POLITIK
12/12/2016 13:58 CET | Aktualisiert 12/12/2016 14:29 CET

Berliner U-Bahn-Treter: Warum mir der Hass im Netz genauso viel Angst macht wie die Tat

Es ist ein schockierendes Video, das Mitte vergangener Woche öffentlich wurde: Es zeigt vier junge Männer, die einen U-Bahneingang in Berlin-Neukölln hinuntersteigen. Einer von ihnen hält eine Bierflasche in der Hand und geht hinter einer Frau her.

Dann holt er plötzlich mit dem Fuß aus und tritt sie die Treppe hinunter. Die Frau stürzt einige Meter die Treppe hinab und verletzt sich. Es ist Gewalt aus dem Nichts.

Die Jungs schlendern davon als sei nichts gewesen. Über die Hintergründe der Tat ist bisher wenig bekannt. Einen Verdächtigen hat die Polizei inzwischen gefasst.

Jagd auf die Täter im Netz

Aber was mich ebenso wie die brutale Tat in den vergangenen Tagen besorgt hat: Die Hetze und die Jagd auf die Täter im Internet.

Mehrere Personen setzten auf Facebook ein Kopfgeld auf die Jugendlichen aus. Andere forderten die Todesstrafe, andere Einzelhaft, Straflager, Folter oder öffentliches Auspeitschen. Ganz so als ob sie das deutsche Justizsystem schon abgeschrieben hätten.

facebook

Keine Frage: Wer so eine feige Tat begeht, muss härtest möglich bestraft werden.

Erster Schritt zur Selbstjustiz

Dennoch wirkt der Hass auf die Täter im Netz wie ein erster Schritt auf dem Weg zur Selbstjustiz. Aus den Kommentaren unter den Artikeln über den Berliner Fall spricht eine gefährliche Wut, eine Lust an der Gewalt und eine Abkehr vom Rechtsstaat.

Die Tat der Berliner war schlimm, ja. Aber ebenso beängstigend ist der Mob im Netz, der Jagd auf die Täter macht. Noch ist es eine Jagd nur mit Worten.

Ich frage mich: Wann werden aus Worten Taten?

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(ca)