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06/12/2016 18:37 CET | Aktualisiert 06/12/2016 18:47 CET

Die Botschaft des CDU-Parteitages: "Die Welt ist aus den Fugen: 'Weiter so!'"

Angela Merkel
dpa
Angela Merkel

  • Sowohl die Rede von CDU-Chefin Angela Merkel als auch ihre Wiederwahl als Vorsitzende beim Parteitag in Essen riefen Ernüchterung hervor

  • Insbesondere die fehlende klare Linie Merkels und damit auch der gesamten Union wird von den Medien kritisiert

"Noch einmal geschafft." So betitelten etliche Medien (u.a. "Spiegel-Online", der "Südkurier" und "Der Westen") die Wiederwahl von Angela Merkel zur Vorsitzenden der CDU. Sie selbst mag ähnlich gedacht haben.

Denn am Dienstagnachmittag stimmten nur 89,5 Prozent der Delegierten beim Parteitag in Essen für Merkel - ihr zweitschlechtestes Ergebnis.

"Die Traumergebnisse vergangener Parteitage liegen zwar hinter Angela Merkel", schreibt die Tageszeitung "Südkurier" aus Konstanz. Dennoch könne die CDU-Chefin genügend Rückhalt verbuchen, um in den "schwierigsten Wahlkampf ihrer Kanzlerschaft" zu starten.

Für sie in Essen vorteilhaft waren Parteiräson und mangelnde Alternativen. "Merkel überstrahlt alles, in den Reihen dahinter wird es düster", schreibt der "Südkurier".

Wenigstens das Wahlergebnis war "ehrlich"

Die "Thüringische Landeszeitung" kennt den Grund für die momentane Verfassung der CDU: "Wer kein Direktmandat gewonnen hat und sich des Rückhalts in seinem Wahlkreis für die nächsten Wahlen nicht hundertprozentig sicher sein darf, (...), der scheut offene Worte." Das verhindere die innere Erneuerung der CDU und vergrößere den "Graben zwischen der brodelnden Basis und der Riege der Berufspolitiker", glaubt die Zeitung aus Weimar.

Wenigstens sei das Wahlergebnis "ehrlich" gewesen, urteilt die "Landeszeitung" aus Lüneburg. Neben diesem war der Applaus die wichtigste Möglichkeit zur Ermittlung der Zustimmung für die Kanzlerin. "Wenn die Chefin nicht die Welt erklärt, sondern ihre Gefühle, gibt es Applaus. Ebenso wie bei jeder Andeutung einer schärferen Asylpolitik. Und wenn sie ihre Partei um Hilfe bittet, reißt sie den Saal mit", so die Tageszeitung.

So nahm es auch die "Die Welt" wahr. Nur: Die CDU "hungere danach" zu lernen, wo sie stehe. "Die Abgrenzung zur demokratischen Konkurrenz kam bei Merkel wieder zu kurz", kritisiert die "Die Welt". Sowohl bei der SPD als auch bei den Grünen sehe Merkel eher potenzielle Koalitionspartner als politische Gegner. "Die Welt ist aus den Fugen: 'Weiter so!' lautet die seltsame Botschaft dieses Parteitags", resümiert die konservative Tageszeitung aus Berlin.

Mehr zum Thema: Ich, ich, ich: Am Ende ihrer Rede überrascht Merkel die Zuhörer auf dem CDU-Parteitag

Der gleichen Auffassung ist auch die links-liberale "Frankfurter Rundschau" (FR) - zumindest bis zur Verkündung des Wahlergebnisses. "Zunächst erweckte der Bundesparteitag der CDU den Eindruck, als sei nichts übrig von der Kanzlerdämmerung, der teils verhassten Flüchtlingspolitik, dem Streit mit der CSU."

Als die stark gesunkene Zustimmung verkündet wurde, sei deutlich geworden, dass der "Unionsstreit ums konservative Tafelsilber, der beim Flüchtlingsthema eskaliert ist, nicht spurlos an Merkel und ihrer Partei vorüberging." Immerhin nahm die FR - anders als "Die Welt" - Bemühungen zu einem Kurswechsel bei Merkels Partei wahr, "zurück zur konservativen CDU".

Auf den Punkt brachte den Parteitag schließlich der "Münchner Merkur": "Die Gesichter ernst, der Szenenapplaus dünn, das Wiederwahlergebnis nüchtern."

Das wirkt sich auch auf die Prognosen aus. Zwar werde die CDU bis zur Bundestagswahl im Herbst 2017 zusammenhalten, ist sich die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) sicher. Doch was danach passiert, hängt vom Ergebnis ab. "Merkels Zeit kann dann sehr schnell vorbei sein", mutmaßt die NOZ.