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06/12/2016 10:10 CET | Aktualisiert 07/12/2017 06:12 CET

Disturbed: Darum hat "The Sound of Silence" so riesigen Erfolg

Warner Music/ Travis Shinn
Disturbed suchen mit Covern die Herausforderung

Manchmal wird ein Song einfach zum Selbstläufer. So geschehen mit Disturbeds Cover des Simon & Garfunkel-Songs "The Sound of Silence". Die Metal-Band aus Chicago landete damit einen riesen Hit, der - Stand jetzt - knappe 150 Millionen Clicks auf YouTube hat. Doch: Nicht jedem schmeckt Disturbeds Interpretation dieses zeitlosen Klassikers. Warum ihn das völlig kalt lässt und warum der Song eine große Herausforderung war, verrät Sänger David Draiman (43) im Interview mit spot on news.

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Können Sie uns einen Eindruck davon geben, wie die Diskussion innerhalb der Band verlaufen ist, als Mike (Wengren, Schlagzeug) vorschlug "The Sound of Silence" von Simon & Garfunkel zu covern?

David Draiman: Wir waren gerade fertig mit den Aufnahmen für "Immortalized". Wir hatten keine wirklich gute Idee für ein Cover bis zu diesem Zeitpunkt und zerbrachen uns darüber den Kopf. Mike hatte dann die Idee und sie fand bei allen sofort Anklang. Aber gleichzeitig war es auch überwältigend. Dan (Donegan, Gitarre) machte dann den Vorschlag, wir sollten es so reduziert lassen und nicht einen typischen Disturbed Cover-Song daraus machen. Ich war mir aber nicht sicher darüber, weil wir diese Richtung seit langer Zeit nicht mehr eingeschlagen hatten, aber wir blieben dabei. Und das ist auch gut so, denn selbst heute noch berührt er uns.

Wie haben Sie sich dem Song genährt?

Draiman: Das war wirklich eine Herausforderung. Das war die längste Aufnahme-Session, die ich je hatte: fast drei Stunden. Das lag daran, dass ich einfach überhaupt keine Ahnung hatte, was ich machen sollte. (lacht) Normalerweise sind wir sehr gut vorbereitet und ich brauche meist nicht mehr als zwei, drei Anläufe für einen Song. Bei "The Sound of Silence" habe ich nur improvisiert. Ich hab drei Stunden lang quasi im Dunkeln herumgestochert und die unterschiedlichsten Dinge ausprobiert. Aber als der Song dann drei Tage später fertig war und ich ihn zum ersten Mal in seiner finalen Version gehört habe, hat mich der Song doch sehr berührt und ich hatte sogar ein wenig feuchte Augen.

Und sehr viele andere Menschen. Bis heute hat das Video bei YouTube rund 150 Millionen Clicks...

Draiman: Das hätten wir selbst niemals für möglich gehalten. Das ist alles viel, viel größer geworden, als wir es je gedacht hätten. Ich denke, der Song spricht einfach vielen Menschen aus dem Herzen. Aber ich glaube auch die Art und Weise wie wir es geschafft haben, den Vibe des Songs einzufangen, berührt einfach.

Bleiben wir ein wenig im YouTube-Kosmos. In den Kommentaren finden sich viele User, die sagen, dass es Songs gibt, die man besser nicht covert. Um es mal nett auszudrücken.

Draiman: Ich versuche mir diese Kommentare meist gar nicht durchzulesen, wenn ich ehrlich bin. Doch falls es mal vorkommt, ist das Verhältnis zwischen negativen und positiven Reaktionen doch meist so, dass die positiven überwiegen. Da lohnt es sich eigentlich gar nicht, sich darüber einen großen Kopf zu machen.

Das ist aber eine interessante Sache. Heutzutage, mit diesen ganzen Social-Media-Plattformen, gibt es da draußen eine ganze Menge Tastatur-Helden, die denken, es wäre cool einen noch beleidigenderen Kommentar abzulassen, der noch krasser ist, als die der anderen. Es fühlt sich fast so an, als wäre das eine Art Wettbewerb. Das Ironische daran ist, dass sich keiner trauen würde, mir das im echten Leben ins Gesicht zu sagen. Sobald die Leute meinen, sie wären anonym, verlieren sie jegliche Hemmungen.

Warum glauben Sie, dass es manchen Menschen so sauer aufstößt, wenn man einen ihrer Lieblingssongs covert, dass sie sich sogar die Zeit nehmen, einen solchen Kommentar zu verfassen?

Draiman: Wenn man sich in einen Song verliebt, dann hinterlässt das einen bleibenden Eindruck und die Leute wollen, dass dieser Eindruck irgendwie unberührt bleibt. Sie haben das Gefühl, der Song gehört nur ihnen selbst. Und um ehrlich zu sein, hatten wir auch daran gedacht, dass dieser Song so groß ist, dass man sich da besser nicht herantraut. Aber es war gleichzeitig auch eine sehr große Herausforderung für uns. Zu sehen, ob wir in der Lage sind, einem der größten Songs aller Zeiten unseren Stempel aufzudrücken.

Aber dann gibt es wirklich kein größerer Gefühl der Erfüllung, wenn der ursprüngliche Songwriter auf einen zu kommt, dir eine E-Mail schreibt und dir sagt, wie sehr er unsere Version liebt. Ich habe mich an dem Tag, als die E-Mail von Paul (Simon) kam, wie ein kleiner Fan-Boy gefühlt.

Also wird es auch noch in Zukunft von Disturbed Cover zu hören geben?

Draiman: Auf jeden Fall. Uns macht es Spaß und es fordert uns. Ein Stück, das sehr weit ist von dem, was wir sonst machen, so umzugestalten, dass es zu unserem wird.