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07/12/2016 12:19 CET | Aktualisiert 07/12/2016 12:22 CET

6 Wege, wie Eltern die Seele ihres Kindes schädigen, obwohl sie es gut meinen

6 Wege, wie Eltern die Seele ihres Kindes schädigen, obwohl sie es gut meinen.
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6 Wege, wie Eltern die Seele ihres Kindes schädigen, obwohl sie es gut meinen.

Obwohl Kinder es heute so gut wie nie zuvor haben, geht es ihnen immer schlechter: Eine Umfrage der britischen Kinderhilfsorganisation "NSPCC“ zeigt, dass Kinder neben Familienproblemen zunehmend unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden und sich unglücklich fühlen. Die Umfrage wird seit 1986 durchgeführt – damals gaben die befragten Kinder keines dieser Probleme an.

Das ist alarmierend: Wie kann es sein, dass sich Kinder unglücklicher fühlen als früher – obwohl heutzutage viel mehr Wert auf das Kindeswohl gelegt wird? Experten warnen: Der Grund könnte darin liegen, dass Eltern ihre Kinder unbewusst verletzen, obwohl sie es nur gut meinen.

1. Sie bestätigen die Ängste ihrer Kinder

Euer Kind kommt von der Schule nach Hause und erzählt euch, dass es Angst vor den nächsten Prüfungen hat oder dass es gerade Ärger mit anderen Kindern in der Klasse gibt? Wer jetzt voller Mitgefühl ruft: "Oh nein, das ist ja schlimm, wie sollst du das alles nur schaffen?“, der demotiviert das Kind.

Das Kind braucht in dem Moment nicht kollektive Verzweiflung, sondern eine Mutter oder Vater, die es beruhigen und sich zusammen mit ihm Lösungen überlegen. Eltern, die auf alle Sorgen des Kinder selbst ängstlich reagieren, verunsichern das Kind nur noch mehr.

2. Sie geben in einem Streit mit dem Kind zu schnell nach

Wenn Eltern ihren Kindern in einem Streit nachgeben, obwohl sie eigentlich Recht haben, denken sie, dass sie ihm etwas Gutes tun – aber das ist falsch. Selbst Kinder wünschen sich Eltern, die ihnen widersprechen und einen festen Rahmen bieten, an dem sie sich orientieren können.

Das Rheingold-Institut in Köln zeigte in einer tiefenpsychologischen Studie im Auftrag des Magazins "Stern“, dass Kinder durch einen zu nachgiebigen Erziehungsstil überfordert sind. Die Wissenschaftler des Instituts schreiben in einem Statement: "Sie wünschen sich Eltern, die wieder als Eltern auftreten und das Kind Kind sein lassen und die sich trauen, einen eigenen Standpunkt zu beziehen, gegen den man auch rebellieren kann.“

3. Sie kümmern sich rund um die Uhr um ihre Kinder

Eltern haben heute immer mehr Angst um die Sicherheit ihrer Kinder – und versuchen so gut wie möglich vorzubeugen: Sie fahren sie zur Schule und machen mit ihnen die Hausaufgaben. Diese sogenannten Helikopter-Eltern vermeiden mit allen Mitteln, dass ihre Kinder mit Konflikten und Problem konfrontiert werden könnten.

Der Psychologe Albert Wunsch warnt in der Huffington Post, dass Kinder durch diesen "Schongang“ kein Selbstbewusstsein entwickeln würden. "Wer jedoch Kindern ständig Hindernisse aus dem Weg räumt, ihnen Mühe und Schweiß, täglich notwendige Arbeiten oder Mitwirkungen ersparen will - selbst die Erfahrung von Trauer, etwa beim Tod der Großeltern - der führt diese gezielt in ein Terrain von Misslingen und Zukunftsangst.“

Michael Schulte-Markwort von der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sagte der "Welt": "Wenn ein Kind von klein auf lernt, dass überall Gefahren lauern, nimmt es die Welt in erster Linie als Bedrohung wahr und nicht mehr als spannenden Erfahrungsraum."

4. Sie legen zu viel Wert auf gesellschaftliche Normen

Klar sollten Eltern ihren Kindern Werte vermitteln – es ist nur utopisch zu glauben, dass ein Kind sich immer einwandfrei verhalten wird. Kinder machen auf dem Weg zum Erwachsenwerden Fehler – sie müssen ja erst lernen, wer sie sind und was sie wollen und das verläuft natürlich nicht immer reibungslos.

Wenn Kinder das Gefühl haben, dass sie bei Problemen von ihren Eltern verurteilt werden, dann kann es passieren, dass Kinder wichtige Konflikte verschweigen. Das kann ihre Psyche erheblich belasten.

5. Sie versuchen, die Schwächen ihrer Kinder zu kompensieren

Eltern, die ihr Kind fördern, wollen nur das Beste. Das verkehrt sich allerdings ins Gegenteil, wenn sie bei der Förderung übertreiben: Mit Nachhilfe oder Extrakursen wird zusätzlich zur Schule Druck erzeugt. Das gibt dem Kind das Gefühl, dass es die Eltern ständig enttäuscht und seine Leistungen niemals genügen.

Wer selbstbewusste und zufriedene Kinder will, der sollte eher ihre Stärken fördern: Es mag Musik? Dann kann es doch damit sein Wochenende verbringen – es ist ja nicht schlimm, wenn euer Kind nicht in allen Schulfächern glänzt, oder?

6. Sie verstecken ihre Probleme vor ihren Kindern

Ehestreit, kranke Verwandte und finanzielle Engpässe – Eltern verstecken gerne ihre "Erwachsenenprobleme“ vor ihren Kindern, um sie nicht zu belasten. Aber Kinder kriegen es sowieso mit, wenn es ihren Eltern schlecht geht.

Nur – wenn sie den Grund nicht kennen, verunsichert sie das umso mehr. Vielleicht geben sie sich sogar selbst die Schuld an der Lage. "Ich denke, wenn ich zu patzig bin, dann streiten sich meine Eltern noch wegen mir - und trennen sich vielleicht", sagte eine Zehnjährige in der Befragung des Rheingold-Instituts in Köln.

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(glm)