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09/12/2016 10:36 CET | Aktualisiert 09/12/2016 11:29 CET

Wirtschaftsweiser Bofinger erklärt: Brexit-Befürworter und Trump-Wähler sind zu Recht unzufrieden

Trump-Wählerin in den USA
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Trump-Wählerin in den USA

Eine globale Armee der Unzufriedenen zettelt derzeit eine Revolution an.

Und der Umbruch, den diese Unzufriedenen auslösen, könnte unsere Gesellschaften radikal verändern.

Die Rede ist von den Wählern der Trumps, Petry, Hofers und Le Pens dieser Welt. Sie wollen eine andere Gesellschaft - eine, in der die Nation wieder ganz oben steht und in der die Grenzen geschlossen sind.

Die Frage, die sich angesichts dieser Revolution stellt: Was hat diese Revolte der Unzufriedenen ausgelöst?

Warum die Wut-Wähler Recht haben

Die Antwort des Wirtschaftsweisen und Ökonomie-Professors Peter Bofinger: Die Globalisierung.

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Bofinger schreibt in einem Beitrag für das Wochenmagazin "Die Zeit": “Die ‘vergessenen Männer und Frauen’, wie sie Trump nennt, haben dabei durchaus recht.” Denn sie hätten von den Vorteilen der Globalisierung nicht profitiert.

Ganz neu ist Bofingers These nicht - und wohl auch nur ein Teil der Wahrheit. Denn Umfragen zeigen auch, dass auch Gebildete und Wohlhabende für die neuen Rechten stimmen.

Bofingers Argument ist dennoch hörenswert - denn seine Lösungsansätze könnten im kommenden Wahlkampf eine Rolle spielen, wenn sich die SPD wieder stärker auf ihre sozialen Wurzeln besinnt.

Einkommen breiter Bevölkerungsschichten stagnieren

Vor allem einen Grund sieht Bofinger für die Wut der Wähler: Breite Schichten profitieren nicht vom Wirtschaftsaufschwung, den die Globalisierung gebracht hat.

Er bringt zwei Beispiele:

1. In den Vereinigten Staaten stagniert das Realeinkommen eines Vollzeit-Arbeitnehmers seit dem Jahr 1977

2. Die Haushaltseinkommen der unteren 30 Prozent der Einkommensbezieher sind in Deutschland seit 1991 nicht mehr gestiegen.

Bofinger hat auch schon einen Vorschlag, wie sich das ändern lässt. Er schreibt: Es muss eine breitere Teilhabe am Wohlstand geben. “Die Verlierer der Globalisierung müssen angemessen entschädigt werden”, schreibt er.

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Die Lösung sieht Bofinger in geringeren Abgaben und höheren Transfers sowie in einem kostenlosen Bildungssystem und einer gute Absicherung im Krankheitsfall.

Steuerdumping muss enden

Bofinger schlägt vor, die Abgaben auf Kapitalerträge zu erhöhen und Vielverdiener höher zu besteuern.

Das gehe aber nur, wenn sich die Staaten einigen, auf einen Steuerwettbewerb zu verzichten. Sprich: Großbritannien sollte nicht damit werben, Unternehmen besonders niedrig zu besteuern, wie es die Regierung in London derzeit plant.

Einen Hebel, um diese Idee umzusetzen, hat Bofinger auch schon. Wenn Länder Zugang zu ihren gegenseitigen Märkten wollen, dann müssen sich sich verpflichten, kein Steuerdumping zu betreiben.

“Ein Europa, das sich um mehr Verteilungsgerechtigkeit und einen Abbau der Arbeitslosigkeit bemüht, würde seinen Bürgern signalisieren, dass die Politiker ihre Sorgen und Nöte verstanden haben. Und es würde die Globalisierung vor ihren selbstzerstörerischen Kräften schützen”, schließt Bofinger.

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