LIFE
08/12/2016 11:46 CET | Aktualisiert 08/12/2016 12:54 CET

Viele Männer haben ein Leiden, das jahrelang unentdeckt bleibt - es kann sie das Leben kosten

iStock

Gut aussehende Männer, die gerade am Steuer eines teuren Autos sitzen, im Büro eine Konferenz abhalten oder als Versorger nach Hause kommen, während die Frau für die Familie ein Maggi-Gericht zaubert - Die Medien, vor allem die Werbung, sind voll mit Stereotypen erfolgreicher, starker und glücklicher Männer.

In der Realität begehen Männer dreimal so oft Selbstmord wie Frauen, im Schnitt mit 25,5 Jahren. Im Jahr 2012 nahmen sich mehr als 8000 Männer in Deutschland das Leben.

Dass Frauen sich von zu schlanken Models oder scheinbar perfekten Müttern in den Medien unter Druck gesetzt fühlen könnten, kritisieren Frauenrechtler und Medienbeobachter regelmäßig. Über die Männer aber spricht kaum jemand.

Offenbar wird automatisch angenommen, dass sie sich von Stereotypen weniger beeinflussen lassen. Das stimmt aber nicht.

Männer fühlen sich unter Druck gesetzt

Eine neue Studie zeigt: Die hohe Suizid-Rate der Männer könnte damit zusammenhängen, dass Männer fürchten, einem bestimmten Männerbild nicht mehr gerecht werden zu können. Einem Männerbild, das Medien verbreiten und offenbar auch viele Frauen übernehmen.

Die umfangreiche Studie entstand in Zusammenarbeit von der Huffington Post UK und CALM ("Campaign Against Living Miserably"), einer Kampagne, die Aufmerksamkeit auf den häufigen Suizid von Männern lenken will.

Über eine Online-Plattform baten die Forscher Männer darum, einen zehnminütigen Fragebogen zu ihrem Selbstwertgefühl und ihren Ängsten auszufüllen. Etwa 1700 Männern nahmen daran teil.

Echte Männer sollen nicht weinen

Die Antworten offenbaren: Der Druck auf Männer ist höher, als die meisten vermuten.

61 Prozent der Männer gaben an, sich von den Medien unter Druck gesetzt zu fühlen. 36 Prozent sagten, sie würden das Gefühl vermittelt bekommen, sie müssten besonders stark wirken.

"Du musst ein Mann sein - schon als Kinder bekommen wir solche Dinge gesagt", sagte Damien Ridge, Professor für Gesundheitsstudien an der University of Westminster, der britischen Huffington Post. "Als Junge darf man noch weinen. Aber dann darf man es plötzlich nicht mehr. Weil man ein Mann sein muss."

Männer halten die Ansprüche von Frauen für zu hoch

Was die Umfrage auch ergeben hat: Viele Männern sorgen sich darum, einer Frau nicht genug bieten zu können. Vier von zehn Befragten glauben demnach, dass Frauen zu hohe Ansprüche haben und befürchten, diesen nicht gerecht werden zu können.

26 Prozent der Männer halten sich selbst nicht für attraktiv und selbstbewusst genug. 20 Prozent haben Angst davor, zu wenig zu verdienen.

Die Mehrheit der Männer, nämlich ganze 70 Prozent, gaben an, dass der Job sehr wichtig für ihr Selbstwertgefühl sei.

Mehr zum Thema: Viele Männer glauben, sie leiden unter Stress - doch dahinter steckt oft etwas viel Ernsteres

Ärzte befürchten: Dieser ständige Druck ist es, der viele Männer in die Depression und in besonders schlimmen Fällen in den Selbstmord treibt.

Männer versuchen, ihre Depression zu verstecken

Das große Problem ist: Männer versuchen oft, Depressionen zu überspielen. Während viele Frauen mit ihren Freundinnen über ihre Depressionen sprechen und sich austauschen, haben Ärzte die Erfahrung gemacht, dass Männer sich ihren Freunden nicht anvertrauen.

"Es gibt in unserer Gesellschaft noch immer eine Reihe von normativen Geschlechterrollen. Depression könnte als unmännlich wahrgenommen werden ", sagte Psychotherapeut Daniel Wagner der Huffington Post.

"Hier kann innerpsychischer Druck entstehen, bestimmten Bildern nicht gerecht zu werden. Bei der Bewältigung depressiver Symptome kann das einem Mann im Wege stehen."

Mehr zum Thema: Warum Männer ihre Depression so oft verstecken

Experten fordern: Da Männer ganz anders mit einer Depression umgehen, müsste es für sie auch andere Behandlungsmethoden als für Frauen geben.

"Bei Männern gibt es häufig andere Bewältigungsstrategien einer Depression", erklärt Wagner. "Sie konsumieren Substanzen, sind gereizter und weniger bereit, sich Hilfe zu suchen. Oder sie versuchen, ihre Depressionen durch Arbeit zu kompensieren."

Durch diese Strategien, die sie entwickeln, anstatt sich Hilfe zu suchen, verlaufe ihre Depression oft schwerer. "Hier ist es insbesondere wichtig, ein entsprechendes auf Männer zugeschnittenes Hilfeangebot zu gewährleisten," meint Wagner.

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