POLITIK
05/12/2016 12:57 CET | Aktualisiert 05/12/2016 13:40 CET

Riesenhuber: "Die Jugend braucht Schocks wie den Brexit und die Trump-Wahl, um aufzuwachen"

Heinz Riesenhuber (CDU)
Michael Gottschalk via Getty Images
Heinz Riesenhuber (CDU)

Brexit, Trump, Italien – dieses Jahr führte von einem Schock zum nächsten.

Vor allem Jüngere beobachten das mit Sorge. Die Welt, in der sie aufgewachsen sind, verändert sich dramatisch. Gleichzeitig sind sie auch ein Stück weit selber schuld: Sie gehen seltener zur Wahl als Ältere.

Heinz Riesenhuber (CDU), Alterspräsident des Bundestags, hat mit Blick auf die Bundestagswahlen vor dieser Demokratie-Müdigkeit gewarnt. „Ich erkenne eine ungemütliche Distanz zwischen den Überzeugungen der Jugend und ihrer Bereitschaft, für sie einzutreten“, sagte Riesenhuber der Huffington Post.

"Traumatisches Lernen"

Die junge Generation habe nicht ausreichend verstanden, dass sie die Verhältnisse, die sie stören, abwählen könne. „Ich fürchte, dass ändert sich nur durch traumatisches Lernen. Diese Generation braucht Schocks wie den Brexit und die Trump-Wahl, um aufzuwachen“, sagte Riesenhuber. „Denn auch die Jugend kann sich nicht aus ihrer demokratischen Verantwortung stehlen.“

Riesenhubers möglicher Nachfolger könnte im kommenden Jahr eben von dieser Demokratie-Müdigkeit profitieren. Da der 81-Jährige nicht mehr antritt, könnte AfD-Vize Alexander Gauland Riesenhuber als Alterspräsident beerben.

Darauf schaue er nachdenklich, sagt er im Gespräch. „Es gibt einen guten Weg und einen Irrweg – und ich hoffe, dass die Parteien alles dafür tun, den Irrweg zu verhindern“, sagte Riesenhuber.

"Gauland als mein Nachfolger wäre ein Signal, das mir nicht lieb ist"

Die Grünen hatten etwa ihren Berliner Direktkandidaten Hans-Christian Ströbele eindringlich gebeten, nochmal anzutreten, um den AfD-Politiker als Alterspräsidenten zu verhindern. Ströbele zögert aber noch. „Sollte Herr Gauland meine Nachfolge antreten, wäre das ein Signal, das mir nicht lieb ist. Andererseits geht Deutschland davon nicht unter.“

Als „ernstes Problem“ beschrieb Riesenhuber den fehlenden Nachwuchs in den Parteien. Das Durchschnittsalter bei CDU und SPD liegt bei 60 Jahren, selbst die Grünen-Mitglieder sind mit 50 Jahren im Schnitt älter als die Bevölkerung.

„Zum einen sind die klassischen Milieus ausgetrocknet“, sagt Riesenhuber. Für die Union war das zum Beispiel die katholische Jugend, für die Sozialdemokraten die Gewerkschaftsjugend. „Zum andere können soziale Netzwerke wie Facebook für viele Jugendliche die Vorzüge der Parteimitgliedschaft ersetzen.“

"Parteien sollten Facebook als Konkurrenz begreifen"

Dort können sie Kontakte knüpfen und halten, Debatten führen, den Austausch pflegen – ohne die mühselige und stetige Parteiarbeit auf sich nehmen zu müssen. „Somit sollten Parteien Facebook nicht nur als Chance, sondern auch als Konkurrenz im Kampf um den Nachwuchs begreifen“, sagte Riesenhuber.

Angesprochen auf die Kritik an der Jugend, diese sei gemeinhin schlechter als vorangegangen Generationen, sagte Riesenhuber: „Das ist grober Unfung“. „Wenn ich mir die heutige Jugend anschaue, sehe ich tüchtige, offene und neugierige Menschen.“

"Keine Generation zuvor bereiste die Welt so intensiv"

Keine Generation zuvor ging in einer so großen Zahl an die Universitäten. Die Tüchtigkeit, mit der sie sich allem Spröden der Bologna-Reform widersetzen, sei eindrucksvoll. „Und keine Generation zuvor bereiste unsere Welt so intensiv, knüpfte so viele Kontakte und tauschte sich so intensiv aus“, sagte Riesenhuber.

Riesenhuber wurde 1976 das erste Mal in den Bundestag gewählt. Unter Kohl wurde er als jüngstes Kabinettsmitglied Minister für Forschung und Technologie. Auf eine erneute Kandidatur verzichtet Riesenhuber nach eigenen Angaben auf Rat seiner Ehefrau.

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