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12/12/2016 12:30 CET | Aktualisiert 12/12/2016 14:53 CET

"Eine gefährliche Fehleinschätzung": Experten warnen vor den Folgen von Trumps China-Affront

  • Mehrere Medien kritisieren den künftigen US-Präsidenten für seinen Vorstoß, die "Ein-China-Politik" nur für eine Gegenleistung beizubehalten

  • Sie warnen davor, dass die Beziehung der USA und China darunter nachhaltig leiden könnten

  • Eine Zusammenfassung seht ihr oben im Video

Er treibt ein gefährliches Spiel. Der künftige US-Präsident Donald Trump hatte China zunächst mit einem Telefonat mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen provoziert. Am Sonntag legte er noch einmal nach.

In einem Interview sagte Trump, er verstehe nicht, warum er sich an die "Ein-China-Politik" halten solle, solange die USA nicht einen Deal mit China über andere Dinge wie Handel hätten.

China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz. Als Folge unterhalten die meisten Länder keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu der Inselrepublik, um die Beziehung zu China nicht zu gefährden. Mit diesem ungeschriebenen Gesetz bricht Trump nun gewollt.

Trump verhalte sich "unreif"

Die Reaktionen aus China ließen nicht lange auf sich warten. Li Haidong, Professor an der Universität für auswärtige Angelegenheiten in Peking, bezeichnete in der staatlichen Zeitung "Global Times" am Montag den neu gewählten US-Präsidenten als diplomatisch "unreif".

Er forderte von der chinesischen Führung: "Deswegen müssen wir ihm klar machen, wie ernst das Problem ist und Druck auf ihn ausüben."

Trump wolle lediglich "das Terrain sondieren"

Trumps Absicht hinter den Provokationen waren für die Kommentatoren vieler Zeitungen offensichtlich: Er erhoffe sich, damit die Handelsbeziehungen zu China zu seinen Gunsten beeinflussen zu können. Es ist eine Strategie, die auch nach hinten gehen kann.

"Als Unternehmer denkt er, es sei ganz normal, Geschäfte zu machen, aber er begreift nicht, dass die Taiwanfrage kein Geschäft für China ist", sagte gegenüber der "Global Times".

Auch Professor Wang Yiwei, der Direktor des Instituts für Internationale Angelegenheiten in Peking, äußerte sich ähnlich. Er sagte dem Magazin "Time", er glaube nicht, dass Trump Taiwan anerkennen werde.

"Vielleicht will er mehr Vorteile im Handel oder der Wirtschaft heraushandeln, daher sagt er dramatische Dinge, um die chinesische Führung einzuschüchtern. Ich denke, es ist seine diplomatische Strategie", sagte er weiter.

Mehr zum Thema: Donald Trump: Die Welt glaubt, dass er verrückt ist - und das ist Teil seines Plans

Auch Li Yonghui, Leiter des Bereichs Internationale Beziehungen an der Fremdsprachenuniversität Peking, sagte der britischen Tageszeitung "The Guardian", Trump wolle mit seinen Provokationen lediglich das "das Terrain sondieren", bevor er nächsten Monat das Präsidentenamt übernimmt.

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Trumps Vorstoß könnte allen Beteiligten massiv schaden

Die diplomatischen Beziehungen der USA mit China dürfte Trump schon vor seiner Vereidigung sehr strapaziert haben. Aber auch mit Taiwan könnte es sich der künftige Präsident mit seinen letzten Äußerungen verscherzt haben.

Wu Jieh-min, Forscher an der Academia Sinica in Taipeh, sagte der US-amerikanischen Tageszeitung "Washington Post", die USA sollten Taiwan nicht als Mittel zum Zweck benutzen.

Trumps Telefonat mit Taiwans Präsidentin sei zwar ein positives Zeichen gewesen. "Aber aus der Perspektive der Menschen in Taiwan sollte die Richtlinie sein, dass Taiwan nicht als Element beim Handel zwischen Großmächten benutzt wird."

Der Deutsche-Welle-Redakteur Rodion Ebbighausen kritisierte in einem Kommentar das Vorgehen von Donald Trump und warnte, dass darunter letztlich auch die USA schlechter hervorgehen könnten.

Ebbighausen nannteTrumps Vorstoß eine "gefährliche Fehleinschätzung, bei der niemand etwas gewinnen kann." Sowohl die USA als auch die Volksrepublik China werden unter einer Verschlechterung der Beziehung, "gar einem Wirtschaftskrieg massiv leiden."

Auf der Welt gebe es genügend ungelöste Krisen. "Es ist völlig unverständlich, warum Trump ohne jede Not einen weiteren Krisenherd schafft", meinte Ebbighausen.

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