POLITIK
09/12/2016 06:51 CET | Aktualisiert 09/12/2016 07:05 CET

Erdogans Agenten: Wie Imame in Deutschland für die türkische Regierung spionieren

Erdogans Agenten: Wie Imame in Deutschland für die türkische Regierung spionieren
ADEM ALTAN via Getty Images
Erdogans Agenten: Wie Imame in Deutschland für die türkische Regierung spionieren

  • Erdogan spioniert in Deutschland mit Hilfe von Imamen

  • Das belegen Dokumente, die der Zeitung "Die Welt" vorliegen

  • Auch Namen prominenter Deutscher tauchen in den Papieren auf

Die türkische Regierung geht eisenhart gegen Oppositionelle und kritische Journalisten vor. Spätestens seit der Festnahme zahlreicher Journalisten der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet“ vor einigen Wochen wächst auch in Deutschland die Sorge um den Zustand der türkischen Demokratie.

Jetzt werden weitere besorgniserregende Details über den Unterdrückungsapparat Erdogans bekannt. Sie betreffen Deutschland.

Die AKP-Regierung soll auch hierzulande systematisch Journalisten, Politiker und "verdächtige“ Deutschtürken ausspioniert haben – mit der Hilfe türkischer Imame.

Der Tageszeitung "Welt“ liegen ausführliche Berichte vor, die von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) an eine Kommission des türkischen Parlaments gegangen sind.

Sie zeigen: Ditib-Imame lieferten regelmäßig Informationen über Personen, denen Nähe zu vermeintlich terroristischen Netzwerken nachgesagt wurde, an die türkische Regierung.

"Ditib wandert weiter in die islamistische Ecke"

Die "Welt“ zitiert anonymisierte Beispiele aus den Berichten. So denunzierten Imame zahlreiche Personen als Gülen-nah. Erdogan macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putsch in der Türkei im Sommer dieses Jahres verantwortlich.

Die "Welt“ zitiert: "N.Y.: Ist verantwortlich für das Gebiet A. und aktiv für diese Struktur tätig. Er hält auch nach dem Putschversuch vom 15. Juli unverändert an seiner Position fest.“

Ditib war nach dem versuchten Militärputsch in der Türkei in Deutschland massiv in die Kritik geraten, weil die Imame des Dachverbands in ihrer bundesweit einheitlichen Freitagspredigt politisch Stellung bezogen hatten.

Mehr zum Thema: So agieren Erdogans Handlanger in Deutschland - und so finanzieren sie sich

Die Ethnologin Susanne Schröter sagte damals dem "Deutschlandfunk“: "Ditib hängt am türkischen Religionsministerium. Das türkische Religionsministerium wandert immer weiter in eine islamistische Ecke. In eine konservative, autoritäre Ecke.”

"Erdogans Spionagenetz wächst

Auch der Name der ehemaligen ARD-Moderatorin Sabine Christiansen findet sich in den Spionageberichten. Zudem die Bundestagsabgeordneten Doris Wagner (Grüne) und Florian Post (SPD). Was die Imame ihnen in den Berichten zur Last legen, ist nicht bekannt.

Neben dem Spionagenetzwerk über die religiösen Institutionen sammelt auch der türkische Nachrichtendienst MIT in großem Stil Informationen in Deutschland.

Der MIT, den die "Bild"-Zeitung vor einigen Monaten bereits als "Erdogans Stasi" bezeichnet hatte, soll bundesweit über 6000 Informanten verfügen.

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(ben)