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11/12/2016 11:49 CET | Aktualisiert 11/12/2016 11:54 CET

Kölner "Express": Polizei wusste in der Silvesternacht viel früher von sexuellen Übergriffen als behauptet

Kölner "Express": Polizei wusste viel früher von sexuellen Übergriffen als behauptet
dpa
Kölner "Express": Polizei wusste viel früher von sexuellen Übergriffen als behauptet

Immer, wenn die Öffentlichkeit glaubt, mehr Behörden- und Politik-Pannen könne es im Zusammenhang mit der Kölner Silvesternacht nicht gegeben haben, legen die Redakteure des Kölner "Express" noch einmal nach. So auch jetzt.

Am morgigen Montag erscheint ein Buch geschrieben von zwei Redakteuren des Blatts, Christian Wiermer und Gerhard Vogt. Angekündigt ist eine minutiöse Rekonstruktion jener Nacht anhand zehntausender Seiten vertraulicher Dokumente, hunderten Stunden Videomaterial und Interviews.

Die neuen Vorwürfe

Online berichtet die Zeitung, dass die Polizei schon viel früher Notrufe wegen sexueller Übergriffe erhalten habe als behauptet. Die Journalisten haben Anrufe mehrerer Frauen und ihrer Begleiter dokumentiert, die in ihren Notrufen ab 22.30 Uhr berichten, von vielen Menschen "angefasst" oder zwischen den Beinen begrapscht worden zu sein.

Sie schildern, dass man ihnen die Kleidung heruntergeschoben oder -gerissen habe. Doch die Polizei habe diese Übergriffe entweder in ihrem Einsatzsystem nicht dokumentiert oder zu niedrig priorisiert.

Die Dimension der Kommunikationspannen

Mit den Vorgängen beschäftigt sich sei dem März ein Untersuchungsausschuss. Der Chef der Leitstelle sagte darin dem Bericht nach, er habe selbst um 6 Uhr in der Früh noch nichts von sexuellen Übergriffen gewusst.

Das zeigt, wie massiv das Kommunikationsproblem gewesen sein muss. Schließlich hatte es 513 Strafanzeigen allein wegen sexueller Übergriffe gegeben. Gegen 87 Personen wurde letztlich ein Verfahren wegen sexueller Übergriffe eingeleitet.

Inzwischen sind rund die Hälfte der Verfahren gegen namentlich ermittelte Beschuldigte wieder eingestellt worden. Das teilte die Kölner Staatsanwaltschaft auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Folgen der Nacht

Der Kölner "Express“ erhebt letztlich einen schweren Vorwurf: Die Vermutung liege nahe, dass weitere Taten hätten verhindert werden können, wenn die Notrufzentrale die Informationen vollständig weitergegeben hätte.

Der Titel des Buches der "Express"-Redakteure lautet übrigens "Die Nacht, die Deutschland veränderte". Tatsächlich ist die öffentliche Diskussion über Flüchtlinge seither eine andere. Deutschland ringt um den richtigen Umgang mit den Menschen, die zu uns kommen. Um den richtigen Umgang mit Informationen über Vorfälle im Zusammenhang mit ihnen. Um die Frage, wo die Grenzen von Blauäugigkeit, Political Correctness, Populismus und Rechtsradikalismus sind.

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(vr)