POLITIK
13/12/2016 01:03 CET | Aktualisiert 13/12/2016 05:47 CET

"Hart aber fair" zum "Schockjahr 2016": Mit nur einem Satz empörte Kabarettist Somuncu Stoiber und Schwarzer gleichzeitig

Das Jahr geht zu Ende. Und was für ein Jahr es war. "Wir hätten gewarnt sein können", sagte Frank Plasberg zu Anfang seiner Sendung "Hart aber fair" mit dem Titel "Schockjahr 2016". Schließlich habe es mit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln angefangen. Dann folgten weitere unglaubliche Nachrichten: IS-Terroristen unter den Flüchtlingen, Brexit-Votum, Trump-Sieg.

Doch die Weihnachtszeit schien Frank Plasbergs Gesprächsrunde versöhnlich zu stimmen. Der Moderator gestand CSU-Politiker Edmund Stoiber zu, viele Probleme dieses Jahres vorausgesehen zu haben. Die Ereignisse in Köln seien ein "polizeiliches Versagen" gewesen, sagte der CSU-Mann. Zum Misstrauen in der Bevölkerung habe aber erst geführt, dass "man es nicht öffentlich darstellte, weil man die Sorge hatte, man würde die Flüchtlingspolitik negativ beeinflussen."

"Es gab Sprech-und Denkverbote"

Stoiber wiederum fand freundliche Worte für Merkel (siehe Video oben). Deren Flüchtlingspolitik habe sich "erheblich verändert". Auch die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer war in dieser Sendung erstaunlich milde. Auf Nachfrage des Moderators bestätigte sie nochmal ihre umstrittene Aussage, dass die Übergriffe in Köln "Terror" gewesen seien.

In Deutschland gebe es bereits genug Gewalt gegen Frauen, und nun würden "entwurzelte junge Männer" hinzukommen, die vor ihrer Flucht "Schreckliches erlebt oder getan" hätten.

Doch man hörte auch versöhnlichere Töne von ihr. So sagte sie, sie sei stolz auf Angela Merkel gewesen, als diese den Flüchtlingen in Ungarn die Einreise gewährte. Dann aber habe ein Lernprozess eingesetzt. "Man hätte schneller die Wahrheit sagen müssen", stellte sie fest. "Es gab Sprech-und Denkverbote." Konstruktive Kritik überall.

"Parteigebundene Ausländerfeindlichkeit"

Zum Glück war Serdar Somuncu, Kabarettist und Kanzlerkandidat der Partei "Die Partei" im Studio und störte die Vorweihnachtsstimmung etwas. Er brachte das Kunststück fertig, sowohl Stoiber als auch Schwarzer gleichzeitig mit einem Satz in Schnappatmung zu versetzen. Die beiden würden zwei Extreme vertreten.

"Herr Stoiber begibt sich in einen Wettbewerb mit den Populisten", stellte er fest. Er stellte in Frage, dass Stoibers Kritik an der Flüchtlingspolitik prophetisch gewesen sei. Der CSU-Mann habe lediglich aus seiner "parteigebundenen Ausländerfeindlichkeit" heraus schon immer gesagt, "wir wollen die hier nicht haben".

"Ein solcher Blödsinn!", empörte der sich prompt. Aber Somuncu hatte noch nicht ausgesprochen.

Schwarzer sagte er ins Gesicht, sie verkörpere jenen Teil der Bevölkerung, der 2015 "völlig gekippt sei" und der aus einer "Image-Frage" heraus in eine Flüchtlingsfreundlichkeit verfallen war, "so extrem, dass es nicht glaubwürdig war."

Er habe gewusst, das würde nicht lange dauern. Und tatsächlich sprachen bald alle über Burka-Verbot und Obergrenzen. Schwarzer brauchte ziemlich lange, um zu verstehen, dass sie da gerade jemand kritisierte.

"Das ist mir jetzt neu", sagte sie schließlich.

"Die Deutschen sind manisch-depressiv"

Auch der ARD-Korrespondent in Brüssel, Rolf-Dieter Krause, bekam sein Fett weg. Als der davon sprach, dass Menschen ohne Fluchtgrund wieder gehen müssten, warf ihm der Kabarettist vor, es sei arrogant, Menschen in Wirtschaftsflüchtlinge und berechtigte Flüchtlinge aufzuteilen.

Krause wiederum unterstellte den Deutschen, "manisch-depressiv" zu sein: Dem Freudentaumel über die Willkommenskultur folge nun die Gegenreaktion der "besorgten Bürger". Das Mittelmaß würden die Deutschen schlecht beherrschen.

Krause brachte es fertig, nebenbei ein kleines Tabu zu brechen. "Wenn ich auf Deutschland stolz sein soll, dann muss Deutschland helfen", sagt er. Als in den 70er Jahren Flüchtlinge aus Chile in Deutschland eingetroffen seien, war er "richtig stolz" auf sein Land. Deutschland muss seiner Ansicht nach weiter helfen - aber nur jene aufnehmen, die einen wirklichen Grund zur Flucht hätten.

Vor wenigen Monaten hätte jemand, der in einer Talkshow die Worte "stolz" und "Deutschland" in einem Satz verwendet, noch einen Shitstorm ausgelöst.

Jetzt aber schien es keinem aufzufallen. Und das zeigt doch, wie sehr uns das Jahr verändert hat.

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(ks)