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11/12/2016 17:10 CET | Aktualisiert 11/12/2016 17:11 CET

Anschläge in Istanbul: Die wichtigsten Fakten im Überblick

Attentäter in Istanbul verwendeten bis zu 400 Kilogramm Sprengstoff
Murad Sezer / Reuters
Attentäter in Istanbul verwendeten bis zu 400 Kilogramm Sprengstoff

In der Nacht zum Sonntag sind in der türkischen Metropole Istanbul zwei Bomben hochgegangen. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Was weiß man inzwischen über die Anschläge?

Um 22.29 Uhr am Samstagabend detonierte eine Autobombe in der Nähe des Fußballstadions in Besiktas - etwa anderthalb Stunden nach Ende des Spiels zwischen den Erstligisten Besiktas und Bursaspor. Die Zuschauer waren schon auf dem Heimweg. 45 Sekunden später sprengte sich ein Selbstmordattentäter im Macka Park neben dem Stadion in die Luft.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, die Polizei habe einen Verdächtigen kontrolliert, der sich daraufhin in die Luft gesprengt habe.

Nach Angaben des Vize-Ministerpräsidenten Numan Kurtulmus kamen zwischen 300 und 400 Kilogramm Sprengstoff zum Einsatz. Ein auf sozialen Medien verbreitetes Video, das von der asiatischen Seite der Stadt aufgenommen wurde, zeigt einen riesigen Feuerball.

Wer sind die Opfer?

Mindestens 38 Menschen starben. Mehr als 150 weitere Menschen sei verletzt worden, hieß es nach Regierungsangaben.

Die meisten der Toten sind Polizisten. Weil das Spiel zwischen den verfeindeten Clubs Bursaspor und Besiktas als Risikospiel galt, waren besonders viele Polizisten zur Absicherung im Einsatz.

Unter den zivilen Todesopfern ist auch der 19-jährige Medizinstudent Mustafa Berkay Akbas. Nach Angaben seines Vaters Salim Akbas war der junge Mann, der an einer Universität in Ankara eingeschrieben war, zusammen mit Freunden für zwei Tage zu Besuch in Istanbul. „Sie sind ganz zufällig zu diesem Zeitpunkt in einem Taxi dort vorbeigefahren»“, sagte Akbas unter Tränen zu türkischen Fernsehjournalisten. Er wolle nicht, dass sein Sohn jetzt ein „Märtyrer“ genannt werde. „Er wurde ermordet, mehr sage ich nicht“, sagte Akbas.

Am Samstagabend hatten Freunde und Familie bereits eine Suchaktion über Twitter nach Akbas gestartet, nachdem sie ihn telefonisch nicht mehr erreichen konnten.

Wer steckt hinter dem Anschlag?

Am Sonntag bekannte sich die TAK (Freiheitsfalken Kurdistans), eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, zu beiden Anschlägen und bestätigt damit den Verdacht der Regierung. Die türkische Führung hatte schon kurz nach den Attentaten vermutet, dass die TAK verantwortlich sein könnte.

Die TAK teilte in ihrem Bekennerschreiben mit, zwei ihrer Anhänger seien bei den Attentaten getötet worden, ließ aber offen, ob es sich um zwei Selbstmordattentate handelte.

Was ist der politische Hintergrund?

Im Südosten der Türkei geht die Armee seit dem Scheitern eines Waffenstillstands im Sommer 2015 wieder gegen die PKK vor. Diese reagiert über die Splittergruppe Tage vermehrt mit Anschlägen auch in der Westtürkei.

Die TAK begründete ihren Einsatz nun auch unter anderem mit dem Armeeeinsatz. Solange diese anhielten, solle „niemand erwarten, ein geruhsames Leben in der Türkei führen zu können“. Zu einem Autobomben-Anschlag in der Hauptstadt Ankara im März diesen Jahres hatte sich ebenfalls die TAK bekannt. Damals wurden 37 Menschen getötet.

Am Samstag, nur wenige Stunden vor dem Attentat, hatte die islamisch-konservative AKP-Regierung einen umstrittenen Gesetzesentwurf zur Verfassungsänderung ins Parlament eingebracht. Damit sollen die Befugnisse von Erdogan deutlich ausgeweitet werden. Während die Opposition vor einer "Diktatur" warnt, argumentiert die Regierung, ein Präsidialsystem sei unter anderem für die Stabilität des Landes wichtig.

Wie reagiert die türkische Regierung?

Das Wichtigste sei der Kampf gegen die „Pest des Terrors“, sagte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag. Die Täter müssten einen „noch höheren Preis“ zahlen. Details zu den bisher 13 Festgenommenen gaben die türkischen Behörden nicht bekannt.

Wie reagiert das Land?

Der Schock im ganzen Land ist groß. Besiktas ist ein beliebtes Ausgehviertel auf der europäischen Seite Istanbuls und liegt in der Nähe des Taksim-Platzes. Gerade am Wochenende sind die Straßen belebt. Auch wenn die Polizei offenbar das Ziel war, wurden zivile Opfer in Kauf genommen. Die Explosionen waren gewaltig und kilometerweit zu hören. Die Erde bebte. Sirenen heulten.

Was sagte Angela Merkel?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übermittelte Präsident Erdogan bei einem Telefonat ihr persönliches Beileid und das der Bundesregierung. Beide Politiker vereinbarten, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus zu intensivieren, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer mit. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierten erschüttert. Der Nationale Sicherheitsrat der USA verurteilte die Anschläge ebenfalls auf das Schärfste.

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