NACHRICHTEN
05/12/2016 12:42 CET | Aktualisiert 05/12/2016 16:57 CET

"Tagesschau"-Macher knickt ein: Freiburg-Mord wird jetzt doch thematisiert

Der Mordfall der Freiburger Studentin Maria L. interessierte zahllose Menschen. Und so sorgte die Festnahme eines Tatverdächtigen am Samstag bundesweit für Wirbel.

Nur: Die "Tagesschau" berichtete in ihrer Nachrichten-Sendung am selben Abend nicht darüber. Es hagelte Kritik.

Der verantwortliche Chefredakteur Kai Gniffke nahm erst schriftlich im ARD-Aktuell-Blog und am Montagnachmittag live auf Facebook zu den Beweggründe und der Entscheidung seiner Redaktion Stellung.

Kurz vor dem Ende der etwa viertelstündigen Facebook-Live-Schalte gab es die größte Überraschung: "Wir werden heute über den Fall berichten." Gniffke möchte das nicht als Zurückrudern verstanden wissen.

"Tagesschau": Mittlerweile mehr Relevanz

Doch der Beitrag werde nicht in der "Tagesschau" um 20.15 Uhr, sondern in den später ausgestrahlten "Tagesthemen" gesendet.

"In diesem Nachrichtenmagazin wollen wir das Thema noch einmal aufmachen." Seine Begründung: Aus dem Einzelfall sei mittlerweile eine große Relevanz entstanden, unter anderem durch Stellungnahmen aus der Politik. "Damit hat das eine solche Schwelle überschritten, dass wir jetzt eine gesellschaftliche Diskussion haben, die wir sehr gerne auch abbilden."

Gniffke hatte bereits am Sonntag in einem ausführlichen Blog-Beitrag Stellung bezogen und Gründe für das Auslassen der Meldung erläutert. Kernargument: "Wir berichten nur sehr selten über einzelne Kriminalfälle. (...) Die 'Tagesschau' berichtet über gesellschaftlich, national und international relevante Ereignisse. Da zählt ein Mordfall nicht dazu."

Nachrichtenredaktion geht auf die Kritiker zu

Da die Empörung über die Entscheidung der "Tagesschau" auch danach nicht abebbte, hatte sich Gniffke auf Facebook den Fragen der Zuseher gestellt.

Obwohl Gniffke selbst angab, nicht mit "zweierlei Maß zu messen", verdeutlicht der Fall genau das: Der öffentliche Druck wurde so groß, dass sich die Redaktion zu einem halben Kompromiss genötigt sah. Damit ist man tatsächlich nicht völlig zurückgerudert, was angesichts der teils hitzigen Diskussionen der vergangen Tage nur schwer möglich gewesen wäre. Allerdings ging man mit dem Beitrag in den "Tagesthemen" auch sehr weit auf die Kritiker zu.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

(cho)