POLITIK
12/12/2016 03:20 CET | Aktualisiert 12/12/2016 05:03 CET

"Das ist super-riskant": Was hinter Trumps Gepolter gegen China steckt

  • Donald Trump provoziert China mit seiner Aussage zur "Ein-China-Politik"

  • Der künftige US-Präsident fordert eine Gegenleistung für die Fortführung der aktuellen China-Politik

  • Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr im Video oben

Er kann es nicht lassen.

Nachdem der designierte US-Präsident Trump bereits durch ein Telefonat mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen die chinesische Regierung gegen sich aufgebracht hat, legt er jetzt noch einmal nach.

In einem Interview mit "Fox News" hatte Trump gesagt, er verstehe die langjährige US-Position - wonach Peking als alleinige Regierung Chinas anerkannt wird - voll und ganz.

Mehr zum Thema: Donald Trump: Die Welt glaubt, dass er verrückt ist - und das ist Teil seines Plans

"Aber ich verstehe nicht, warum wir an eine "Ein-China-Politik" gebunden sein müssen, solange wir nicht einen Deal mit China über andere Dinge haben, darunter den Handel."

Hinter den flapsigen Twitter-Äußerungen steckt System

Mit seinen flapsigen Äußerungen gegenüber China in Interviews und in Twitter-Posts hat Trump ein politisches Erdbeben ausgelöst, das die sensible Machtbalance der beiden Großmächte durcheinanderbringt.

Politische Beobachter sind der Ansicht, dass hinter Trumps Äußerungen eine politische Strategie steckt - eine, die schnell nach hinten losgehen könnte.

Die kommunistische Führung betrachtet Taiwan seit 1949 nur als abtrünnige Provinz und droht regelmäßig mit einer gewaltsamen Rückeroberung. Als Folge fordert Peking, dass kein Land diplomatische und andere offizielle Beziehungen zu der heute demokratischen Inselrepublik unterhalten darf, wenn es ein normales Verhältnis mit der kommunistischen Volksrepublik pflegen will.

Und daran haben sich bisher alle Staaten gehalten. Auch Deutschland unterhält in Taiwan keine Botschaft. Doch jetzt wirft Trump dieses ungeschriebene Gesetz der internationalen Politik mal eben über den Haufen.

Die Äußerungen von Donald Trump, die USA müssten nicht unbedingt an die Ein-China-Politik gebunden sein, haben in Peking für Aufregung gesorgt.

Ein Außenpolitik-Experte beschrieb den neu gewählten US-Präsidenten als diplomatisch "unreif": "Deswegen müssen wir ihm klar machen, wie ernst das Problem ist und Druck auf ihn ausüben", sagte Li Haidong, Professor an der Universität für auswärtige Angelegenheiten in Peking der staatlichen Zeitung "Global Times" vom Montag. Die Taiwanfrage sei nicht verhandelbar.

"Er begreift nicht, dass die Taiwanfrage kein Geschäft für China ist"

"Als Unternehmer denkt er, es sei ganz normal, Geschäfte zu machen, aber er begreift nicht, dass die Taiwanfrage kein Geschäft für China ist", sagte Professor Li Haidong über Trump.

Li Haidong Druck ausgeübt werden soll, sagte der Professor nicht, hob aber hervor: "Wir sollten dafür sorgen, dass er die Bedeutung und Komplexität der chinesisch-amerikanischen Beziehungen versteht und verhindern, dass er von einigen konservativen Kräften manipuliert wird."

Er hielt es aber auch für verfrüht, zu dem Schluss zu kommen, dass Trump wirklich einen Plan hat, die Ein-China-Politik in Frage zu stellen, in dem er solche Äußerungen macht.

Damit spricht Li Haidong die Frage an, über die alle politischen Beobachter zurzeit rätseln: Hat Trump einen Plan - oder benimmt er sich einfach ungeschickt und trampelig?

Viel spricht dafür, dass Trump eine sorgfältig geplante Strategie verfolgt. Die "Washington Post" schreibt, dass das Gespräch mit Taiwans Präsidentin lange geplant gewesen sein soll.

"Taiwan ist ein neuralgisches Thema - eines, bei dem die Chinesen reagieren werden"

Nach Ansicht von Professor Wang Yiwei, dem Direktor des Instituts für Internationale Angelegenheiten in Peking, sind Trumps Äußerungen eine gezielte Provokation.

"Ich denke nicht, dass er Taiwan anerkennen wird", sagte er dem Magazin "Time". "Vielleicht will er mehr Vorteile im Handel oder der Wirtschaft heraushandeln, daher sagt er dramatische Dinge, um die chinesische Führung einzuschüchtern. Ich denke, es ist seine diplomatische Strategie."

Die meisten Beobachter scheinen sich einig zu sein, dass es Trump um die Handelsbeziehungen zu China geht.

Professor Nick Bisley, Asien-Experte an der La Trobe Universität in Australien, sagte "Time", dass Trumps Stategie "super-riskant" sei. "Es gibt einen Grund, warum Politiker dies in der Vergangenheit nicht getan haben. Taiwan ist ein neuralgisches Thema - eines, bei dem die Chinesen reagieren werden."

Doch es gibt Hinweise, dass Trump den Provokationen einen freundschaftlichen diplomatischen Ansatz folgen lassen will. Kurz nach dem "Fox News"-Interview ernannte er Terry Branstad, Gouverneur in Iowa, zum Botschafter für China - ein guter Bekannter und "alter Freund" von Chinas Präsident Xi Jinping.

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(ben)