POLITIK
13/12/2016 02:33 CET | Aktualisiert 13/12/2016 07:36 CET

"Eine Million junge muslimische Männer sind ein Problem": Sarrazin bei RTL

Man kann nur darüber spekulieren, was die RTL-Verantwortlichen dazu bewegte, die Sendung "Exklusiv - der heiße Stuhl" wiederzubeleben (auch im Video oben).

Das Format stammt aus der "Der Preis ist heiß"-Zeit. Ein Talkgast sitzt auf dem titelgebenden Möbel und wird von vier Kontrahenten "gegrillt", wobei die Moderatoren Talkgäste und Publikum zu maximaler Lautstärke ermuntern. Nachdem die Sendung 1994 auslief, wanderte der Stuhl in Haus der Deutschen Geschichte in Bonn. Jetzt wurde das Format aus dem Giftschrank geholt - moderiert von "SternTV"-Moderator Steffen Hallaschka.

Ist RTL der Ansicht, dass die Zeit wieder reif ist für eine politische Krawall-Talkshow? Der Gast in der gestrigen Sendung mit dem Titel "Ein Jahr nach Köln – wie sicher ist Deutschland?" war der Mann, denn man vor wenigen Jahren noch als "Skandalautor" bezeichnete: Thilo Sarrazin.

"Junge Männer wollen ein Mädchen"

Er saß da mit dauerverschränkten Armen und dauerüberschlagenen Beinen auf dem Möbel und konnte nur ein einziges Argument in unzähligen Variationen wiederholen: Muslimische Einwanderer seien eine Gefahr für Deutschland, weil sie ungebildet, kriminell und frauenfeindlich seien, und daran sei nur der Islam schuld. Er selbst gebe nur Fakten wieder, und wer diese in Frage stellt, lebe "in einer Scheinwelt".

"Junge Männer wollen das, was alle junge Männer wollen - ein Mädchen", setzte er an. "Wenn eine Million muslimischer Männer ins Land kommt, ohne Zugang zu Frauen, dann ist das ein Problem.“

Polizeigewerkschafter Arnold Plickert empörte sich über Sarrazins Behauptung, die Polizei in Köln sei "unfähig" gewesen. Auf ein Ereignis wie in Köln habe man sich nicht vorbereiten können, da es so etwas zuvor in Deutschland nicht gegeben habe. Er entgegnet entgegen: "Nicht alle Muslime sind in dieses Raster einzuordnen."

"Postfaktischer Angstmacher"

"Als ich in Berlin Senator war, waren 80 Prozent der männlichen Insassen in Jugendknästen arabischer und türkischer Herkunft", sagt der.

Die muslimische Buchautorin Khola Maryam Hübsch warfSarrazin vor, dazu beigetragen zu haben, dass "dieses Land gespaltet wurde". Der Grünen-Politiker Kai Gehring sagte dem Autor, er habe ein "islamophobes Weltbild" und sei ein "postfaktischer Angstmacher". Die Schauspielerin Annabelle Mandeng war um Ausgleich bemüht: "Wir müssen zu einem Konsens kommen. Die Flüchtlingssituation ist so, wie sie ist."

Konsens? Doch nicht bei RTL! Hallaschka muss die Stimmer erheben, um noch gehört zu werden: Es fallen Worte wie "Schwachsinn!", "Scheinlogik!" und "Sie haben keine Ahnung!" Das Publikum buht im Hintergrund.

Als Muslima Hübsch spricht, ertönen "Raus!"-Rufe

Eine Szene zeigte, dass es vielleicht besser ist, die Talkshow nicht wiederzubeleben. Als Hübsch versuchte, zu erklären, dass es unter Migranten mehr Kriminelle als unter Deutschen gebe, weil sie ärmer seien, kam es zu hässlichen Zwischenrufen aus dem Publikum. Es waren Rufe wie "Aufhören", und "Raus!" zu hören. Hallaschka schien dem nichts entgegenzusetzen zu haben.

In angespannten Zeiten wie diesen ist es vielleicht besser, nicht eine auf maximalen Krawall ausgelegte Talkshow zu senden.

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