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06/12/2016 10:58 CET

Das wird später aus Kindern, die ihren Eltern ständig widersprechen

Kinder mit starkem Willen sind ein Segen
Gettystock
Kinder mit starkem Willen sind ein Segen

“Ich werde diese Jacke niemals anziehen!”

“Nein, ich werde nicht mehr zum Klavierunterricht gehen!”

“Meine Haare bleiben so, wie sie sind!”

Kinder, die einen starken Willen haben, sind ein Segen - auch wenn sie es ihren Eltern nicht immer leicht machen.

Von außen betrachtet wirken sie häufig trotzig und unerzogen, dabei steckt etwas anderes hinter ihrem Verhalten: Sie sind einfach nicht bereit, sich an die Regeln zu halten, ohne diese zu hinterfragen und sie wissen schon früh ganz genau, was sie wollen und was nicht.

Und genau das ist es, was sie eines Tages besonders erfolgreich machen wird.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ungehorsame Kinder als Erwachsene ein höheres Gehalt haben als artige Kinder. Sie arbeiten außerdem häufiger als Unternehmer.

Kinder, die häufig widersprechen, entwickeln sich zu starken Führungspersönlichkeiten

Kinder, die ihren Eltern, Erziehern, oder Lehrer häufig widersprechen, verfügen über eine bestimmte Form der Intelligenz: Sie sind in der Lage, um die Ecke und über den Tellerrand hinaus zu denken.

Das macht sie zu Persönlichkeiten, die mit Leichtigkeit immer wieder neue Ideen entwickeln können. Unternehmer halten sich nur selten an die Regeln, denn andernfalls könnten sie nicht erfolgreich sein.

“Kinder mit starkem Willen wollen die Dinge selbst lernen und nicht einfach die Aussagen anderer akzeptieren. Deshalb testen sie die Grenzen immer und immer wieder”, sagte Psychologin Laura Markham von der Columbia University der “Washington Post”.

Sie erklärt, dass diese Kinder häufig zu starken Führungspersönlichkeiten heranwachsen, die mit Druck von Außen sehr gut umgehen können und ihre Aufgaben mit einer besonderen Leidenschaft erledigen.

Kinder mit starkem Willen entwickeln Konfliktpotenzial

Die Grundlagen für ihren späteren Erfolg bauen diese Kinder sich durch den Konflikt mit ihren Eltern und anderen erwachsenen Bezugspersonen auf.

Weil sie schon früh die Konfrontation gesucht haben, verfügen sie im Erwachsenenalter über ein ausgeprägtes Konfliktpotenzial. Sie sind daher selbstständiger und selbstbewusster im Umgang mit sich selbst und ihrer Umwelt.

Eltern sollten sich deshalb unbedingt auf Konflikte mit ihren Kindern einlassen. Ansonsten verweigern sie ihren Kindern eine extrem wichtige Erfahrung:

“Wenn Eltern den Konflikt mit ihren Kindern vermeiden, enthalten sie ihnen etwas vor: Zu lernen, wie man mit Frustrationen umgeht und die Erfahrung, dass das Leben danach weitergeht”, sagte familylab-Seminarleiter Sasha Schmidt der Huffington Post.

“Diese Erfahrung müssen die Kinder dann sehr hart im echten Leben machen, wenn sie es in der Kinderstube nicht gelernt haben. Und das fällt ihnen häufig auf die Füße.”

Kinder, die den Konflikt suchen, suchen in Wahrheit den Kontakt zu ihren Eltern. Und durch Diskussion und Austausch miteinander können sie wachsen.

Mehr zum Thema: Was mit Kindern passiert, die von ihren Eltern verwöhnt werden

Konfliktkompetente Kinder sind gut auf die Ellenbogengesellschaft vorbereitet

Auch die anstrengenden Auseinandersetzungen, die Eltern von Teenagern kennen, zahlen sich eines Tages aus:

Wissenschaftler der University of Virginia haben herausgefunden, dass Teenager, die häufig gegen ihre Eltern argumentieren, zu Erwachsenen heranwachsen, die im Berufsalltag besser mit Meinungsverschiedenheiten umgehen können.

Sie hatten eine Gruppe von 150 13-Jährigen untersucht und festgestellt, dass diejenigen, die gelernt hatten, dass es in Ordnung ist, den Eltern zu widersprechen, besser mit schwierigen Situationen umgehen konnten.

Es fiel ihnen leichter, für sich selbst Grenzen zu ziehen und so höherem Druck von außen standzuhalten, weil sie ihre Grenzen als Kinder immer wieder ausgetestet hatten.

Wir sollten nicht versuchen, den Willen unserer Kinder zu brechen

Für Eltern sind Kinder mit einem starken Willen trotz allem eine große Herausforderung, denn sie müssen in der Erziehung einen wichtigen Kompromiss eingehen.

Es ist wichtig, dass Kinder in lebensgefährlichen Situationen wie im Verkehr oder im Umgang mit Feuer oder scharfen Messern auf ihre Eltern hören und ihnen nicht widersprechen.

In den kleinen Alltagsmomenten jedoch dürfen Eltern auch mal nachgeben und den ausdrücklichen Wunsch des Kindes akzeptieren. Schließlich geht es in der Erziehung nicht darum, den Willen des Kindes zu brechen und es nach den eigenen Vorstellungen von Perfektion zu formen.

Nur wenn wir unsere Kinder so akzeptieren, wie sie sind, und ihnen zeigen, dass unsere Liebe nicht davon abhängig ist, ob sie artig sind oder nicht, entsteht ein Vertrauensverhältnis, das für die kindliche Entwicklung essentiell ist.

Und dieses Vertrauensverhältnis ist notwendig, damit ein Kind begreifen und akzeptieren kann, wenn wir etwas verbieten.

Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erklärt, was Kinder mehr als alles andere von ihren Eltern brauchen

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(lk)