POLITIK
08/12/2016 23:30 CET | Aktualisiert 09/12/2016 02:18 CET

"Maybrit Illner": Wendt fasst die Absurdität der Asylpolitik in einem Satz perfekt zusammen

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Wer auf einen neuen Talkshow-Eklat hoffte, wurde vom Polizeigewerkschafter Rainer Wendt enttäuscht. Während er Anfang der Woche mit seinem indirekten Vorwurf, dass die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung für den Sexualmord in Freiburg verantwortlich sei ("Die Vertreter der Willkommenskultur schweigen"), Aufsehen erregt hatte, blieb er in Maybrit Illners gestriger Sendung zur Flüchtlingssituation ganz zahm. Trotzdem sagte er in dieser Sendung die entscheidenden Worte - und keiner widersprach.

Er sah keine Notwendigkeit für einen neuen Skandal. Wendt sagte, er habe erwartet, dass nach dem Mord eines Flüchtlings an einer 19-jährigen Studentin mal wieder gesagt würde, dass dies ein Einzelfall sei und dann zum Tagesprogramm übergegangen würde. "Und genau das ist nicht passiert, wir diskutieren."

Schicksal des Afghanen Sharifi bewegte die Runde

Minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge wie der Täter aus Freiburg, die häufig Gewalt erlebt hätten, bräuchten eine psychosoziale Betreuung: "Aber das wird nicht intensiv genug gemacht."

Er zeigte sich zufrieden, dass der "Rückzug des Staates" vorbei sei und mehr Polizisten eingestellt werden, obwohl dies "zu spät" komme. Köln sei diesmal auf die Silvesternacht hervorragend vorbereitet, mit mehr Polizisten, Videoüberwachung und Beleuchtung. Jetzt brauche man noch mehr Staatsanwälte, eine bessere Zusammenarbeit von Justiz und Polizei - und Videoüberwachung.

Nachdenklich machte Wendt der Fall des Afghanen Mazour Hossein Sharifi. Illner sprach am Stehtisch mit dem afghanischen Flüchtling. Der ist seit sechs Jahren in Deutschland geduldet und muss sich jeden Monat bei der Ausländerbehörde melden. Er spricht fließend Deutsch und bemüht sich um Arbeit - aber er darf nicht. Denn er soll nach Afghanistan abgeschoben werden, das von der Politik für sicher erklärt wurde.

"Doch die 2000 Intensivtäter in Düsseldorf kriegen wir nicht weg"

"Ich bin kein Experte für Abschiebepolitik", sagte Wendt nachdenklich mit Blick auf den afghanischen Asylbewerber. "Aber ich habe den Eindruck, dass wir die Falschen abschieben." Mit diesen Worten scheint er dem Publikum aus dem Herzen zu sprechen - es antwortet mit stürmischem Applaus.

Mehr zum Thema: Wir brauchen endlich einen starken Staat, der unsere Freiheit und Sicherheit schützt

"Diese Leute können nichts dafür, dass diese Verfahren so lange dauern", fuhr Wendt fort. Sie hätten einen festen Wohnsitz, seien rechtstreu und gingen zu Schule. Trotzdem werden sie nach Jahren abgeschoben. "Doch die 2000 Intensivtäter in Düsseldorf kriegen wir nicht weg. Da stimmt was nicht!"

Was ist das für ein krankes System?"

Er bekam Zustimmung von allen Seiten: "Sharifi abschieben, weil wir es morgen können - und die Kriminellen im Land lassen", kommentierte Illner.

Die aus dem Iran stammende Unternehmerin Emitis Pohl erinnerte sich daran, wie man ihr Steine in den Weg gelegt hatte. "Mir hat man gedroht, mich nach zwölf Jahren abzuschieben", sagt sie. "Was ist das für ein krankes System?" Auch der Bürgermeister von Freiburg, Dieter Salomon, stimmte Wendt zu: "Wir schieben die Falschen ab." Die Unternehmen in seiner Stadt würden händeringend nach Arbeitskräften suchen.

Wenigstens die nordrheinwestfälische SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft konnte Sharifi etwas Mut machen. Ein neues Gesetz erlaube es, dass er für die Zeit einer Ausbildung und zwei zusätzliche Jahre in Deutschland bleiben darf.

"Vielleicht findet sich nach dieser Sendung ein Unternehmen, das sie einstellt."

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(ks)