POLITIK
06/12/2016 10:21 CET | Aktualisiert 07/12/2016 05:30 CET

Ich, ich, ich: Am Schluss ihrer Rede überrascht Merkel die Zuhörer auf dem CDU-Parteitag

Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag
dpa
Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag

  • Angela Merkel begeistert auf dem CDU-Parteitag die Konservativen

  • Elf Minuten dauerte der Applaus nach ihrem Auftritt

  • Dabei war die Rede chaotisch und teils extrem spröde

  • Nur am Ende aber überrascht sie alle

Es dauerte elf Minuten, bis der Applaus in der Essener Gugahalle nach der Rede der Kanzlerin zu Ende war.

Merkel verneigte sich, winkte, umkreiste ihren Vorstand, setzte sich mehrmals hin – nichts half. Die Delegierten des 29. Parteitages wollte einfach nicht aufhören zu klatschen – und Merkel genoss es. Nur 2005 dauerte der Applaus länger, damals stoppten die Uhren der Beobachter bei Minute 13.

77 Minuten dauerte die Rede

Für Merkel bedeutet das: Mission accomplished.

Die CDU wollte auf diesem Parteitag demonstrieren, dass sie hinter ihrer Parteichefin steht. Mit 89,5 Prozent wurde sie als Parteichefin wiedergewählt. Ein Vertrauensverlust - vor zwei Jahren waren es noch knapp 97 Prozent. Dennoch ein akzeptables Ergebnis angesichts der Merkel-Müdigkeit und die Kritik an der Kanzlerin in den vergangenen Monaten.

Das kann aber nicht nur an der Rede der Kanzlerin gelegen haben. Die rund 77 Minuten füllte Merkel zwar mit allen Themen, die gerade wichtig sind.

"Die Welt ist aus den Fugen geraten"

Sie sprach die Krisen an, die die Welt in Atem halten.

„2016 hat die Welt nicht stabiler und sicherer gemacht, sondern instabiler und unsicherer“, sagte sie. Europa sei gar eine Frage von „Krieg und Frieden“, die Welt sei aus den Fugen geraten. Gerade mit dem Blick auf die Nato und das Verhältnis zu Russland „muss sich die Welt neu sortieren.“

Merkel will damit die AfD-Wähler und Pegida-Anhänger erreichen. Aber auch an die hat sie eine klare Botschaft, ohne sie klar zu benennen: "Wer das Volk ist, das bestimmen wir alle und nicht wenige - mögen sie auch noch so laut sein.“

Merkel hatte auch eine Botschaft an die Law-and-Order-Fraktion in der CDU, die in der Vergangenheit lautstark die Kanzlerin kritisiert hatte. Merkel sagte, dass die Vollverschleierung verboten werden müsse.

"Sicherheit, Ordnung und Recht"

Sie sprach sich gegen Parallelgesellschaften aus – das „deutsche Recht hat Vorrang gegenüber der Scharia.“ Und beschrieb die Wichtigkeit von „Sicherheit, Ordnung und Recht“ als Konstante der Partei. Von den Delegierten bekam sie dafür viel Applaus.

Das alles hat Merkel schonmal so oder so ähnlich irgendwo anders gesagt. Fast nichts war wirklich mitreißend. Emotional wurde sie nur selten. Stellenweise wirkte die Rede gar chaotisch – sie redete an mehreren Stellen über Europa, die Flüchtlingskrise und die Digitalisierung, wild durcheinander.

Nur am Ende überrascht die Kanzlerin. Da redet sie fast eine fast Viertelstunde nur über sich. Ich, ich, ich – so hat sich Merkel noch in keiner Rede gezeigt.

"Ihr müsst, ihr müsst mir helfen"

„Ich will und werde alles einsetzen, was in mir steckt“, kündigt Merkel an. Sie brauche aber als Kanzlerin die Unterstützung aller in der Partei. "Ich habe euch auch einiges zugemutet. Ich weiß das sehr wohl", sagt sie in Anspielung auf den Streit um die richtige Flüchtlingspolitik.

Aber sie werde auch im kommenden Wahlkampf „nicht über jedes Stöcken springen, das mir hingehalten wird“.

Auch vor Pathos schreckt Merkel nicht zurück. „Wenn ich an Deutschland denke, dann weiß ich, welch ein Glück es ist, in diesem Land zu leben.“

Viele hätten ihr gesagt, dass sie nochmal antreten müsse. "Das hat mich sehr berührt", sagte sie in Essen. „Aber da gilt: Ihr müsst, ihr müsst mir helfen! Kein Mensch, auch nicht mit der größten Erfahrung, kann die Dinge in Deutschland oder Europa zum Guten wenden. Es geht nur gemeinsam Hand in Hand.“

Das dürften die Delegierten im Hinterkopf haben, wenn sie heute über Merkel abstimmen. Ihre Botschaft an sie: Sie wird weiter für eine offene Politik stehen, aber sie hat die Sorgen der CDU-Mitglieder verstanden. Jetzt muss sie sie nur beantworten.

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