POLITIK
11/12/2016 02:42 CET | Aktualisiert 11/12/2016 02:55 CET

Österreichs Kanzler: "Ich befürchte, dass der Aufstieg der AfD erst beginnt"

Österreichs Kanzler Christian Kern: "Ich befürchte, dass der Aufstieg der AfD erst beginnt"
dpa
Österreichs Kanzler Christian Kern: "Ich befürchte, dass der Aufstieg der AfD erst beginnt"

Man kann nicht gerade behaupten, dass Österreichs Bundeskanzler Christian Kern die politischen Entwicklungen in Deutschland ignoriert.

Immer wieder tritt der SPÖ-Politiker als Mahner auf, wenn es um das Thema Flüchtlinge und Aufstieg von Rechtspopulisten geht - so wie vor einigen Wochen, als er Angela Merkels "Wir-schaffen-das"-Mantra als hinfällig bezeichnete - und vor einem Wandel der AfD zu einer echten Volkspartei warnte.

In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" wird Kern jetzt noch konkreter.

Nach den Erfahrungen seines Landes mit der rechtspopulistischen FPÖ sagte er: "Es ist vermutlich keine Erfolgsstrategie, die AfD zu tabuisieren und ihre Wähler zu ächten."

"Dann zeigt sich schnell, wie wenig Substanz da ist"

Er verstehe, dass man der AfD nicht nah kommen wolle. Spätestens wenn die Partei weiter Wahlen gewinne, werde sich die Auseinandersetzung aber entwickeln, so Kern. "Man muss sie in inhaltlichen Auseinandersetzungen stellen. Dann zeigt sich ziemlich schnell, wie wenig Substanz da ist."

In Deutschland drohe sonst eine ähnliche Entwicklung wie mit der FPÖ in Österreich, sagte Kern: "Wir haben die FPÖ und das, wofür sie steht, zurecht immer abgelehnt. Vom Versuch, sie auszugrenzen hat die Partei allerdings profitiert. Sie konnte beleidigt in eine Ecke flüchten und sich als Opfer darstellen. Das hat sie unnötig mystifiziert und zum vermeintlichen Rächer der Enterbten gemacht."

"Meine Befürchtung ist, dass der Aufstieg der AfD erst beginnt"

Zu Parallelen zwischen der österreichischen FPÖ und der AfD sagte Kern: "Inhaltlich gibt es viele Übereinstimmungen. Verglichen mit der FPÖ ist die AfD aber noch relativ unprofessionell, heillos zerstritten und kaum kampagnenfähig. Das war in den frühen Phasen der FPÖ sehr ähnlich. Meine Befürchtung ist deshalb, dass der Aufstieg der AfD erst beginnt."

Für Europa sei der Sieg des Grünen-Kandidaten Alexander van der Bellen bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich eine gutes Signal, aber kein Grund zur Entwarnung, sagte Kern.

"In der EU fehlt es an Führung und Kante"

"Ich bin froh, dass die Wahl so ausgegangen ist. Aber man darf nicht übersehen, dass die Kräfte, die Rechtsdemagogen derzeit so stark machen, weiter walten. Europa steht vor großen Herausforderungen, das spüren die Menschen. Aber es fehlt in der EU an Führung und an klarer Kante. Wenn das so bleibt, ist der Aufstieg von Demagogen sicher nicht zu Ende."

Dennoch sieht Kern für seine eigene Bewegung, die Sozialdemokratie, noch eine große Zukunft: "Die Problemstellungen unserer Zeit sind sozialdemokratisch. So lange ein Prozent der Bevölkerung so viel besitzt wie die übrigen 99 Prozent, steht die Sozialdemokratie vor ihrer Blüte, nicht vor ihrem Verschwinden."

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