, teilte das Ministerium in Moskau mit.

Und: Trotz - oder gerade wegen - der jüngsten Entwicklungen im Syrienkonflikt soll beim kommenden EU-Gipfel auf konkrete Sanktionsdrohungen gegen Russland verzichtet werden. Auch das könnte eine Rolle gespielt haben.

3. Was bedeuten die jüngsten Entwicklungen für den Verlauf im Syrien-Krieg?

Der Abzug bedeutet einen wichtigen Sieg für die syrische Regierung im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad kontrolliert nun wieder alle großen Städte des Landes.

Größter Nutznießer ist dennoch der russische Präsident Wladimir Putin - seine Politik der harten Hand zeigte sich insbesondere gegenüber dem Westen als erfolgreich - wie die jüngsten Reaktionen der EU zeigen. Trotz bis zuletzt anhaltenden Bombardements, drohen ihm keine neue Sanktionen. Auch innenpolitisch weiß er den Sieg von Aleppo für sich zu nutzen.

Beobachter rechnen trotzdem nicht damit, dass der Bürgerkrieg bald endet.

Rebellen beherrschen nach wie vor unter anderem die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens. Und die Terrormiliz Islamischer Staat hat im Norden und Osten Syriens noch große Gebiete unter Kontrolle.

Mit Material der dpa

(bp)