POLITIK
08/12/2016 18:00 CET | Aktualisiert 09/12/2016 01:13 CET

Nach Lappalie stänkert Erdogan nun gegen deutschen Diplomaten

Recep Tayyip Erdogan
ASSOCIATED PRESS
Recep Tayyip Erdogan

  • Deutsche Diplomaten können normalerweise unkompliziert aus der Türkei ein- und ausreisen - das gilt derzeit nicht mehr

  • Denn nach Kritik von Präsident Erdogan an deutschen Behörden deutet alles auf eine Strafmaßnahme hin

Nach Verzögerungen bei der Ausreise einer türkischen Parlamentarierin aus Deutschland hat die Türkei deutschen Diplomaten die Ein- und Ausreise erschwert. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Donnerstag, deutschen Diplomaten würden bei der Passkontrolle am Istanbuler Atatürk-Flughafen erst nach einer "detaillierten Prüfung und Untersuchung" erlaubt.

Der Ursache ist eine Lappalie: Die türkische Vize-Parlamentspräsidentin Ayse Nur Bahcekapili von der regierenden AKP war Anfang des Monats wegen fehlender Papiere zeitweise am Flughafen Köln-Bonn festgehalten worden.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte daraufhin am Mittwoch gedroht, die Türkei werde das deutsche Verhalten "genauso erwidern".

Schweizer wurden für Deutsche gehalten und schikaniert

Anadolu berichtete, die Maßnahmen seien seit Mittwochabend in Kraft. Vier deutsche Diplomaten hätten deswegen bei der Ausreise bereits ihr Flugzeug verpasst. Bei der Einreise entstünden für deutsche Diplomaten rund einstündige Verzögerungen.

Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin forderte von den deutschen Behörden eine "zufriedenstellende" Erklärung für die Behandlung Bahcekapilis. "Wir erwarten, dass sie ihrerseits ermitteln, wie sich der Vorfall zugetragen hat, und diesbezüglich die nötigen Schritte gegen die betroffenen Personen unternehmen", sagte er am Donnerstag in Ankara.

Auch zwei Korrespondenten des Schweizer Fernsehens SRF wurden in der Türkei fälschlicherweise für Deutsche gehalten und deswegen nach eigener Aussage von der Polizei schikaniert.

Die Türkei-Korrespondentin des SRF, Ruth Bossart, sagte der Deutschen Presse-Agentur, Polizisten am Flughafen in Diyarbakir hätten die beiden Teams am Vorabend "bis auf die Schmutzwäsche" im Gepäck durchsucht. Sie hätten dabei ausdrücklich Bezug auf die verzögerte Ausreise der Abgeordneten aus Deutschland genommen.