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13/12/2016 08:30 CET | Aktualisiert 13/12/2016 09:37 CET

Kita-Betreuung: Der Staat lässt Eltern in Deutschland im Stich - ein Vater klagt an

Es war ein grauer Herbsttag vor einigen Wochen, als Eric Wallis beschloss, dass sich etwas ändern muss in diesem Land.

Wallis ist Vater einer dreijährigen Tochter, die in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern in die Kita geht. Seine Frau und er arbeiten beide den ganzen Tag, deswegen bleibt sein Kind bis sechs Uhr abends dort. Und genau das ist sein Problem.

Wallis entschied sich, dass er nicht länger tatenlos zusehen würde, wie der Staat die Zukunft nicht nur seiner Tochter, sondern - wie er sagt - aller Kinder in Deutschland verspielt.

In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Betreuungsschlüssel bei 1:15 bei Unter-Dreijährigen. Das bedeutet: Eine Betreuungsperson muss sich um die Bedürfnisse von 15 Kindern kümmern - gleichzeitig.

"Völlig unmöglich", findet Wallis. "Was passiert, wenn ein Kind sich in die Windeln macht? Wer kümmert sich dann um die anderen?"

Eine Person für 15 Dreijährige ist viel zu wenig

Gut ausgebildete Erzieher und Erzieherinnen hätten kaum die Chance, ihre Fähigkeiten in ihrer täglichen Arbeit mit den Kindern anzuwenden, sagt er. "Schlicht, weil sie keine Zeit dazu haben."

Also hat Wallis eine Petition gestartet, adressiert an die Ministerin für Arbeit, Gleichstellung, und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern.

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"Bessere KiTa-Betreuung - eine Person für 15 Dreijährige ist zu wenig", nannte er sie. Er fordert, den Betreuungsschlüssel für das Bundesland auf ein realistisches Niveau anzuheben.

Bundesweit liegt der Schnitt bei neun Kindern zwischen 3 und 6 Jahren pro Erzieherin. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt einen Schlüssel von 1:3 unter drei Jahren und 1:7,5 darüber.

Schnell zeigte sich, dass Wallis nicht der Einzige ist, der die Betreuungssituation seiner Kinder unerträglich findet. Andere Eltern meldeten sich bei Wallis, berichteten von ihren Sorgen und Erlebnissen. Auch aus anderen Bundesländern erreichten den Vater Solidaritätsbekundungen.

Die Petition hat bereits tausende Unterschriften

Mehr als 5000 Menschen haben die Petition bereits unterschrieben. Inzwischen hat Wallis mit Gleichgesinnten eine Arbeitsgruppe gegründet und will auch auf anderen Wegen auf das Problem aufmerksam machen.

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Sie haben erste Gespräche mit Kita-Trägern geführt. "Es gibt so viel zu tun", sagt er. "Die meisten von uns arbeiten und sitzen jetzt jeden Tag noch abends und organisieren, was zu tun ist."

Er ist sich aber sicher, dass die Mühe sich lohnen wird. Seine Einstellung: "Wer sich an etwas stört, sollte versuchen, die Situation zu ändern."

Welches Erlebnis den jungen Vater dazu brachte, die Initiative zu starten, erzählt er euch im Video oben.

Wenn ihr seine Petition unterstützen wollt, könnt ihr das hier tun.

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(ben)