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13/12/2016 14:36 CET | Aktualisiert 14/12/2016 12:40 CET

Nach vier verschiedenen Berufen schmiss dieser Mann alles hin und wurde König

Vor dem Eingang des Augsburger Rathauses steht ein Mann mit einem langen, weißen Bart. Mit strenger Miene und hinter dem Rücken verschränkten Armen überwacht er die Menschenmassen auf dem Weihnachtsmarkt. Er trägt etwas, das aussieht wie ein Schlafanzug. Dieser Mann ist der König von Augsburg.

Der König hat uns exklusiv zu sich nach Hause eingeladen. Die ganze Geschichte seht ihr im Video oben.

Das zumindest sagt er, wenn man ihn danach fragt. Sein bürgerlicher Name ist Gerhard Johannes Hermanutz. Das steht auch auf seinem Ausweis, den er um den Hals trägt. "Wenn ich den trage, denken alle, dass ich eine Amtsperson bin", erklärt er und lacht ein bisschen hämisch.

Amtspersonen und Vorschriften mag Hermanutz nicht. Er hat sich einfach selbst zum König gemacht, indem er jahrelang mit einer Krone herumgelaufen ist. Die Regeln, nach denen er lebt, stellt er selbst auf. Seine Kleidung richtet sich nach einem strengen Farbkalender.

Demnach ist er gerade in der blauen Woche. Deshalb trägt er von Kopf bis Fuß blau. Auch, wenn er am liebsten nackt herumlaufen würde. "Vielleicht mache ich das bald mal wieder", sagt er.

In Augsburg ist er bekannter als der Bürgermeister

Vier verschiedene Berufe hat er schon gelernt und dann wieder geschmissen. Vor mehr als 24 Jahren war er Kraftfahrer für das Wasserwerk München, davor Werbewirtschaftsingenieur, Schriftsetzer und Altenpfleger. Gefallen hat ihm das nie.

Als Altenpfleger habe er zumindest nicht herumsitzen müssen. Der König hasst es, zu sitzen. "Aber wem gefällt es schon, Altenpfleger zu sein", sagt er.

Wenn man sich in Augsburg nach dem König erkundigt, weiß jeder sofort, wer gemeint ist. Er gehört zu der Stadt wie der Rathausplatz, mit dem er sich fest verbunden fühlt. "Mein Lieblingsplatz", sagt er. Hier sieht man ihn jeden Tag, seit 24 Jahren. Meistens steht er kerzengerade und beobachtet die Augsburger.

Oft guckt er wie versteinert, manchmal schimpft er aber auch. Wenn die Passanten zu hektisch laufen und dabei mit ihren Armen schlenkern zum Beispiel. Oder, wenn sie zu viel herumsitzen.

Seine Königs-Gewänder näht er selbst

Als er 1992 beschloss, König zu werden, hätte er nie gedacht, wie bekannt er einmal werden würde. "Ich habe mich aber schon immer gefragt, ob mir Schmuck stehen würde", sagt er. Als er jahrelang nur noch mit einer Krone durch die Stadt lief, begannen die Augsburger ihn "König" zu nennen.

Hermanutz fand Gefallen daran. Er nähte sich Gewänder aus alten Decken, für jede Farbwoche eins, und trug sie in der Stadt. "Das waren noch Zeiten", schwärmt er. Mittlerweile zeigt er sich auch weniger majestätisch, wie heute im Schlafanzug. Die Krone hat er verloren. Seinen neuen Beruf nicht.

Die Augsburger lieben ihn. In einigen Läden gibt es T-Shirts mit dem Aufdruck seines bärtigen Gesichts. Auf Facebook hat er eine Fanpage. Manchmal kommen Teenager und wollen Selfies mit ihm machen.

Dem König ist anzusehen, dass ihm das gefällt. Als er ein Kind war, wollte er vor allem eines werden, sagt er. "Berühmt!"

Das ist ihm gelungen.

Im Video oben erfahrt ihr noch mehr über den König von Augsburg. Wir haben ihn in seinen privaten Gemächern besucht.

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(mf)